Rat vom Karrierecoach Gefrustet im Job? So kommen Sie da raus

In diesem Jahr suche ich mir eine neue Stelle, sagt man sich. Und dann wird doch wieder nichts draus - wegen mangelndem Elan, aus Angst. So überwinden Sie Ihren inneren Schweinehund.

Mann im Büro (Symbolbild)
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Mann im Büro (Symbolbild)


Bernhard, 43, fragt:

Ich bin Abteilungsleiter in der Produktion, seit zwölf Jahren im Unternehmen. Schon vor ungefähr zwei Jahren habe ich mir vorgenommen, mir einen neuen Job zu suchen. Ich reibe mich im operativen Klein-Klein auf und fühle mich inhaltlich nicht mehr gefordert.

Doch die ersten Bewerbungen waren nicht erfolgreich. Dann hat mir mein Chef eine neue, sehr zeitaufwendige Aufgabe übertragen, und die hat mich erst mal von meinem Vorhaben abgehalten. Nun ärgere ich mich und werde immer unzufriedener. Aber ich bringe einfach nicht die Energie auf, mir eine neue Stelle zu suchen. Wie kann ich meinen inneren Schweinehund besiegen?

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Hallo Bernhard,

Für einen Wechsel des Arbeitgebers muss man die persönliche Komfortzone verlassen - genau daraus resultiert der persönliche Lern- und Wachstumsprozess. Deshalb hat Ihr innerer Schweinehund einige gute Gründe, mit denen er Ihre Jobsuche blockiert: Er scheut die Mühen, die damit verbunden sind, eine passende Stelle zu suchen und Bewerbungsunterlagen zu erstellen. Oder er hat Angst vor Absagen, vor Ablehnung.

Manche Menschen fürchten auch grundsätzlich Veränderung. Die Vorstellung, im neuen Unternehmen wieder von vorn zu beginnen und vielleicht in der Probezeit zu scheitern, erstickt jegliche Ambitionen im Keim. Einige Menschen fühlen sich zudem unsicher, weil sie fürchten, gute Arbeitsbeziehungen oder gar Freundschaften beim bisherigen Arbeitgeber zu verlieren.

Oft schieben Arbeitnehmer auch praktische Gründe vor, die gegen einen Jobwechsel sprechen: ein kurzer Arbeitsweg, flexible Arbeitszeiten, die gute Kantine oder das nahe Fitnessstudio. In der Karriereberatung höre ich von meinen Klienten auch Sätze wie: "Das Projekt A muss ich noch beenden, danach kümmere ich mich um die Jobsuche." Auf diese Weise wird die Suche nach einer neuen Stelle, also eine wichtige Investition in die berufliche Zukunft, immer wieder aufgeschoben.

Um diese Logik zu verstehen, fragen wir uns, mit welchem inneren Meta-Programm Sie Entscheidungen treffen: Sind Sie der "Weg von"- oder der "Hin zu"-Typ?

Hin-zu-Typen

Hin-zu-Typen bewegen sich mit ihren Gedanken häufig in der Zukunft. Sie entwickeln attraktive Ziele und malen sich aus, wie es sein wird, wenn das Ziel erreicht ist. Von dieser Vision werden sie magisch angezogen. Sie gehen mit offenen Augen durch die Welt, nutzen jeden Kontakt und sammeln Informationen, die mit ihrem Ziel in Verbindung stehen. Sie produzieren ständig Ideen, wie sie ihr Ziel erreichen können.

Sofern Sie ein Hin-zu-Typ sind, benötigen Sie ein attraktives Ziel. Wie wollen Sie zukünftig arbeiten? Stellen Sie sich Ihre Aufgaben vor, welche Themen Sie bearbeiten und welche neuen Dinge Sie dabei lernen würden. Entwickeln Sie eine bildhafte Vorstellung von Ihrem Arbeitsumfeld und den Menschen in Ihrer Umgebung. Wie würde sich Ihr Leben ändern, wenn es Realität wäre?

Hin-zu-Typen entwickeln mit einer solchen Vision genug Energie, um sich beruflich neu zu orientieren und konsequent dran zu bleiben.

Weg-von-Typen

Im Gegensatz dazu wissen Weg-von-Typen genau, was sie nicht wollen. Sie können jedoch meist nicht beschreiben, was sie stattdessen wollen. Ihre Fragestellung lässt vermuten, dass Sie eher ein Weg-von-Typ sind. Andernfalls hätten Sie bereits ein Ziel ins Auge gefasst. Davon berichten Sie jedoch nicht.

