Studie Jobcenter benachteiligen Menschen mit ausländisch klingenden Namen

"Welche Unterlagen brauche ich für meinen Hartz-IV-Antrag?" Was Jobcenter darauf antworten, unterscheidet sich stark - je nachdem, wer fragt.

DPA


Jobcenter neigen bei Anfragen von Menschen mit einem ausländisch klingenden Namen zur Diskriminierung. Wie das Wissenschaftszentrum Berlin erklärte, erhielten in einem Experiment Fragesteller mit einem türkischen oder rumänischen Namen "qualitativ schlechtere Auskünfte" als Menschen mit einem deutschen Namen.

Dazu hatten die Wissenschaftler fiktive Anfragen zum Thema Hartz IV per E-Mail verschickt, an 408 Jobcenter in ganz Deutschland. In den Mails baten fiktive Menschen mit deutsch, türkisch oder rumänisch klingenden Namen um Auskunft, welche Unterlagen für einen Hartz-IV-Antrag benötigt würden. Die E-Mails variierten auch bei Beruf, Geschlecht und hinsichtlich des Schreibstils. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in dem Fachmagazin "American Journal of Political Science" veröffentlicht.

Zwar hätten alle Jobcenter die E-Mails beantwortet, erklärten die beiden Forscher Anselm Rink und Johannes Hemker. Die angeblich ausländischen Fragesteller hätten aber "häufiger unzureichende und weniger detaillierte Informationen" erhalten als deutsche. Dieses "Informationsdefizit" hätte sie von einer Antragstellung abhalten können, monierten die Experten.

Im Westen schlimmer als im Osten

Unterschiede ergaben sich dabei zwischen den Jobcentern: So schnitten westdeutsche Behörden schlechter ab als ostdeutsche. Außerdem waren Jobcenter, die direkt der Bundesagentur für Arbeit unterstellt sind, deutlich auskunftsfreudiger als Jobcenter unter kommunaler Verwaltung.

Die Mails haben die Wissenschaftler für ihre Studie in den Jahren 2014 und 2015 verschickt. Doch die Ergebnisse stehen im Einklang mit einem Bericht, den die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sowie die Behindertenbeauftragte und die Integrationsbeauftragte der Regierung erst Ende Juni vorgestellt hatten. Darin kritisierten sie "teils gravierende Diskriminierungsrisiken" bei der Arbeitsvermittlung. Dabei ging es ebenfalls um Bewerber, die wegen eines ausländisch klingenden Namens trotz gleicher oder besserer Qualifikation schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt hatten.

mamk/AFP

insgesamt 57 Beiträge
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alex2k 08.09.2017
1. Das war
auch einer der Gründe, weshalb ich im Jahr 2003 meinen Namen geändert habe. Maximale Integration ;)
londonpaule 08.09.2017
2. Validitaet?
"Die E-Mails variierten auch bei Beruf, Geschlecht und ***hinsichtlich des Schreibstils***. " Falls die emails auslaendisch klingender Namen in gebrochenem deutsch formuliert gewesen sein sollten (wie es der Satz zumindest suggeriert) braucht man sich nicht zu wundern dass ein Mitarbeiter weniger Aufwand investiert da die Erfolgsaussichten ggf deutlich geringer sind. Zulaessige Aussagen lassen sich nur machen wenn alle anderen Faktoren konstant gehalten werden und v.a. die Stichprobengroesse hinreichend ist!
londonpaule 08.09.2017
3.
nun ging es um Hartz 4 Antraege - nicht um Arbeitsstellen - nun gut, ich habe kein Problem damit dass hierfuer nicht der rote Teppich fuer nichtdeutsche Staatsbuerger ausgerollt wird, das ist auch nicht die Idee des europaeischen Arbeitsmarktes...
Pars pro toto 08.09.2017
4. So ein Quatsch
Bei uns wird jeder gleich behandelt. Wenn es der linken Presse langweilig wird, kommt so ein Klops. Hören sie auf die Verwaltungsangestellten in den deutschen Behörden zu diskreditieren. Die machen einen großartigen Job und haben es mit unseren neuen deutschen Mitbürgern oft genug alles andere als leicht. Auch wenn sie das jetzt nicht hören wollen, aber das ist die Realität.
MattKirby 08.09.2017
5. Witzig
womit sich Soziologen so die Zeit vertreiben und dann auch noch Wissenschaft drüberschreiben. Warum publizieren sie ihre bahnbrechenden Erkenntnisse in einem US-Journal?
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