Karrieremesse für Homosexuelle Seine Schwäche? Er wirkt schwul

Von Johannes Gernert

2. Teil: "Die Autoindustrie ist non-schwul"


Klaus Wowereit am Stand der Telekom: "Wie sieht's bei Ihnen im Konzern aus?"
Johannes Gernert

Klaus Wowereit am Stand der Telekom: "Wie sieht's bei Ihnen im Konzern aus?"

Er selbst habe sich erst geoutet, als ihm nichts mehr passieren konnte, sagt Christ, weil er schon oben war. Er würde es wieder so machen.

Im Publikum meldet sich Detlev Buchholz, Präsident der Fachhochschule Frankfurt am Main: "Ich finde es verantwortungslos, dazu zu raten, Privatleben und Beruf so zu trennen. Es geht nicht." Es koste zu viel Mühe, "die Story oder keine Story aufrechtzuerhalten". Man mache sich erpressbar. "Deswegen bin ich dafür, sich nicht zu outen, noch nicht - sondern es einfach zu sein."

"Man kann das im täglichen Leben nicht durchhalten", sagt auch der Mann im dunklen Anzug, der einmal einen Job in der Automobilbranche hatte, mit einem Chef, der ihm riet, sich nicht zu outen. "Was haben Sie am Wochenende gemacht?", fragten die Kollegen. Im Kopf, erzählt er, lief der Film ab, in dem er mit seinem Freund, dem Beamten, Mountainbikefahren war. "Ach, nichts Besonderes", hat er gesagt. Bis er das nicht mehr aushielt - und kündigte.

Eldschibiti kennt hier jeder

"Die Autoindustrie ist non-schwul", sagt er heute. "Autos verkaufen sich mit nackten Frauen."

Es gibt Branchen, in denen scheinen Schwule oder Lesben eher akzeptiert, als Kreative, als Werber, als freie Konzeptioner, wie Nikolas Gerber, der Firmen berät in "Lifetstyle und Marketing-Strategien". Er schlendert mit seinem Freund über die Messe. Und fragt sich: Wie glaubwürdig sind die Unternehmen?

"Diversity Management" - hä?
Alles nur Diverse hier
Corbis
"Diversity Management" bedeutet, dass Unternehmen systematisch versuchen, soziale Vielfalt konstruktiv zu nutzen. Dabei geht es nicht nur darum, Diskriminierungen abzustellen, sondern gezielt verschiedene Typen in die Belegschaft zu bekommen - und zu halten.
Um wen geht's?
"Diversity Management" richtet sich an alle Gruppen, die oft Nachteile im Berufsleben erfahren oder ausgegrenzt werden: Frauen, Senioren, Menschen mit Migrationshintergrund oder Behinderung, mit einer ungewöhnlichen sexuellen oder religiösen Orientierung oder mit einem auffallenden Lebensstil.
Wozu das alles?
Moderne Unternehmen wollen nicht einfach nur frei von Diskriminierung sein, sondern die Andersartigkeit von Menschen wertschätzen. Denn tatsächlich ist sie für die Firmen wertvoll: Belegschaften mit hoher Diversity gelten als kreativer und motivierter, sie werden von den meisten Mitarbeitern als das angenehmere Arbeitsumfeld empfunden.
Und konkret?
Der Phantasie der Personaler bei der Förderung von Diversity sind keine Grenzen gesetzt. Typisch ist es, bei der Neueinstellung gezielt auf "auffällige" Kandidaten zu achten und ihnen im Unternehmen Coaching- und Mentoring-Angebote zu machen. Aber auch die "normalen" Mitarbeiter sollten bei der Integration der ungewöhnlichen Kollegen unterstützt werden.
Das reine Gutmenschentum?
Mitnichten. In den meisten Industriestaaten gibt es auch gesetzliche Vorschriften, die Diskriminierung verhindern sollen. So gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und soll Diskriminierung im Beruf verhindern. In den USA können nachgewiesene Verstöße empfindliche Geldbußen nach sich ziehen. Verheerend ist oft auch die öffentliche Wirkung von Verfehlungen.
An den Ständen um ihn herum präsentieren sich die Communitys für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Leute. LGBT. Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender. Die meisten haben 200, 300 Mitglieder. Eldschibiti. Die Abkürzung benutzen hier alle so selbstverständlich wie BMW oder UN.