Weg-von-Typen werden meistens erst so richtig aktiv, wenn die aktuelle Situation absolut unerträglich geworden ist. Wenn die ungeliebte Arbeitsstelle jedoch kurzzeitig durch ein spannendes Projekt wieder angenehmer wird, sinkt die Weg-von-Motivation.

Weg-von Typen sind sehr belastbar. Ich bin immer wieder erstaunt, was Menschen alles ertragen, um das Gewohnte aufrechtzuerhalten. Nur wenn der Schmerz im Status quo die Angst vor Veränderung übersteigt, stellen sie Bestehendes infrage und arbeiten an sich. Oft ist es dann aber schon (fast) zu spät und sie zahlen einen hohen Preis dafür.

Schneller zu Erfolgserlebnissen

Meine Erfahrung als Karriereberater sagt mir: Nach zwölf Jahren im selben Unternehmen sollten Sie dringend einen Jobwechsel ins Auge fassen. Sie verlassen damit eingefahrene Gleise und erweitern Ihren Horizont. Sie lernen neue Methoden und Systeme kennen, knüpfen neue Kontakte, erhalten Ihre Flexibilität, steigern Ihren Marktwert und bleiben langfristig beschäftigungsfähig.

Sollte all dies Ihren inneren Schweinehund noch nicht überzeugen, stellen Sie sich bitte folgendes Szenario vor: In zwei Jahren drängen Wettbewerber mit niedrigen Preisen in Ihren Markt. Ihr Unternehmen muss sich strategisch neu ausrichten, die Produktion in ein Billiglohnland verlagern, die Organisation umkrempeln und einen Teil des Führungspersonals austauschen. Auch Ihr Arbeitsplatz fällt weg.

Sie denken, das ist unrealistisch? Wöchentlich gibt es Berichte über vergleichbare Fälle.

Perspektivwechsel: Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber das Rentenalter erreichen? Sollten Sie jetzt denken "gering", bereiten Sie möglichst bald Ihren Jobwechsel vor. Sollten Sie den richtigen Zeitpunkt für den Absprung verpassen, könnten Sie irgendwann in Schwierigkeiten geraten.

Je länger Sie bei einem Unternehmen beschäftigt sind, desto mehr sind Sie von diesem abhängig - und verlieren Ihre Attraktivität für andere Arbeitgeber. Treffen Sie also möglichst bald Ihre Entscheidung und machen Sie sich einen Plan. Mein Tipp: Nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor. Mehrere kleine und konkrete Schritte lassen sich schneller umsetzen, und Sie erzielen schneller Erfolgserlebnisse.



