Blumenhandel Was Kunden am Valentinstag von Verkäuferinnen verlangen

Heute ist Valentinstag - für Blumenverkäuferinnen heißt das: Großkampftag. Überzogene Kundenwünsche nerven, es ist oft schwer, zu muffeligen Käufern freundlich zu sein. Und manche Verliebte übertreiben es einfach.

Blumenverkäuferin bei der Arbeit (Archivbild)
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Blumenverkäuferin bei der Arbeit (Archivbild)

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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in vielen Berufen jede Menge Platz. In der Serie "Das anonyme Jobprotokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt - ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

"Am Valentinstag ist bei uns Hochbetrieb. An normalen Tagen verkaufe ich etwa 60 rote Rosen. Am Valentinstag kaufe ich 250 rote Rosen auf dem Großmarkt ein, die manchmal schon vor zwölf Uhr mittags vergriffen sind.

Viele Kunden sind gerade am Valentinstag gut gelaunt. Aber einige haben auch zu hohe Erwartungen. Wer am Valentinstag um 17 Uhr in den Laden gehetzt kommt und plötzlich noch einen Strauß mit 20 roten Rosen kaufen möchte, darf nicht enttäuscht oder wütend sein, wenn ich die nicht mehr im Laden habe. Wer eine bestimmte Anzahl von Rosen haben möchte, dem rate ich ohnehin, sie vorzubestellen.

Kunden, die erst eine halbe Stunde lang alle Blumen begucken und dann nur eine einzelne Blume für einen Euro kaufen und dabei noch unfreundlich sind, nerven auch ein wenig. Ich bleibe aber trotzdem nett, denn es kann ja immer sein, dass die Menschen sich an mich erinnern und dann zu besonderen Anlässen doch etwas Größeres kaufen wollen.

Was vielen auch nicht klar ist: Die Preise für Blumen ziehen am Valentinstag schon im Einkauf an. Ich muss den Preis im Geschäft anheben, um meine Kosten decken zu können. Der Spruch 'Der Valentinstag ist Geldmacherei der Blumenläden' ist also falsch.

Blumen für die ganz große Geste

Meine Kundschaft ändert sich am Valentinstag. Das ganze Jahr hindurch kommen vor allem Frauen in meinen Laden und kaufen Blumen. Doch am Valentinstag ist meine Kundschaft vor allem männlich. Viele wollen ihren Partnerinnen eine kleine Freude machen oder bringen der Schwiegermutter oder gleich der ganzen Familie einen Strauß Blumen mit.

Aber manchmal eignet sich der Valentinstag auch für eine ganz große Geste: Vor zwei Jahren kam ein mittelalter Mann in mein Geschäft, der schon in den Wochen vorher ab und zu bei mir kleinere Blumensträuße gekauft hatte. Er kaufte Blumen im Wert von 280 Euro - Gestecke, große Sträuße roter Rosen und Blütenblätter.

Außerdem lieh er sich meine weiße Gartenbank aus. Er holte alles mit dem Auto ab und dekorierte seinen Balkon und die ganze Wohnung mit Blumen. Am Abend des Valentinstages machte er seiner Freundin einen Heiratsantrag. Als er mir die Bank zurückbrachte, habe ich mich riesig für ihn gefreut, als er erzählte, dass sie "Ja" gesagt hat. Heute haben die beiden ein Kind und kaufen immer noch regelmäßig bei mir.

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Das anonyme Job-Protokoll: So sieht der Alltag wirklich aus

Ich wollte schon immer Floristin werden. Als kleines Mädchen lief ich immer im Sommer mit nackten Füßen über die Wiesen, pflückte Blumen und machte daraus kleine Sträußchen. Mehr als Gänseblümchen, Löwenzahn und Margeriten fand ich meist nicht. Aber die verschiedenen Düfte der Blumen beeindruckten mich.

Als ich dann nach der Schule meine Ausbildung in einem Blumenladen begann, war ich überwältigt von der schlichten Masse der Blumen, von ihren Farben und ihrer Vielfalt. Noch heute, nach über 30 Jahren, freue ich mich auf meine Blumen.

Inzwischen bin ich seit 25 Jahren selbstständig, habe ein Geschäft und zwei Mitarbeiter. Ich liebe meinen Job sehr. Trotzdem sehe ich, wie um mich herum immer mehr Blumenläden schließen müssen. Dabei ist bei uns die Konkurrenz durch den Onlinehandel gar nicht unbedingt das Hauptproblem.

Blumen sind schwer

Viele unterschätzen, wie hart die Arbeit eines Floristen ist. Der Blumengroßmarkt, von dem ich meine Ware beziehe, öffnet morgens um fünf Uhr. Wenn ich meinen Laden um acht Uhr aufmachen möchte, muss ich direkt zu Beginn da sein. Dort kaufe ich die Ware ein und bringe sie mit dem Wagen zu meinem Laden.

