Jobwechsel zur Konkurrenz So lässt sich eine Bewerbung geheim halten

Sie wollen sich um einen anderen Job bemühen, ohne dass es die Kollegen oder der Chef mitbekommen? Heimliche Bewerbungen sind üblich und sinnvoll. Doch auf ein paar Dinge sollten Sie achten.

Anschreiben tippen nach Feierabend: heimliche Bewerbungen sind Privatsache
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Anschreiben tippen nach Feierabend: heimliche Bewerbungen sind Privatsache

Von "Karrierebibel"-Autorin Anja Rassek


Sie wollen die Firma wechseln? Oder einfach mal Ihren Marktwert testen? Es kann viele Gründe geben, sich bei der Konkurrenz zu bewerben. Aber machen erst mal Gerüchte vom bevorstehenden Wechsel die Runde, könnten Sie in Erklärungsnot geraten.

Rechtlich haben Sie nichts zu befürchten, denn das Grundgesetz garantiert allen Bürgern die freie Berufswahl. Unangenehm könnte es trotzdem werden. Denn wenn es mit dem neuen Job nicht klappt, sitzen Sie am Ende in einem Büro mit vergifteter Stimmung.

Auch Chefs setzen ihre Mitarbeiter längst nicht über alles sofort in Kenntnis. Etwa, wenn eine Übernahme bevorsteht oder Abteilungen umstrukturiert werden sollen. Eine gewisse taktische Geheimhaltung ist auf beiden Seiten daher nicht ungewöhnlich. Aber das Wichtigste ist Diskretion.

Schreiben Sie die Bewerbung auf gar keinen Fall während der Arbeitszeit und nutzen Sie nicht Ihre Firmen-E-Mail-Adresse. Zum einen könnten Sie erwischt werden, zum anderen senden Sie der neuen Firma das Signal, dass Ihre Loyalität und Ihr Unrechtsbewusstsein generell eher gering ausgeprägt sind. Bitten Sie potenzielle Arbeitgeber, Sie nach Feierabend unter Ihrer Privatnummer anzurufen.

So formulieren Sie das Anschreiben

Wenn Sie den potenziellen Arbeitgeber darum bitten, Ihre Bewerbung vertraulich zu behandeln, spricht man von einem Sperrvermerk. Entsprechende Formulierungen können Sie in den Betreff oder den letzten Absatz Ihres Anschreibens setzen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann im Lebenslauf auch den aktuellen Arbeitgeber anonymisieren. Hier einige Beispielsätze für...

...den Betreff:

"Ich bitte Sie, meine Bewerbung vertraulich zu behandeln. "

"Mit der Bitte um Vertraulichkeit - Ihre Stellenanzeige für einen Biochemiker"

...den letzten Absatz:

"Da ich mich gegenwärtig in ungekündigter Stellung befinde, bitte ich Sie, diese Unterlagen vertraulich zu behandeln. "

"Ich bitte Sie ausdrücklich um vertrauliche Behandlung meiner Bewerbung, da ich mich in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befinde ."

...den Lebenslauf:

"Ich bitte um Ihr Verständnis, dass ich aus Gründen der Vertraulichkeit meinen gegenwärtigen Arbeitgeber nicht nenne. "

"Ich arbeite derzeit bei einem international tätigen Chemieunternehmen. "

So treten Sie im Bewerbungsverfahren auf

Sollte Ihre Bewerbung erfolgreich sein, gilt es, zuerst den Vorgesetzten zu informieren. Bis dahin sollten Sie sich mit Andeutungen den Kollegen gegenüber zurückhalten. Dringt dennoch etwas von Ihrem Vorhaben nach außen, sollten Sie diese Gerüchte am besten selbstbewusst parieren.

Dafür haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Defensive: Sie ziehen die Gerüchte ins Lächerliche und streiten den Wahrheitsgehalt ab, indem Sie auf das verweisen, was es letztlich ist: Klatsch und Tratsch.
  • Offensive: Sie bestätigen gewissermaßen Ihre heimliche Bewerbung, betonen allerdings, dass Sie nicht kündigen, sondern sich nur eine bessere Ausgangslage beim nächsten Gehaltsgespräch verschaffen wollen.

Welche der beiden Methoden eher passt, müssen Sie selbst situations- und personenbedingt entscheiden.

Arbeiten Sie weiterhin sorgfältig und gewissenhaft. Denn wenn die Bewerbung platzt, haben Sie sonst noch zusätzlichen Ärger. Kündigen Sie erst bei Zusage. Solange Sie keinen unterschriebenen Arbeitsvertrag vom neuen Arbeitgeber haben, sollten Sie keine Schritte einleiten.

So verhalten Sie sich dem Chef gegenüber

Um ihn oder sie schonend auf eine mögliche Kündigung vorzubereiten, können Sie schon im Vorfeld um ein Gespräch bitten. Fragen Sie nach Ihren Perspektiven im Unternehmen und bekunden Sie Ihr Interesse an beruflicher Weiterbildung. Dann kann Ihr Chef die Karten auf den Tisch legen und schildern, wo er Sie in den nächsten ein bis zwei Jahren sieht. Tut er das nicht oder sind die Aussichten unbefriedigend, können Sie sich in einem späteren Gespräch darauf beziehen - wenn Ihre heimliche Bewerbung erfolgreich war.