Oben, in den Unternehmensspitzen, wird es aber trotz solcher Fortschritte immer hart. Der Mann im dunklen Anzug sucht gerade einen Job, gehobenes Management. Es gibt Bewerbungen, da laden ihn Unternehmen fast hastig zum Gespräch ein, wegen seiner Erfahrung wohl, wegen seiner Qualifikationen. Wenn er dann sagt "Ich bin schwul", hört er manchmal gar nichts mehr und ein anderes Mal, dass das nicht zur Unternehmenskultur passe. Er wird aber nicht aufhören "Ich bin schwul" zu sagen, weil er die Heimlichtuerei nicht mehr erträgt.

Wie war das Wochenende?

Und dann ist da noch der junge Mann aus dem Publikum, der irgendwie an die Beurteilungsmappe seiner Ausbilderin gekommen ist. Er erzählt das ins Mikrofon, nach dem Vortrag von Harald Christ. Irgendwie ist die Stimmung jetzt so. Da waren also seine Stärken und Schwächen aufgelistet.

Und bei den Schwächen stand: "Wirkt schwul."



insgesamt 140 Beiträge
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Seite 1
shaim74, 30.05.2011
1. Überschrift
frauen,schwule,... wir sind noch lange nicht bei migranten angekommen, wär schön wenn deutschland einfach offen und die karriereleiter durchlässig für alle menschen wäre... peace
Cholerix, 30.05.2011
2. .
Zitat von sysopBei der schwul-lesbischen Karrieremesse Milk in Berlin präsentieren sich*auch Firmen wie Post, Telekom und IBM. Viele sind guten Willens - aber an der Unternehmensspitze ist oft Schluss mit der Offenheit.*Berlins Bürgermeister Wowereit fragt: "Und, wie viele Vorstände sind offen schwul?" http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,765643,00.html
Kann mir irgendjemand mal erklären, wieso es irgendwen ausserhalb der eigenen Privatsphäre was angehen sollte, welche sexuellen Präferenzen jemand hat, sofern diese nicht andere schädigen ? Was soll daher diese ständig medial verbreitete Aufforderung an Homosexuelle, sich zu "outen" ?
Koda 30.05.2011
3. "Ja un´watt wenn keener schwul is´?"
Zitat von sysopBei der schwul-lesbischen Karrieremesse Milk in Berlin präsentieren sich*auch Firmen wie Post, Telekom und IBM. Viele sind guten Willens - aber an der Unternehmensspitze ist oft Schluss mit der Offenheit.*Berlins Bürgermeister Wowereit fragt: "Und, wie viele Vorstände sind offen schwul?" http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,765643,00.html
Was denn dann? Sollen Lippenbekenntnisse Toleranz fördern? Eben. Also, wass soll das?
flower power 30.05.2011
4. klasse
Zitat von sysopBei der schwul-lesbischen Karrieremesse Milk in Berlin präsentieren sich*auch Firmen wie Post, Telekom und IBM. Viele sind guten Willens - aber an der Unternehmensspitze ist oft Schluss mit der Offenheit.*Berlins Bürgermeister Wowereit fragt: "Und, wie viele Vorstände sind offen schwul?" http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,765643,00.html
..dann gute nacht de. für schwulen setzen die sich ein, aber ältere werden entlassen. na ja, schwul ist cool - hat ja keine kinder, braucht deswegen weniger einkommen und urlaub. auch eine perfide marktlü(g)cke. die schwulen mit ihren überzogenen forderungen nach sonderwünschen habe ich satt. und schwule politiker die vorgeben für familien zu denken sind feige lügner, denn die denken immer nur an jetzt und heute und sehen die zukunft anders, da sie eben keine kids haben. verschont mich mit denen.
flower power 30.05.2011
5. klasse
Zitat von sysopBei der schwul-lesbischen Karrieremesse Milk in Berlin präsentieren sich*auch Firmen wie Post, Telekom und IBM. Viele sind guten Willens - aber an der Unternehmensspitze ist oft Schluss mit der Offenheit.*Berlins Bürgermeister Wowereit fragt: "Und, wie viele Vorstände sind offen schwul?" http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,765643,00.html
..dann gute nacht de. für schwulen setzen die sich ein, aber ältere werden entlassen. na ja, schwul ist cool - hat ja keine kinder, braucht deswegen weniger einkommen und urlaub. auch eine perfide marktlü(g)cke. die schwulen mit ihren überzogenen forderungen nach sonderwünschen habe ich satt. und schwule politiker die vorgeben für familien zu denken sind feige lügner, denn die denken immer nur an jetzt und heute und sehen die zukunft anders, da sie eben keine kids haben. verschont mich mit denen.
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