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
Sibylle1969 21.02.2019
1.
Wer zu lange nicht den Absprung schafft, dem droht irgendwann das sog. Boiled-Frog-Syndrom: der Frosch sitzt im Wasserglas, das Wasser wird immer heißer, irgendwann ist es so heiss, dass der Frosch nicht mehr herausspringen kann. Für die Jobsuche sollte man als erstes ein Top-Xing- und LinkedIn-Profil anlegen, dazu vorher ein professionelles Bewerbungsfoto beim Fotografen machen lassen. Die Einstellungen, dass man offen für Jobangebote ist, setzen, diese ist nur für Headhunter sichtbar. Danach CV auf Vordermann bringen. Wer 12 Jahre bei derselben Firma war, sollte unbedingt die persönliche Entwicklung und die Erfolge in dieser Zeit herausarbeiten. Idealerweise melden sich dann Headhunter bei einem, die wollen meist kein Anschreiben, sondern nur den CV. Man sollte sich über verschiedene Dinge über den gesuchten Job Gedanken machen: Wie soll die neue Aufgabe aussehen, Gehaltsvorstellung, Umzugsbereitschaft, akzeptable Pendelentfernung usw. Denn ein Wechsel soll ja eine Verbesserung sein.
Nordstadtbewohner 21.02.2019
2. Vollste Zustimmung für den Autor
"Je länger Sie bei einem Unternehmen beschäftigt sind, desto mehr sind Sie von diesem abhängig - und verlieren Ihre Attraktivität für andere Arbeitgeber." Wer auf beruflicher Ebene voran kommen möchte, der darf sich nicht zu fest an seinen aktuellen Arbeitgeber binden, sondern muss alle paar Jahre wechseln. So steigt man schneller auf und das Einkommen steigt deutlich. Was mir auffällt, ist, dass vor allem ältere Arbeitnehmer sich vor einem Arbeitgeberwechsel scheuen und stattdessen an ihrem Arbeitsplatz regelrecht "kleben". Gerade in Zeiten des akuten Fachkräftemangels kann man sich als AN den Arbeitgeber regelrecht aussuchen. Schade, dass so viele davon keinen Gebrauch machen.
haralddemokrat 21.02.2019
3. Ab 40
sollte man es sich gut überlegen, ob man nochmal den Arbeitsplatz wechselt. Wer nicht gerade einen gefragten Beruf und die Ausbildung dazu hat, sollte es sein lassen und sich seinem beruflichen Schicksal ergeben.
almeo 21.02.2019
4.
Ich muss zugeben, ich gehöre auch zu den Menschen, die sich mit schlechten Jobs durchaus arrangieren können. Dachte ich selbst nicht von mir, muss mir aber eingestehen, dass der Job, den ich als "Sprungbrett" nutzen wollte von mir nun doch schon wieder seit drei Jahren gemacht wird, obwohl ich mich seit zwei Jahren immer mal wieder nach etwas anderem umschaue. Denn mehr erreichen werde ich bei meinem aktuellen Arbeitgeber sicher nicht mehr. Die im Artikel angesprochene Ausrede, dass man "nur noch dieses Projekt" fertigstellen will, kenne ich von mir leider auch, wobei das bei vielen (ich hoffe auch bei mir!) keine schlichter Selbstbetrug ist, sondern eher echte Herzensangelegenheit. Gerade wenn der Arbeitgeber immer mehr die Grätsche macht und alles anfängt wegzubrechen, will man ja umso mehr wissen, dass man die Projekte die einem anvertraut wurden "in Trockene gebracht" hat, bevor man das Unternehmen verlässt. Das ist irgendwie ja auch der Anspruch an einen selbst. Ich habe zumindest ziemlich lange gebraucht zu akzeptieren, dass - wenn ich das Unternehmen verlasse - vermutlich meine Projekte wie Kartenhäuser zusammenstürzen werden und mir das zu diesem Zeitpunkt aber auch egal sein kann.
almeo 21.02.2019
5.
Zitat von Nordstadtbewohner"Je länger Sie bei einem Unternehmen beschäftigt sind, desto mehr sind Sie von diesem abhängig - und verlieren Ihre Attraktivität für andere Arbeitgeber." Wer auf beruflicher Ebene voran kommen möchte, der darf sich nicht zu fest an seinen aktuellen Arbeitgeber binden, sondern muss alle paar Jahre wechseln. So steigt man schneller auf und das Einkommen steigt deutlich. Was mir auffällt, ist, dass vor allem ältere Arbeitnehmer sich vor einem Arbeitgeberwechsel scheuen und stattdessen an ihrem Arbeitsplatz regelrecht "kleben". Gerade in Zeiten des akuten Fachkräftemangels kann man sich als AN den Arbeitgeber regelrecht aussuchen. Schade, dass so viele davon keinen Gebrauch machen.
Weil das so halt leider auch schlicht nicht stimmt. Gerade ältere Arbeitnehmer sind meistens ziemlich "raus", was die Entwicklung ihres Fachbereiches angeht. Sind wir mal ehrlich, wie viele Arbeitnehmer gehen jedes Jahr auf große Fortbildungen? Wie viele Arbeitgeber "investieren" auf diese Weise in ihre Arbeitnehmer? Und selbst wenn, wird vermutlich der junge, dynamische Kollege aus dem mittleren Management geschickt (Business Development; Social Media Marketing, ec.) und eher weniger der Inbound-Vertriebler 50+ Jahre. Dazu ist der Fachkräftemangel auch eher spezifisch. Wer im Maschinenbau oder Ingenieurs-/IT-Bereich arbeitet, profitiert davon vielleicht, wer - wie ich - z.B. im klassischen Verlagswesen arbeitet wird feststellen, dass es Print inzwischen doch so schlecht geht, dass man sich da den Arbeitgeber nicht unbedingt aussuchen kann. Außer natürlich, man möchte sich auf Trainee-; Asisstenz-; oder Juniorpositionen bewerben, die entsprechend schlecht bezahlt sind.
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