Introvertierte Sag doch auch mal was

Spontan im Meeting aufstehen oder auf der Firmenfeier munter drauflos plappern, das fällt introvertierten Menschen schwer. Im Berufsalltag werden sie deshalb vom Chef häufig übersehen. Doch das lässt sich ändern.

Akten statt Kollegen: Introvertierte sind von permanentem Kontakt überfordert
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Akten statt Kollegen: Introvertierte sind von permanentem Kontakt überfordert


Früher dachte Ruth Groll, mit ihr stimme etwas nicht. In ihrem Job in einem Autohaus fühlte sie sich unwohl. Der ständige Trubel und der Kontakt mit den Kunden überforderten die heute 52-Jährige: "Irgendwann war ich so ausgebrannt, dass ich gekündigt habe." Auch heute, bei der Arbeit in der Buchhaltung einer Firma, hadert sie mit ihrem Platz im Großraumbüro. Das ständige Stimmengewirr, knallende Türen und Telefonklingeln strengen sie an. In der Mittagspause isst Groll am liebsten allein. Sie braucht diese Zeit, um Kraft zu tanken.

Ruth Groll ist introvertiert - so wie auch Kanzlerin Angela Merkel oder Microsoft-Gründer Bill Gates. "Introvertierte Menschen sind gerade deshalb gute Chefs, weil sie nicht ständig im Mittelpunkt stehen müssen, gut zuhören können und über eine große Empathie verfügen", sagt Sylvia Löhken, die ein Buch zum Thema geschrieben hat. "Wenn ihnen etwas wichtig genug ist, können Introvertierte alles schaffen." Das Problem: Sie werden oft übersehen.

"Introvertierte werden häufig unterschätzt, weil sie ihre Leistungen nicht überzeugend genug kommunizieren", sagt Löhken. Daran sei auch die Kultur in vielen Firmen schuld: Lauteren Menschen werde eher zugehört. "Weil die extrovertierten Mitarbeiter meist im Vordergrund stehen, wird ein riesiges Potential an guten Ideen und substantiellen Beiträgen verschenkt."

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Um nicht als desinteressiert oder arrogant abgestempelt zu werden, sei die nonverbale Kommunikation für stillere Menschen besonders wichtig, sagt Stephanie Hollstein, Karriereberaterin aus Düsseldorf. "Ein freundliches Lächeln, ein aufmerksames Nicken oder eine offene Körpersprache, das kann beim Gegenüber viel bewirken."

Um in Meetings nicht unterzugehen, sollten sich Introvertierte eigene Ziele setzen. "Man kann sich beispielsweise vornehmen, wenigstens einen Redebeitrag einzubringen", rät die Wiesbadener Karriereberaterin Ute Bölke. Dafür könne man sich auch ruhig Notizen machen und dem Chef im Vorfeld eine E-Mail schreiben und darum bitten, dass der Punkt in die Tagesordnung aufgenommen wird. "Dann kann man sich nicht mehr vor einer Wortmeldung drücken."

Auch für Veranstaltungen, bei denen Netzwerke aufgebaut werden sollen, sei für Introvertierte eine gute Vorbereitung wichtig, sagt Hollstein: "Wenn man dort bestimmte Personen kennenlernen möchte, kann man diese vorher googeln und sich gemeinsame Themen überlegen." Außerdem könne man sich mit den Personen, die man treffen will, per E-Mail verabreden oder sich vorstellen lassen.

Nur zum Thema Großraumbüro fällt den drei Karriereberaterinnen wenig ein. Um im Job die besten Leistungen zu bringen, bräuchten introvertierte Personen ein ruhiges Umfeld, sagt Löhken. Hollstein rät dazu, dem Chef das Problem zu erklären und um eine ruhigere Ecke im Großraumbüro zu bitten. Vielleicht könne man sich auch ab und an in ein ungenutztes Konferenzzimmer zurückziehen oder von zu Hause aus arbeiten.

Maria Fiedler/dpa/end

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zlep 24.08.2013
1.
Bin ich introvertiert, wenn ich in einem Meeting oder bei einer Diskussion nicht immer meinen Senf dazugeben muss, sondern einfach der Diskussion folge? Persönlich stelle ich dabei nämlich fest, dass mindestens 70% Schwachsinn ist, der entweder längst ausdiskutiert ist, bei dem bereits festgestellt wurde, dass sowieso keine Einigkeit erzielt werden wird oder der einfach am Thema vorbei geht. 25% ist Wichtigtuerei von Schaumschlägern und Blendern, den man sowieso nicht kommentieren muss. Leider sind diese 25% dann bei Chef gut angesehen.
Plasmabruzzler 24.08.2013
2.
---Zitat von Artikel--- "Sag' doch auch mal was" ---Zitatende--- Das ist dasselbe, als würde man zu einem Alkoholabhängigen sagen: "Hör doch auf zu trinken" oder zu einem Deprimierten: "Sei doch nicht so traurig". Man muss da einen Pack-an finden, sonst wird das nix.
noalk 24.08.2013
3. Pareto ...
lässt grüßen. 80% der Redebeiträge in einem Meeting sind Wiederholungen von Extrovertierten, die auch so nichts Substantielles beizutragen haben. Insofern verursachen diese überproportional hohe Kosten. Aber das wird ja schon in der Schule gelehrt, weil dort die "Beteiligung am Unterricht" einen viel zu hohen Stellenwert genießt.
Plasmabruzzler 24.08.2013
4.
Zitat von noalklässt grüßen. 80% der Redebeiträge in einem Meeting sind Wiederholungen von Extrovertierten, die auch so nichts Substantielles beizutragen haben. Insofern verursachen diese überproportional hohe Kosten. Aber das wird ja schon in der Schule gelehrt, weil dort die "Beteiligung am Unterricht" einen viel zu hohen Stellenwert genießt.
Meines Wissens nach ca. 50 Prozent der Zeugnisnote. Auch wenn manche nur Wiederholen, ihre unreflektierte Meinung abgeben, um so eine Diskussion loszutreten usw. Ich hatte in meiner Schulzeit nie verstanden, wie man mit Störung des Unterrichtes auch noch belohnt wird. Man könnte viel mehr lernen bzw. lehren, wenn manche einfach mal lernen, wann sie den Mund aufzumachen haben.
mgerhard 24.08.2013
5. Hochsensibilität und Introvertiertheit
Viele Menschen wirken introvertiert, sind es aber nicht zwangsläufig. Ich selber bin auch sehr empfindlich gegen Lärm (Großraumbüro ist der Horror für mich) und Überreizungen. Dadurch zieht man sich als Selbstschutz zurück, braucht mehr Ruhephasen als andere und wirkt für andere introvertiert. Ursache ist das Phänomen der "Hochsensibilität", auf das ich vor zwei Jahren gestoßen bin. Beschrieben und erforscht wurde es von der amerikan. Wissenschaftlerin Elaine N. Aron. Jeder, der als introvertiert angesehen wird, sich selber aber nicht so einschätzen würde, sollte sich einmal Arons Bücher anschauen, und sich nicht gleich selber den Stempel "introvertiert" aufdrücken lassen.
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