Gegen die Unzufriedenheit So pimpen Sie Ihren Job

Frust, Langeweile, blöde Kollegen: Wer im Job unzufrieden ist, muss nicht gleich die Stelle wechseln. Manchmal helfen ein paar Tricks, um wieder gern zur Arbeit zu gehen.

Und plötzlich macht die Arbeit wieder Spaß
plainpicture/OJO/Paul Bradbury

Und plötzlich macht die Arbeit wieder Spaß


Es gibt Zeiten, da macht der Job einfach keinen Spaß. Die Unzufriedenheit wächst, die Motivation schrumpft. Und am Ende steht womöglich der Wechsel in eine neue Firma. Dabei muss das oft gar nicht sein. Durststrecken sind ganz normal - und manchmal helfen schon ein paar kleine Tricks, sie zu überwinden.

"Die Wirkung kann erheblich sein: Wer die Spielräume innerhalb seiner Tätigkeit erkennt, bekommt ein stärkeres Gefühl der Selbstbestimmung", sagt Psychologin und Sachbuchautorin Ilona Bürgel. "Das kann Stress reduzieren und Burn-out vorbeugen." Und: Wer mehr Spaß an der Arbeit hat, ist automatisch engagierter und oft erfolgreicher.

So könnte sich etwa eine Personalerin tiefer ins Arbeitsrecht einarbeiten als nötig, wenn sie sich für Jura interessiert. Oder eine Krankenschwester könnte ihre Schichten mit denen ihrer Lieblingskollegen zusammenlegen, um wieder gern zur Arbeit zu gehen. Oder ein Koch könnte sich selbst als Künstler sehen, wenn er die Gerichte auf den Tellern kreativ anrichtet.

Mit wem arbeite ich? Wie sehe ich meinen Job?

Berater sprechen von "aktiver Arbeitsplatzgestaltung" oder auch "Job Crafting", wenn Menschen kleine Änderungen an ihrem Job vornehmen. Ob das jetzt ein Trend ist, der einen eigenen Namen verdient, darf man bezweifeln. Trotzdem kann es helfen, sich gelegentlich bewusst zu machen, wofür man arbeitet und welche Aspekte man gern verbessern würde.

Experten teilen die möglichen Stellschrauben in vier Gruppen ein: "Erstens: Was arbeite ich? Damit sind die Aufgaben gemeint. Zweitens: Mit wem arbeite ich? Das können Kollegen oder Kunden sein. Und drittens: Wie sehe ich meinen Job? Dabei geht es um die innere Haltung", zählt Organisationsberaterin Frauke Schmid-Peter auf. Als eine vierte Stellschraube sieht sie die Frage: "Wo und wann arbeite ich?" Kontext, Arbeitsplatz und Arbeitszeiten wären dafür Beispiele.

Die Veränderungen, die Arbeitnehmer an ihrer Tätigkeit vornehmen, müssen nicht groß sein. "Es geht schließlich nicht um Revolution, sondern um Evolution", sagt Ilona Bürgel. Wer die Gleitzeit ausnutzt, um seiner Langschläferneigung nachzukommen oder sich ein neues Ablagesystem für seine Dokumente ausdenkt, muss noch nicht einmal den Vorgesetzten um Erlaubnis fragen.

Immer wichtiger bei der Jobsuche: Inwieweit darf ich mitgestalten?

Manche glauben, dass sich "Job Crafting" zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt. "Die Arbeitnehmer der Zukunft suchen nicht nach einem perfekt designten Job - sie möchten ihn anhand ihrer persönlichen Stärken und Interessen mitgestalten", sagt Eva B. Müller. Sie war viele Jahre als Führungskraft in internationalen Unternehmen tätig und arbeitet nun als Autorin, Beraterin und Trainerin in den Bereichen Führung und Kommunikation.

Um strukturiert vorzugehen, rät Organisationsberaterin Frauke Schmid-Peter dazu, sich über einen längeren Zeitraum hinweg alle Aufgaben aufzuschreiben, die im Arbeitsalltag anfallen. Dann kann man darüber nachdenken, welche einem Freude bereiten - und welche eher Energie rauben. "Bei unliebsamen Tätigkeiten sollten Arbeitnehmer versuchen, diese zu reduzieren oder schauen, ob es Kollegen gibt, denen diese Aufgaben mehr liegen. Vielleicht will ja jemand tauschen", erklärt Schmid-Peter.

Psychologin Bürgel hält es außerdem für sinnvoll, sich bewusst zu machen, was die eigenen Stärken sind. Jemand, der besonders neugierig ist, kann sich zum Beispiel in ein Team einbringen, das im Unternehmen neue Software als Erstes nutzt. Arbeitnehmer, die gerne anderen etwas beibringen, haben möglicherweise Spaß daran, neue Kollegen einzuarbeiten.

Zur Frage "Mit wem arbeite ich?" empfiehlt Organisationsberaterin Schmid-Peter, sich bewusst zu machen, mit welchen Kollegen man gerne zusammenarbeitet. "Vielleicht gibt es die Möglichkeit, stärker gemeinsam an Projekten zu arbeiten - oder zumindest häufiger zusammen Mittag zu essen."

Kurzfristig können die Veränderungen zu Stress führen

Wenn Arbeitnehmer die innere Haltung verändern, mit der sie an ihren Job herangehen, spricht Beraterin Müller von einem "mental shift", von einer mentalen Verschiebung. Dabei werde dem Beruf oder einzelnen Aufgaben ein ganz besonderer Sinn zugeschrieben. "Ein Rettungssanitäter, der zu sehr über die negativen Aspekte seiner Arbeit nachdenkt, kann sich wieder mentale und körperliche Ressourcen beschaffen, indem er sich vor Augen führt, dass seine Arbeit vielen Menschen hilft", erklärt Müller. Wer diesen Prozess, der nicht jedem leicht fallen dürfte, allein nicht schafft, kann sich bei einem Karrierecoach oder einer Vertrauensperson im Unternehmen Rat und Unterstützung holen.

Arbeitnehmer sollten aber immer beachten: Wenn die Veränderungen, die sie vornehmen, auch andere betreffen, ist es klug, sich mit Kollegen und Vorgesetzten abzusprechen. "Wer einen neuen Kundenkreis möchte, braucht sogar die Unterstützung von oben", sagt Autorin Ilona Bürgel. Führungskräfte müssten außerdem sicherstellen, dass die Pläne des Angestellten nicht im Gegensatz zu den Unternehmenszielen stehen.

Und obwohl die langfristigen Folgen der aktiven Arbeitsplatzgestaltung oft positiv sind, weist Eva B. Müller darauf hin, dass kurzfristig Stress entstehen kann, verursacht durch zusätzliche oder unbekannte Tätigkeiten oder auch durch neue Sozialkontakte. Doch Müller sagt: "Das ist ein ganz normaler Vorgang, wenn Menschen neue Dinge lernen und ausprobieren."

mja / mit Material von dpa



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