Karrierefrauen "Zum Heulen gehe ich aufs Klo"

"Nichts gegen kompetente Frauen, aber im Vorstand? Das ist eine andere Liga." Barbara Schneider kennt solche Sprüche nur zu gut. Im Interview spricht die Beraterin und Ex-Managerin über männliche Machtspiele und weiblichen Mumm, über Bienenköniginnen und die Kunst des Schweigens beim Gehaltspoker.

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Frage: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat gesagt, er wünsche sich mehr Frauen in den Vorstand, da sie mehr Farbe und Schönheit in die Gremien bringen. Wie hätten Sie als Ackermanns Angestellte reagiert?

Schneider: Ich hätte die Augen verdreht und Herrn Ackermann stillschweigend ein Talent für Fettnäpfchen bescheinigt. Wir erinnern uns ja alle noch an sein Victory-Zeichen. Natürlich sorgen solche Sprüche für Unmut und Frustration - zumindest bei den Mitarbeiterinnen der Deutschen Bank.

Frage: Man könnte auch sagen: Ackermann spricht aus, was er denkt.

Schneider: Absolut. Ein Mann sagte mal zu mir: "Nichts gegen kompetente Frauen, Frau Schneider. Aber im Vorstand? Das ist ja wohl eine andere Liga." Die Denkweise, dass Frauen in höheren Positionen ausgebootet werden und eher als Schmuck dienen, ist verbreitet. Leider.

Frage: Frauen müssen sich also damit abfinden, in Unternehmen eine untergeordnete Rolle zu spielen?

Schneider: Nein. Wenn ich über solche Sprüche nicht müde lächeln kann und einfach unzufrieden bin, sollte ich mir überlegen, ob das Unternehmen noch zu mir passt. Als Mitarbeiterin der Deutschen Bank wäre ich nach einiger Zeit mit der Firmenkultur vertraut und wüsste irgendwann, wie traditionell männlich dort gedacht wird. Dann wechsele ich entweder das Unternehmen oder schaffe mir ein dickes Fell an. Das gibt es aber nicht von der Stange. Man muss es sich über Jahre hinweg antrainieren.

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Frage: Ein dickes Fell zu haben, heißt klein beizugeben?

Schneider: Nein, man sollte in solchen Situationen einfach gelassen bleiben und Sprüche wie diesen nicht an sich heranlassen.

Frage: Wäre Frauen mit einer gesetzlichen Vorstandsquote gedient?

Schneider: Ganz und gar nicht. Man kann nicht alle Firmen über einen Kamm scheren. Die einen erreichen die Quote locker, für die anderen ist es ein Ding der Unmöglichkeit - zumindest innerhalb der angedachten fünf Jahre. Es gibt, salopp gesagt, große Unterschiede zwischen einem Maschinenbau- und einem Modeunternehmen. Außerdem sind die Probleme, Job und Familie miteinander zu vereinbaren, damit nicht vom Tisch. Auch die männlichen Machtstrukturen pustet man mit einer Quote nicht einfach weg. Dafür brauchen wir einen langen Atem. Es ist schlichtweg falsch, zu hoffen, dass sich von heute auf morgen alles ändert.

Frage: Sie setzen also wie unsere Bundeskanzlerin noch immer auf die Freiwilligkeit von Unternehmen, Frauen auf ihrem Weg in die Chefetage zu fördern?

Schneider: Meiner Erfahrung nach kommt das Thema Frauenförderung seit zwei oder drei Jahren tatsächlich in den Köpfen der Vorgesetzten an. Aber wie gesagt: Es dauert lange, bis sich das auf den Berufsalltag der Frauen auswirkt. Deshalb finde ich es sinnvoll, den Unternehmen noch einmal zwei Jahre Zeit zu geben, den Anteil weiblicher Führungskräfte zu erhöhen.

Frage: Und Sie glauben ernsthaft, dass in den zwei Jahren freiwillig was passiert?

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Schneider: Es ist wichtig, dass 2013 wirklich nachgehakt wird, ob das Ziel erreicht worden ist. Es ist einfach Unsinn, den Unternehmen vorzugeben, wie viele Frauen sie einzustellen oder zu fördern haben. Vielmehr müssen Anreize innerhalb der Firmen geschaffen werden, zum Beispiel indem die Quote in den betrieblichen Zielvereinbarungen verankert wird. Erst wenn sich der Frauenanteil auf Gehalt und Boni der verantwortlichen Führungskräfte auswirkt, wird sich was ändern.

Frage: Werden Quotenfrauen, die es aufgrund von Zielvereinbarungen oder sonstigen Regelungen nach oben schaffen, von ihren männlichen Kollegen akzeptiert?

Schneider: Frauen, die es in die Führungsetage schaffen, müssen das auch wollen. Wenn man seinen Job mit Leidenschaft angeht und ihn gut macht, kommt die Akzeptanz von ganz allein. Schafft ein Unternehmen dagegen ein Alibi-Vorstandsressort, in das eine Frau hineingepresst wird, wird sie natürlich einen schlechten Stand haben. Auch deshalb gilt: Es müssen Anreize geschaffen werden, zwingen kann man keinen - das gilt für Unternehmen wie für Frauen.

Frage: Machen nur die Männer den Karrierefrauen das Leben schwer, oder stehen sich weibliche Führungskräfte nicht auch gegenseitig im Weg?

Schneider: Es gibt weibliche Vorgesetzte, die keine Frau neben sich dulden. Das nennt die Genderforschung das Queen-Bee-Syndrome: Die Bienenkönigin kultiviert ihren Sonderstatus und ist blind für die Probleme anderer Frauen. Studien zeigen, dass das Phänomen existiert, allerdings nur in gemäßigter Ausprägung. Als Beraterin und früher als Managerin habe ich das auch kaum erlebt. Ich bin sowohl von Frauen als auch von Männern gefördert worden.

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