Jobwechsel Vitamin B statt Headhunter

Wenn der Chef fragt, ob man nicht jemanden für die freie Stelle kenne, kann das heikel enden. Was, wenn der empfohlene Kumpel doch kein Überflieger ist oder sich im Unternehmen nicht wohlfühlt?

Freunde im Beruf
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Freunde im Beruf


Torben, 34, fragt: "Ich arbeite als Systementwickler in einer Firma im Anlagenbau. Uns fehlen mehrere Fachkräfte in fast allen Bereichen und mein Chef hat mich gebeten, in meinem privaten Umfeld und unter ehemaligen Kollegen IT Experten für das Unternehmen anzuwerben. Dafür bietet er mir eine Prämie an. Kann ich das Angebot annehmen oder könnte das meinem Verhältnis zu Kollegen und Freunden schaden?"

Hallo Torben,

Ihr Chef folgt einem Trend. Die "Mitarbeiter werben Mitarbeiter Programme" erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Neue Mitarbeiter über persönliche Netzwerke zu gewinnen, ist sehr kostengünstig und effektiv. Denn so erreichen Unternehmen auch Kandidaten, die nicht aktiv nach einer neuen Stelle suchen. Die persönliche Empfehlung erzeugt eine Sogwirkung aus bestehenden Arbeitsverhältnissen.

Allerdings besteht die Gefahr, dass sich die Beteiligten zu sehr auf die Urteilskraft des Empfehlungsgebers verlassen. Deshalb: Versprechen Sie niemals zu viel. Denn das führt zwangsläufig zu Enttäuschungen, die Ihnen angelastet werden - und zwar von beiden Seiten.

Verwechseln Sie Sympathie nicht mit Kompetenz

Überlegen Sie genau, ob Sie Ihr Unternehmen wirklich empfehlen wollen. Hand aufs Herz - arbeiten Sie gern bei Ihrem Arbeitgeber? Schätzen Sie Ihren Chef und Ihre Kollegen fachlich und menschlich? Gibt es eine faire und vertrauensvolle Unternehmenskultur? Wird Ihr Freund dort finden, was ihm wichtig ist? Sollten Sie das nicht aus vollem Herzen bejahen können, dann seien Sie vorsichtig. Suchen Sie in Ihrem Freund auf keinen Fall einen zusätzlichen Verbündeten, um Ihre eigenen unerfüllten Wünsche gegenüber dem Chef oder den Kollegen durchzusetzen. Das führt sehr schnell zu Spannungen im Team.

Perspektivenwechsel: Überlegen Sie ebenfalls sehr genau, wen Sie empfehlen.

Haben Sie mit Ihrem Freund bereits in anderen Unternehmen zusammen gearbeitet oder kennen Sie seine Arbeitsweise nur aus Erzählungen? Ist Ihr Freund wirklich qualifiziert für die Aufgaben, hat er Vergleichbares schon getan? Das Selbstbild weicht oft vom Fremdbild ab. Menschen neigen dazu, sich selbst besser darzustellen als es objektiv belegbar wäre. Verwechseln Sie freundschaftliches Verhalten und Sympathie nicht mit Kompetenz.

Selbstverständlich wird Ihr Chef erwarten, dass Sie nur zuverlässige und fleißige Mitarbeiter anwerben, die bereit sind, sich in die Firma zu integrieren. Bedenken Sie auch, häufiges Klagen und Lästern über die alte Firma sagt auch etwas aus. Oftmals wird bei Misserfolgen die Fehlerursache nur bei den Anderen gesucht, um von eigenen Versäumnissen abzulenken.

Empfehlen Sie Ihrem Arbeitgeber nur Personen, die ins Unternehmen passen. Sonst kann eine gut gemeinte Fürsprache Ihrer Reputation im Unternehmen schaden.

Die Empfehlungsprämie sollte weder alleiniges Motiv noch Hinderungsgrund für eine Empfehlung sein.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
b.anker 22.12.2016
1. Bitte nicht kompliziert machen.
1. Kandidaten kann man ruhig sagen, dass im eigenen Hause Stellen frei sind. Alles andere wäre seltsam. 2. Kontakt herstellen zwischen den beiden Parteien Unternehmung und Kandidat. Sei es durch eine Email, oder durch Überreichen von gegenseitigen Telefonnummern. 3. Beiden Parteien sagen, dass sie sich selber gegenseitig prüfen müssen. Eine Bewerbung ist ja immer zweiseitig. Fertig ist die Laube. Falls man in Späthaftung für eine falsch gelaufene Personalentscheidung genommen wird, ist man in der falschen Unternehmung. Falls man in Späthaftung für eine falsch gelaufene persönliche Entscheidung genommen wird, hat man unreife Freunde.
juliajuliane 22.12.2016
2. Keine gute Idee
Aus eigener Erfahrung kann ich nur Abraten dem eigenem Unternehmen jemanden aus dem Freundeskreis zu empfehlen. Im schlimmsten Fall hat das Unternehmen einen guten Mitarbeiter mehr und man selbst einen Freund weniger. Das ist es nicht wert.
smartphone 22.12.2016
3. Headhunter ist nicht das Problem
Das kernproblem sind völlig überzogene Ansprüche an den potentiellen Kandidaten ... Wenn man derart unflexible HR Abteilung hat .....Woher kommt denn der Mangel . Wenn HRs auf Bewerber gar nicht reagieren, oder der Casus Thorben 34 sagt ja schon , man keine Jahre alt sein soll Wirklcih gute Leute , also 45-55 Jährige offenbar die Krätze haben .... Wer so agiert , findet keine Leute ...und verliert btw auch an Knowhow , wie allgemein in D längst konstatiert wird. Solange kein massiver Paradigmenwechsel stattfindet ---forget it
jujo 22.12.2016
4. ...
Zitat von b.anker1. Kandidaten kann man ruhig sagen, dass im eigenen Hause Stellen frei sind. Alles andere wäre seltsam. 2. Kontakt herstellen zwischen den beiden Parteien Unternehmung und Kandidat. Sei es durch eine Email, oder durch Überreichen von gegenseitigen Telefonnummern. 3. Beiden Parteien sagen, dass sie sich selber gegenseitig prüfen müssen. Eine Bewerbung ist ja immer zweiseitig. Fertig ist die Laube. Falls man in Späthaftung für eine falsch gelaufene Personalentscheidung genommen wird, ist man in der falschen Unternehmung. Falls man in Späthaftung für eine falsch gelaufene persönliche Entscheidung genommen wird, hat man unreife Freunde.
Sehe ich genauso. Man sollte im Konjunktiv bleiben. Diese Person oder dieser Betrieb könnte passend sein.
spiegelmup 22.12.2016
5. Das geht immer schief
Wenn das System nicht funktioniert, ist man der Dumme. Und das ist in der Regel so. Einer ist immer unzufrieden. Deswegen raushalten, maximal einen Tipp geben. Nie persönlich intervenieren.
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