Frag die Karriereberaterin Wo finde ich einen Job mit Sinn?

Viele Menschen wollen mit ihrer Arbeit Gutes tun, NGOs erhalten bergeweise Bewerbungen. Aber wie findet man den passenden Job? Und geht es dort tatsächlich so nett zu?

Entwicklungshelfer in Uganda
REUTERS

Entwicklungshelfer in Uganda

Von


Richard hat BWL studiert und drei Jahre als Financial Analyst in einem Energieunternehmen gearbeitet. Nun kommt ihm die Zeit sinnlos vergeudet vor. Er möchte bei einer NGO arbeiten oder im Social-Business-Bereich. Doch wie kommt er an eine passende Stelle?


Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Wie schön wäre es doch, Geld zu verdienen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun! Immer mehr Bewerber haben dieses Bedürfnis. Weil die Karriere mit Sinn so beliebt ist, bekommen NGOs und Social-Business-Unternehmen oft ein Vielfaches der Bewerbungen von "normalen" Firmen - obwohl sie oft viel weniger zahlen und befristete Verträge bieten.

Zur Autorin

Höchst beliebt als Arbeitgeber sind auch Thinktanks, Stiftungen, Vereine und Verbände. Doch ob Bildung, Klimaschutz, Menschenrechte oder Sozialforschung: Der erste Eindruck kann oft täuschen. Einige Institutionen besitzen konservative, hierarchische Strukturen mit "Command and Order", manche zudem eine Unternehmenskultur mit geringem Gestaltungsspielraum.

Mein erster Rat an Richard ist deshalb, sich zu fragen, worum es ihm bei dem Wechsel hauptsächlich geht - Inhalt oder Kultur? Gerade die Unternehmenskultur schätzen Außenstehende oft falsch ein. Viele Bewerber gehen bei sozialen Institutionen wie selbstverständlich von guter Zusammenarbeit und gemeinschaftlicher Führung aus. Sie denken zudem oft, wettbewerbsorientiertes Ellenbogenverhalten würde es in einem sozialen Unternehmen nicht geben. Das stimmt so nicht. Manche Start-ups und Wirtschaftsunternehmen, die flache Hierarchien und Teamorientierung leben, sind da fortschrittlicher….

Mein zweiter Rat: Richard sollte sich fragen, was er genau tun will. Je klarer ihm das ist, desto leichter wird er eine Stelle finden. Je genauer er seine gewünschten Aufgaben definieren kann, desto besser. Accounting? Controlling? Consulting? Oder ganz etwas anderes? Natürlich wäre der Übergang leichter, bliebe er bei seinem Thema. Andernfalls muss er eine Brücke in seinem Lebenslauf finden, etwa exotische Sprachkenntnisse, spezielles Wissen oder besonderes Können, das der neue Arbeitgeber direkt verwerten kann.

Der dritte Rat: Fragen Sie sich, für wen genau Sie sich einsetzen wollen - je konkreter, desto besser.

Weitere Anlaufstellen sind spezialisierte Stellenbörsen

Im Internet finden sich Verzeichnisse vom NGO-und Thinktank-Directories bis hin zu Stiftungen.org. Beim Thinktank-Directory sind auch gleich die Zahl der Mitarbeiter sowie Ansprechpartner und der Link auf die Stellenbörse erwähnt. So lassen sich vergleichsweise leicht etwa alle Institutionen ausfindig machen, die sich mit Mikrokrediten beschäftigen.

Eine weitere Anlaufstelle sind spezialisierte Stellenbörsen wie "TalentsforGood" oder "Goodjobs".

Einige "soziale" Stelleninserate sind allerdings kaum von normalen Jobofferten zu unterscheiden. So passen mehrere Unternehmen, die aktuell in "The Changer" Stellen ausschreiben, sicher eher nicht in das Beuteschema eines Sinnsuchenden. Auch die Jobbörse Jobverde mixt Öko-Jobs mit ganz normalen Stellenangeboten. Über die Facebook-Seite "Jobs mit Sinn" hat man einen etwas besseren Filter. Nebenbei lassen sich auch die klassischen Stellenbörsen durchsuchen und etwa bei LinkedIn Begriffe wie "social" und "NGO" eingeben, um spezifischere Offerten zu erhalten.

Die beste Anlaufstelle für nähere Infos sind neben persönlichen Kontakten die Websites der NGOs selbst. Oft sind dort allerdings gar keine oder nur Angebote für Studenten ausgeschrieben. Tatsächlich ist es für Berufserfahrene oft schwerer zu wechseln, vor allem wenn sie keine Techniker oder Mediziner sind und bisher keine Berührungspunkte zum Bereich "social" hatten. Finanzer und IT-ler haben es ebenso vergleichsweise leicht, denn auch NGOs haben kaufmännische Aufgaben sowie Entwicklerjobs zu vergeben.

