Sicherheitstraining Bahn lässt Shinkansen im Tunnel an Mitarbeitern vorbeirasen

Mitarbeiter eines japanischen Bahnbetreibers beschweren sich über ein Sicherheitstraining in Tunneln für Hochgeschwindigkeitszüge. Es sei wie "öffentliches Auspeitschen".

Shinkansen
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Bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreicht der japanische Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen. Damit die Mitarbeiter, die für die Wartung der Züge zuständig sind, ein Gefühl für die Geschwindigkeit und die damit verbundenen hohen Sicherheitsanforderungen bekommen, mussten Dutzende von ihnen an einer umstrittenen Übung teilnehmen.

Etwa 200 Mechaniker des Bahnbetreibers JR West (West Japan Railway Company) mussten in einen Tunnel gehen und Shinkansen-Züge dort an sich vorbeirasen lassen, berichtete unter anderem die japanische Zeitung "Mainichi".

"Das Training soll unseren Wartungsangestellten vor Augen führen, wie wichtig ihr Job ist", sagte ein Sprecher des Unternehmens der Nachrichtenagentur AFP. Er räumte ein, dass sich Mitarbeiter beschwert hätten. Trotzdem wolle man das Training fortsetzen. "Wir werden dabei sicherstellen, dass es einen Zweck verfolgt und sicher abläuft."

"Eine schreckliche Erfahrung"

In japanischen Medien äußerten einige Teilnehmer ihren Unmut. "Es war eine schreckliche Erfahrung", sagte ein Bahnmitarbeiter der Zeitung "Tokyo Shimbun". Ein anderer sagte der Zeitung "Mainichi", die Übung sei "wie öffentliches Auspeitschen" gewesen.

Das japanische Netz aus Hochgeschwindigkeitszügen verbindet die großen Städte des Landes miteinander. Trotz eines sehr hohen Passagieraufkommens sind die Shinkansen-Züge für ihre Pünktlichkeit bekannt. Außerdem gelten sie als äußerst sicher.

Das ungewöhnlich harte Sicherheitstraining für Mechaniker gibt es laut "Mainichi" seit mehr als zwei Jahren. Es sei nach einem Vorfall im August 2015 eingeführt worden, sagte der Sprecher von JR West. Damals war ein Teil der Außenverkleidung eines Shinkansen abgefallen.

kha/AFP

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insgesamt 26 Beiträge
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naklar261 27.08.2018
1. Kein Bahnexperte aber...
Solange vernünftige Sicherheitsregeln eingehalten werden hört sich das nach einem zweckmäßigen Training an. Wem sowas nicht gefällt bzw. nicht damit zurecht kommt in der Nähe von solchen Zügen zu arbeiten sollte vielleicht noch mal in sich gehen und eine detaillierte Selbstreflektion machen. Gerne auch im Gesprächskreis mit Schweigekerze.
sven2016 27.08.2018
2.
Es erschließt sich mir aus dem Artikel nicht, welche Qualifikation man dadurch erwirbt, dass man im Tunnel zu dicht an einem vorbeirasenden Zug steht oder welche Schadenssituationen dies simuliert. Ein Wertung fällt insofern schwer. Man hofft ja immer, dass sich jemand etwas Sinnvolles dabei gedacht hat.
chronoc 27.08.2018
3. Wenn...
es umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen gibt und die Mitarbeiter über diese Maßnahme vorab unterrichtet werden, empfinde ich es nicht als unmenschlich. Es mag hart sein, aber es kann sicherlich zu einer Schärfung der Sinne kommen und Betriebsmüdigkeit entgegenwirken. Bei derartigen Hochgeschwindigkeitszügen kann jeder Fehler zu einer Katastrophe führen. Allerdings sollten auch Führungskräfte an der Maßnahme teilnehmen.
burlei 27.08.2018
4. Absolut unverantwortlich!
Jetzt muss ich voraus schicken, dass ich 50 Jahre bei der Bahn gearbeitet habe, also eigentlich voreingenommen bin. Alle zwei Jahre wurde uns bei den Schulungen gepredigt, wie wir uns im Gleisbereich zu verhalten hatten. Tunnel durften ohne Gleissperrungen gar nicht betreten werden. Der von den Zügen ausgelöste Sog selbst auf Strecken mit einer HG unter 160 Km/h ist lebensgefährlich. Ohne festen Halt, ohne Schutzbauten (keine "Nischen"!) ist die Chance, nicht vom Sog erfasst zu werden enorm gering. Ich gehe jetzt davon aus, dass diese Mitarbeiter der japanischen Bahn sich in solchen Schutzbauten befanden, auch wenn es der Artikel nicht preis gibt. Trotzdem, völlig unverantwortlich. Ich hoffe nur, dass diese Manager, die solchen "Selbstversuch" angeordnet haben, das einmal selber versuchen dürfen.
hyperlord 27.08.2018
5.
Zitat von sven2016Es erschließt sich mir aus dem Artikel nicht, welche Qualifikation man dadurch erwirbt, dass man im Tunnel zu dicht an einem vorbeirasenden Zug steht oder welche Schadenssituationen dies simuliert. Ein Wertung fällt insofern schwer. Man hofft ja immer, dass sich jemand etwas Sinnvolles dabei gedacht hat.
Steht doch direkt am Anfang des Artikel: "Damit die Mitarbeiter, die für die Wartung der Züge zuständig sind, ein Gefühl für die Geschwindigkeit und die damit verbundenen hohen Sicherheitsanforderungen bekommen"
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