Vom Anwalt zum Aussteiger Neuanfang im Wald

Holz hacken, Wasser holen, kochen und lesen - so sieht der Alltag des ehemaligen Anwalts Juri Alexejew heute aus. Der Fotograf Pavel Volkov hat ihn in seinem neuen Zuhause in der Wildnis besucht.

Pavel Volkov

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Morgens mit dem Aktenkoffer in die Moskauer Kanzlei - so sah vor sechs Jahren noch die tägliche Routine von Juri Alexejew aus. Doch dann beschloss er, dass es Zeit für eine Veränderung war: Er kündigte seinen Job als Anwalt, packte einen Rucksack und wanderte zusammen mit seinem Hasen Petruschka los. Sein Ziel: ein unbewohntes Waldgebiet, etwa 100 Kilometer von der russischen Hauptstadt entfernt.

Seitdem ist eine kleine unterirdische Hütte, die er selbst aus Stroh, Holz und Lehm gebaut hat, sein neues Zuhause. Einige nennen sie "Hobbithöhle" - wegen ihrer runden Eingangstür. Sie besteht aus einer kleinen Küche, einem Schlafplatz, einem Ofen und einem Regal mit sehr vielen Büchern. Der Fotograf Pavel Volkov besuchte Alexejew dort mehrere Male, manchmal über Nacht.

Wie er mit dem früheren Anwalt in Kontakt kam? Über das Internet. "Er hat nichts gegen technischen Fortschritt. Er nennt sich selbst einen modernen Einsiedler", sagt Pavlov. Der Aussteiger besitzt einen Computer, ein Handy, ein iPad, eine Kettensäge und einen Stromgenerator.

Obwohl er allein im Wald lebt, ist er sehr gesellig, kommuniziert viel über seinen Computer und freut sich, wenn Besucher vorbeikommen. Sie bringen ihm mit, was er nicht im Wald findet: Lebensmittel und Bücher etwa. Zwar versorgt er sich so weit wie möglich selbst. Aber weil er kein Geld verdient, kann er nicht alles abdecken.

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Moderner Einsiedler: Ein Leben in der Hobbithöhle

Über das frühere Leben von Juri Alexejew erfuhr Volkov nur wenig: "Ich weiß, dass er als Anwalt arbeitete und eine Wohnung in der Stadt hatte - mehr nicht." Alexejew spreche nicht gerne über die Jahre in Moskau, wolle auch nicht wieder dorthin zurückkehren. Statt Anzug trägt er nun Streifenpullover und Zipfelmütze, läuft oberkörperfrei nur mit Handtuch bekleidet durch den Schnee, seine Haare hat er lang wachsen lassen.

"Er fühlt sich frei dort, arbeitet jetzt nur noch für sich selbst," sagt Volkov. "Er ist aus unserer Welt geflohen, um seine eigene zu erschaffen. Sie hat etwas Mystisches und ist einzigartig." Um in der Wildnis über die Runden zu kommen, hat Alexejew jede Menge zu tun. Er muss Hausarbeit erledigen, kochen, manchmal etwas reparieren, Wasser aus einem Bach holen oder Brennholz im Wald hacken.

"Ich denke, dass viele Leute ihr Leben ändern wollen. Einige gehen ins Ausland oder wechseln ihre Arbeitsstelle - und manche werden zu modernen Einsiedlern, genau wie Juri."

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