Schwerer wird es, wenn Richard sich in ein neues Berufsfeld orientieren will. Praktika wären ein wunderbarer Eintritt, sind aber aufgrund des Mindestlohns für Berufserfahrene schwerer zugänglich geworden. Um diese Erfahrungslücke zu schließen, empfehle ich ehrenamtliches Engagement, freiberufliche Nebentätigkeit oder einen längeren Auslandsaufenthalt. Sie lernen so Institutionen Ihrer Wahl kennen und knüpfen Kontakte.

So kann auch der Übergang von einem Bereich in einen anderen gelingen, da Sie sich neues Wissen aneignen. So wie die Journalistin, die sich mit Videofilmen in ein weltweites Bildungsunternehmen einbrachte und nun das operative Geschäft leitet. Oder der Volkswirtschaftler, der erst aushalf und jetzt Personal und Teamentwicklung verantwortet…

insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
herr wal 14.07.2016
1.
Wer sich das ganze Wissen ergoogelt hat, das hier offenbar zur Vorbereitung der Jobsuche nötig ist, der dürfte aber dann altersmäßig zumindest der Frührente nahestehen. Vielleicht bleiben ihm aber zwischen Vorstellungsgespräch und regulärem Rentenalter tatsächlich noch zwei oder drei Jahre. Meine Generation (und alle vorher) hatten es da einfacher: Dass das Aufstöbern all dieser Informationen samt Kondensierung und Meinungsbildung Jahrhunderte dauern würde, war eh jedem klar. Also hat mann es gleich gelassen, dem Zufall vertraut und das nicht Erreichte auf die Zeit nach der nächsten oder übernächsten Wiedergeburt vertagt.
Leser161 14.07.2016
2. Symptom
Ich denke die Suche nach einem Job mit "Sinn" ist ein Symptom für mangelnde Wertschätzung im aktuellen Job. Auch Hausmeister kann ein Job mit Sinn sein, durch seine Arbeit haben die Kollegen Wasser ind er Teeküche. Nichts nervt mehr als ausfallende Versorgungseinrichtungen. Wenn der Hausmeister das jedoch nie vermittelt bekommt, dass auch sein Job wichtig ist und er nur gedrückt wird, ja dann ist halt blöd. Schwieriger sind Positionen bei denen man Mitmenschen ein bisschen täuschen muss, damit die Firma Geld verdient (Anquatscherjobs) da ist nicht jeder für geschaffen. Vielleicht sollten wir generell mal überdenken, ob Wachstum das aus gegenseitigem Beschummeln entsteht wirklich Wachstum ist, da es gesamtgesellschaftlich gesehen uns nicht vorran bringt. Besser wäre es zusammenzuarbeiten.
beckerher 14.07.2016
3. Was ist denn sinnvoll
Und wieder haben wir ein Luxusproblem. Welche Tätigkeit ist denn nicht sinnvoll. Es gibt bestimmt ein paar wenige die mir einfallen würden: Tätowierer, Reality TV Darsteller, Sex Toy Designer, vielleicht noch ein paar andere. Aber alle anderen geben doch auch Sinn: Landwirt, Handwerker, Ingenieure, Industriearbeiter, Beamte. Alle haben doch Ihren Platz in der Gesellschaft und arbeiten für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft. Also wenn ich z.B. Bewässerungssysteme in der dritten Welt installieren will, benötige ich Pumpen. Ist die Herstellung der Pumpen dann nicht genauso wichtig, sinn- und wertvoll wie die Installation. Außer ich benötige unbedingt aus Narzissmus den dank von Dorfvorstehern oder anderen öffentlichen Personen.
rmny 14.07.2016
4. Photoauswahl
Zu dem Thema "Job der Sinn macht" faellt Ihnen nichts besseres ein als ein Photo eines weissen Mannes, der Gottgleich von einer Gruppe schwarzer Kinder umringt ist? Da laeuft es einem ja kalt den Ruecken herunter.
cabeza_cuadrada 14.07.2016
5. Wieso?
haben sie gleich eine Schnappatmung bekommen? Ich glaube nicht dass der Mann auf dem Bild einen BAMF Mitarbeiter darstellen soll der Migranten erklärt dass sie nicht in DE bleiben können. Es handelt sich sicher um einen Entwicklungshelfer! Denn es geht um den Sinn eines Jobs. Und der ist im Fall eines Entwicklungshelfers ja wohl überproportional schnell identifiziert!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.