Neuseelands Premierministerin Im Federmantel zur Queen

Was Menschen bei Geschäftsessen tragen, ist oft ebenso wichtig wie das, was sie sagen. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hat sich für einen indigenen Federmantel entschieden - und wird dafür gefeiert.

AP

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hat offenbar ein Gespür dafür, wie man im Gespräch bleibt und Sympathiepunkte beim Volk einsammelt. Am Donnerstagabend gelang ihr das jedenfalls bestens, bei einem Abendessen mit der Queen.

Die 37-jährige Regierungschefin erschien zu dem Dinner im Buckingham Palace in London in einem Kahu huruhuru. Das ist ein Federmantel, den traditionell mächtige Menschen der Maori, dem indigenen Volk Neuseelands, tragen, um ihren Status und ihre Autorität zu unterstreichen, wie der "Guardian" berichtet. Ardern habe den Umhang von einem Londoner Maori-Klub geliehen bekommen.

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Jacinda Ardern in London: Federn voller Status

Dass sie ihn nun beim Treffen der 53 Commonwealth-Staaten trage, sei ein stolzer Moment für Maori rund um den Globus, zitiert die Zeitung Mark Sykes, Maori-Experte im Nationalmuseum Neuseeland. "Er stand ihr so gut", sagte Sykes.

Dass Ardern weiblich und noch dazu schwanger ist, verleiht den Fotos vom Dinner eine Symbolkraft, für die sie im Netz nun gefeiert wird. Zum Beispiel auf Twitter kommentierten zahlreiche Nutzer, wie sehr sie die Bilder berührten.

Laut Neuseelands Nationalmuseum Te Papa wurden Federmäntel gewoben, weil Vögel als Botschafter zwischen Menschen und Göttern galten. Manche Weber fertigen die Umhänge bis heute. Dafür benutzen sie meist Federn von Vögeln, die im Straßenverkehr oder von Raubtieren getötet oder kommerziell gezüchtet wurden. Denn viele Vögel Neuseelands sind inzwischen geschützt.

lov



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Pless1 20.04.2018
1. Bilder mit Symbolcharakter
Das sind in der Tat Bilder mit hohem Symbolwert, aber weit über den Gender-Gedanken hinaus. Die ehemaligen Kolonien sind erwachsen geworden, haben ein gänzlich anderes Selbstverständnis entwickelt. Niemand von denen schaut noch zu den Briten auf. Der Bild mit der Queen und Frau Ardern zeigt zwei starke Frauen - die jedoch zwei verschiedene Jahrhunderte repräsentieren. Frau Ardern begegnet der Königin dabei auf Augenhöhe - und trägt dabei als britisch stämmige Ministerpräsidentin gleichwohl das Ornat der Maori. Da zeigt sich vor allem, dass die Hinwendung der Briten zum Commonwealth anders laufen wird als manche Briten sich das wohl vorstellen. Wer im vereinigten Königreich meint, statt in Brüssel nun beim Commonwealth die Kirschen aus dem Kuchen suchen zu können wird sich noch wundern.
MannAusmNorden 20.04.2018
2. Respekt!
Also ich habe echten Respekt vor der Neuseeländischen Prämierministerin. Sie macht ihren Job wirklich gut, setzt Zeichen wo sie kann.
SeasickSteve 20.04.2018
3. Tolle Geste.
Eine wunderbare Geste, die in ihrer Symbolkraft vermutlich nur noch von der eines Cem Özdemir übertroffen würde, der als Mitglied einer deutschen Parlamentarierdelegation bei einem Abendempfang des türkischen Staatspräsidenten Bärenfell und Bronze-Spange trägt – aus Respekt gegenüber der indigenen Bevölkerung seiner schwäbischen Heimat.
Rubyconacer 20.04.2018
4. Kommerziell gezüchtet
Kommerzielle gezüchtete Vögel sind also gleichzusetzen mit „bereits tot“, „vom Auto überfahren „ oder „vom Raubtier gerötet“?! Dies schreibe ich dem Autor, ohne etwas über die Maori-Kultur zu wissen.
Pless1 20.04.2018
5.
Zitat von RubyconacerKommerzielle gezüchtete Vögel sind also gleichzusetzen mit „bereits tot“, „vom Auto überfahren „ oder „vom Raubtier gerötet“?! Dies schreibe ich dem Autor, ohne etwas über die Maori-Kultur zu wissen.
Aus Sicht des Artenschutzes: ja. Es geht darum, dass für solche Produkte keine wildlebenden Exemplare von gefährdeten Arten getötet werden. Die endemischen Arten - also jene, die von Natur aus nur dort vorkommen - waren nicht an Beutegreifer angepasst, da es dort keine gab. Durch das Einschleppen fremder Arten (insbesondere Ratten, Katzen und Hunden) sind diese Arten stark bedroht, viele bereits ausgestorben. Es spricht aber nichts dagegen, Tiere, die durch Unfälle oder Beutegreifer getötet wurden, für solche kulturellen Zwecke zu verwenden. Ansonsten muss man auf Zuchttiere ausweichen. Wenn es eine kommerzielle Nachfrage nach solchen Tieren gibt kann das durchaus dem Artenschutz dienen: auf diese Weise kann deren Zucht gesichert werden und in Teilen beispielsweise für Wiederansiedelungsprojekte zur Verfügung stehen. Je breiter eine Zuchtbasis umso mehr wirkt man einer Verengung des Genpools entgegen.
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