Diese Tour mache ich zwischen drei und fünf Mal pro Woche allein, seit 25 Jahren. Das merke ich mittlerweile schon, vor allem im Rücken. Denn, was viele unterschätzen: Blumen sind schwer. Ich mache deshalb regelmäßig Krankengymnastik, damit mein Rücken nicht schief wird und ich fit bleibe.

Außerdem sind meine Arbeitstage lang. An den Tagen, an denen ich Blumen einkaufe, arbeite ich von morgens um fünf Uhr bis zum Ladenschluss um 18.30 Uhr. Danach muss ich noch aufräumen und die Abrechnungen machen.

An normalen Werktagen kann ich mich mit meinen Mitarbeitern in der Mittagspause abwechseln und dann auch in Ruhe etwas essen. Aber vor allem in den Adventswochen komme ich oft auf über 90 Arbeitsstunden und kann nur schnell zwischendurch etwas essen oder auf Toilette gehen.

Ich liebe Blumen sehr. Sie verhalten sich unterschiedlich, bewegen sich mit dem Licht und mit dem Wind. Ich freue mich immer sehr, wenn ich einen Strauß Blumen geschenkt bekomme, auch wenn meine Freunde manchmal Angst haben, dass ich die von ihnen gekauften Sträuße gleich auseinanderpflücke und korrigieren will. Aber das würde ich nie tun. Meine Lieblingsblumen sind Calla. Die habe ich am liebsten zu Hause in der Vase stehen und trage sie sogar als Ring am Finger."

insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
karlsiegfried 13.02.2019
1. Wirklich traurig
Wer nur an Blumenhändlerfeier- oder Abzocktagen, wie Valentinstag oder Totensonntag Blumen kauft und/oder verschenkt ist ein Herdentier und wirklch zu bedauern. Aber was macht das schon, Wähler, Autokäufer und andere Herdentierarten verhalten sich nicht anders, Nur, wer ein Herdentier ist hat auch viel zu leiden. Nur gemeckert werden sollte dann nicht, sondern still erduldet.
ge1234 13.02.2019
2. Früher ...
... habe ich des öfteren Blumen per Fleurop-Service verschickt, was immer eine gelungene und freudige Überraschung war. Heute werden online bestellte Blumensträuße per Post und im Karton verschickt; ist die Adressatin nicht zu Hause, gibt es eine Paket-Abholkarte in den Briefkasten und die Dame muß sich das "Paket" in der Postfiliale (aber nicht heute!) selbst abholen. Bei Nachbarn abgeben gibt's anscheinend nicht mehr! Nicht sehr romantisch! Das ist mir leider zweimal passiert, jetzt verschicke ich halt keine Blumen mehr!
Sibylle1969 14.02.2019
3.
Interessant wäre jetzt noch gewesen, wieviel man mit einem eigenen Blumenladen so verdient. Die besten Standorte für Blumenläden sind ja anscheinend direkt neben dem Friedhof, wenn ich mir die Ballung von Blumenläden in der Nähe von Friedhöfen anschaue.
almeo 14.02.2019
4.
Zitat von karlsiegfriedWer nur an Blumenhändlerfeier- oder Abzocktagen, wie Valentinstag oder Totensonntag Blumen kauft und/oder verschenkt ist ein Herdentier und wirklch zu bedauern. Aber was macht das schon, Wähler, Autokäufer und andere Herdentierarten verhalten sich nicht anders, Nur, wer ein Herdentier ist hat auch viel zu leiden. Nur gemeckert werden sollte dann nicht, sondern still erduldet.
Ach wissen Sie, mit Ihrer Gesellschaftskritik sind Sie doch selbst auch nur ein Herdentier das das erzählt, was die Herde propagiert. Ist wie die neue Influencer-Gesellschaft: Alles ganz viele individuelle Schneeflocken, die in Gänze aber doch nur eine weiße Masse sind. Wir leben in einer durchorganisierten Welt, da ist klar, dass auch unsere Leben durchorganisiert und zunehmen uniform werden. Da kann man sich jetzt drüber aufregen oder einfach mit leben. Letzeres macht das Leben - meiner Meinung nach - ein bisschen einfacher...
Mr T 14.02.2019
5.
Zitat von almeoAch wissen Sie, mit Ihrer Gesellschaftskritik sind Sie doch selbst auch nur ein Herdentier das das erzählt, was die Herde propagiert. Ist wie die neue Influencer-Gesellschaft: Alles ganz viele individuelle Schneeflocken, die in Gänze aber doch nur eine weiße Masse sind. Wir leben in einer durchorganisierten Welt, da ist klar, dass auch unsere Leben durchorganisiert und zunehmen uniform werden. Da kann man sich jetzt drüber aufregen oder einfach mit leben. Letzeres macht das Leben - meiner Meinung nach - ein bisschen einfacher...
Valentisnstag macht das Leben etwas einfacher, weil es Sie daran erinnert, ihrer Frau/ihrem Mann/etc, ihre Zuneigung zu zeigen? Und wenn man Blumen zu einem anderen tag schenkt, ist man eine weisse Masse? Aphorismen machen Ihr Argument auch nicht ueberzeugender...
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