insgesamt 7 Beiträge
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Nordstadtbewohner 16.01.2018
1. Büro, Büro
"Denn wenn es mit dem neuen Job nicht klappt, sitzen Sie am Ende in einem Büro mit vergifteter Stimmung." Ich denke, Frau Rassek denkt bei diesem Thema zu eindimensional. Die Arbeitswelt besteht eben nicht nur aus Büros. Ich bin selbst ein "Büro-Arbeiter", aber die Bürolastigkeit der Karriere-Kategorie ist schon sehr auffällig. Vielleicht sollten Autorinnen wie Frau Rassek und nicht wenige Journalisten mal den Weg in den anderen Teil der Arbeitswelt wagen: Dort, wo nicht im Büro gearbeitet wird. Könnte spannend werden! Zum Thema: Ich denke, es ist nichts Schlimmes, wenn man sich bei anderen Unternehmen bewirbt. Schließlich sollte man seine Chance nutzen, sich auf beruflicher Ebene zu verbessern und mehr Geld zu verdienen.
lutzlabi 16.01.2018
2. "schonend auf eine mögliche Kündigung vorzubereiten"
Wen man seine Bewerbung in der aktuellen Firma und unter Nutzung von PC, Drucker oder E-Mail verfasst, hat man sich ja schon mal für den neuen Job disqualifiziert. "So verhalten Sie sich dem Chef gegenüber Um ihn oder sie schonend auf eine mögliche Kündigung vorzubereiten, ..." Wenn man einen neuen Arbeitsvertrag hat, gibt es noch zwei Prioritäten: 1. Die Kündigung formal korrekt und fristgerecht abzugeben 2. Ein gutes Zeugnis zu bekommen. Es gibt genug Chefs, die ohne formelle Kündigung eine mündliche Ankündigung nicht ernst nehmen oder versuchen, jemanden zum Bleiben zu überreden. Und wer sich "gehen lässt" oder über die Noch-Firma herzieht, riskiert ein gutes Zeugnis (habe ich alles schon erlebt). Den Chef "schonend darauf vorzubereiten" kann nur Teil von Ziel Nr. 2 sein.
phekie 17.01.2018
3. Was sind das für Tips?
"nicht während der Arbeit schreiben und nicht die Firmenemail nutzen" Dafür macht man einen Artikel? Das sollte jeder Zehntklässler wissen. Fehlt nur noch "nicht Briefkopfpapier der Firma benutzen und nicht in Gegenwart des Chefs Bewerbungstermin ausmachen". Aber gut auf Seiten des AGs gibts auch geistige Nieten. Bei mir hat auch mal eine Firma, bei der ich mich beworben habe bei meiner jetzigen Firma angerufen und wollte mich sprechen wegen einer Bewerbung. Wie es der Zufall wollte war auch mein GF am Telefon und hat große Ohren bekommen. Diese Fehlleistung hat mir 300,- € mehr netto gebracht und ich bin nicht gewechselt. Danke nochmal dafür, wer auch immer das war! :-)
Hamberliner 17.01.2018
4. Vorsicht wenn man abgeworben wird
Auch ich musste mich kugeln vor Lachen wegen der "klugen" Tips nicht während der Arbeit und mit Ressourcen des Arbeitgebers an einer Bewerbung bei der Konkurrenz zu basteln. Stattdessen vermisse ich einen Tip, den ich nun beisteuern möchte: Wenn man sich gar nicht bei der Konkurrenz beworben hat, sondern auf Initiative der Konkurrenz abgeworben wird, sollte man eins nicht vergessen: Der potenzielle neue Arbeitgeber bedient sich damit unseriöser Methoden. Wenn der gegenüber anderen Unternehmen derselben Branche Mittel aus dem Klo ergreift, wie sie vielleicht unter Zuhältern üblich sind aber nicht unter seriösen forschungsintensiven Engineering-Unternehmen, dann könnte es doch sein, dass dieser neue Arbeitgeber sich gegenüber dem neuen Mitarbeiter genauso unseriös verhält und die versprochene Position von Anfang an erstunken und erlogen war. Ich habe den Fehler gemacht das nicht in Betracht zu ziehen. Anstatt wie vereinbart als Hauptverantwortlicher für mein Wissensgebiet eingesetzt zu werden fand ich die Position von einem anderen besetzt vor und wurde aufs Abstellgleis geschoben. Sinn und Zweck der Übung war gar nicht gewesen, Technologie zu akquirieren, sondern der Konkurrenz einen gefährlichen Zahn (mich) zu ziehen. Es folgten Jahre Mobbing und einmal auch eine betriebsbedingte Kündigung, die nur mühsam zurückgenommen wurde. Letztendlich hat es ca. 8 Jahre gedauert bis ich die zugesagte Position hatte weil alle an der Schweinerei beteiligten das Unternehmen verlassen hatten.
mazzmazz 18.01.2018
5. Noch was
Die Selbstverständlichkeiten im Artikel sollten klar sein. Wichtig ist auch, seinen Arbeitsvertrag zu kennen. Kündigungsfristen und Wettbewerbsverbopte sind hier ein Thema. Gerade zu den Wettbewerbsverboten wären mehr Details im Artikel sinnvoll gewesen. Will man ein Angebot einer anderen Firma als Mittel verwenden, in der aktuellen Firma ein besseres Gehalt auszuhandeln, sollte man sich der Gefahr bewusst sein, dass der Arbeitgeber sich nciht erpressen lassen und einem einen guten Weg wünschen könnte. Sollten hier Headhunter und Personalverantwortliche mitlesen: rufen Sie nicht während der Bürostunden an. Bieten Sie Gesprächstermine außerhalb der Bürostunden an. Bislang habe ich drei Gesprächsangebote nicht wahrgenommen, weil man nicht in der Lage war, sich mit mir abends zusammenzusetzen. Obwohl Firmen und Postionen durchaus interessant gewesen wären. In Ihren Rollen sollten Sie bedenken, dass die guten Leute meist auch gut zu tun haben. Allen viel Erfolg im Job!
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