Fahrtrichtung abwärts So vergurken Sie Ihre Karriere

Sind die guten Vorsätze schon vergessen? Recht so. Neujahr = Neustart, das ist doch Kinderkram. Mit diesen fünf Profitricks werden Sie auch 2015 sicher wieder keine Karriere machen.

Von Helene Endres

Mit dem Expressaufzug ganz nach oben? Klappt nicht immer.
Helene Endres

Mit dem Expressaufzug ganz nach oben? Klappt nicht immer.


Da waren sie, zurück aus dem Urlaub, die Kollegen: Erholt, voll guter Vorsätze. Ihre Motivation füllte die Flure, ihr Lachen drang durch die Ritzen der Büros. Doch wer von ihnen einen Funken Verstand im Schädel hat, der ist schon jetzt von sich selbst enttäuscht. Neujahr = Neustart, solche Gleichungen sind Kinderkram.

Da sind Sie irgendwie anders. Gut, einen Vorsatz hatten Sie auch - wie jedes Jahr. Nämlich während der Arbeitszeit weniger im Netz rumzudaddeln. Wo Sie aber grad schon mal hier sind, lesen Sie ruhig weiter. Es könnte Sie interessieren: Fünf Haltungen, mit denen Ihnen auch dieses Jahr kein Karrieresprung unterläuft. Also: Schultern hoch, Mundwinkel runter! Damit der Fahrstuhl wie gewohnt vor allem dann bei Ihnen hält, wenn es nach unten geht:

  • Das kann ich so nicht stehen lassen!

Andere machen Fehler, aber auf Sie ist Verlass. Als hilfsbereiter Kollege weisen Sie den Kantinenchef freundlich, aber bestimmt auf den falschen Accent bei "Crème Brûleé" hin, in einer Mail an alle. Auch wenn bei Ihnen im Team etwas schiefläuft, stellen Sie ungefragt klar, wessen Versagen das war (yep, nicht Ihres). Und als Sie neulich den Schröder beim Ausdrucken seiner privaten Fahrkarte ertappt haben, war klar, dass der Spaß aufhört: Das ist Veruntreuung von Arbeitsmaterial. Als sie dies beim Personalchef gemeldet haben, muss ihm klar gewesen sein: Auf Sie kann er zählen.

  • Ich antworte mit einem entschiedenen Vielleicht!

Schnelle Entscheidungen und klare Ansagen werden niemandem gerecht. Also achten Sie darauf, die Sachlage, und sei sie noch so klein, von allen Seiten zu begutachten, mehrere Meinungen zu hören - und zu äußern. Klar verzögern sich dabei manche Prozesse, aber wenn schon eine neue Kaffeemaschine für die Etagenküche angeschafft wird, dann sollte man jetzt keinen Fehler machen. Wobei - tut's die alte nicht auch?

  • Bloß keine Fehler!

Bei Ihnen läuft es glatt, immer. Zumindest nach außen, und das ist ja das Wichtigste. Täuschen, tricksen, tarnen: Diese Stärken wollen Sie auch im neuen Jahr weiter ausbauen. Ihr fleckfreier Track-Record macht Sie nicht nur zum unantastbaren Vorbild, sondern ist das perfekte Polster, wenn das Team mal wieder nicht leistet, was es soll. Sie sind jedenfalls nicht schuld. Und wieso was zugeben, wenn es sich leicht dem Schröder in die Schuhe schieben lässt? (Gedankennotiz: Mail an den Personalchef wegen Schröders überhöhtem Kaffeekonsum)

  • Alles meins!

Sie haben wichtige Aufgaben, das ist allen klar. Vor allem Ihnen. Und damit Ihr Herrschaftswissen auch Ihres bleibt, lassen Sie sich nur ungern in die Karten schauen. In Konferenzen murmeln Sie von "weit gediehenen Projekten", Sie schließen vor jedem Toilettengang alle Fenster auf Ihrem Rechner und die Schreibtischschubladen. Manchmal drängeln die Kollegen etwas oder bieten Hilfe an, nur weil die Abrechnung für 2013 immer noch nicht fertig ist. Pah, Sie durchschauen diese Anfänger! Die wollen doch alle nur Ihren Job. Außerdem: Dass man Sie damit betraut hat, den Schlüssel für die Butze mit dem Tischkicker zu verwahren, war ja kein Zufall. Nur weil Sie neuerdings Teilzeit arbeiten, ist das noch lange kein Grund, dass der Schröder sich den Schlüssel dauerhaft unter den Nagel reißt.

  • In der Ruhe liegt die Kraft!

E-Mails drucken Sie aus und beantworten Sie mit einer angemessenen Frist. Und stets über den ganz großen Verteiler, schließlich sollen alle davon profitieren. Dieses Linked-in-Postfach nutzen Sie einmal im Jahr, um alle Kontaktanfragen zu bestätigen (beide) und eine schöne Urlaubszeit zu wünschen. Bei Präsentationen packen Sie so viel Text wie möglich in eine Folie und tragen mit ruhiger Stimme vor. Denn Sie bleiben sich treu und Ihrem Motto: Wir sind hier auf der Arbeit, nicht auf der Flucht.

  • Helene Endres ist Redakteurin beim manager magazin.



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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
bronck 20.01.2015
1. Wieso nach unten?
Genau so haben es unsere Chefs nach oben geschafft...
Bonzenwagenfahrer 20.01.2015
2. satire?
keine Ahnung, ob das jetzt lustig sein sollte. hab damit jedenfalls 5min arbeitszeit verschwendet. zum glück läuft's bei uns nicht so wie oben beschrieben.
hirnverbrannt 20.01.2015
3. Lustig...
für Leute, die im Büro arbeiten. Unsere echte Arbeitswelt erfasst das allerdings leider nicht. Aber die Spiegel Leser arbeiten wahrscheinlich wirklich zumeist dort. Ich konnte mit dem Artikel leider so gar nichts anfangen. Liegt aber wahrscheinlich an mir.
polarwolf14 21.01.2015
4. #3
Richtig. Wirklich authentisch ist "Büro" nicht, insbesondere in Konzernen. Man muss quasi ihr Spiel mitspielen und sie mit eigenen Waffen schlagen dort. Karrriereristen werden in Deutschland fast nur im "Büro" gezeigt, warum auch immer. Sind die Ausbildungen nichts mehr Wert? Haben Führungskräfte ohne Abitur und Studium weniger Aussagekraft? Wer das Papier über die Menschen stellt ist menschenverachtend und als "Vorgesetzter" nicht ernst zu nehmen. Das liegt an der politischen Korrektheit und Verstelltheit (Bullshit-Bingo) in solchen Branchen. Mit 70 schaut auch die Karriereautorin mal zurück und stellt fest:... ich kann ja jetzt keine Tipps mehr geben oder führen. ..
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