Karrieremesse für Homosexuelle Seine Schwäche? Er wirkt schwul

Bei der schwul-lesbischen Karrieremesse Milk in Berlin präsentieren sich auch Firmen wie Post, Telekom und IBM. Viele sind guten Willens - aber an der Unternehmensspitze ist oft Schluss mit der Offenheit. Berlins Bürgermeister Wowereit fragt: "Und, wie viele Vorstände sind offen schwul?"

Von Johannes Gernert


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Milk-Messe: Schwulsein gehört nicht zum Beruf - oder?
Am Stand von SAP trifft Klaus Wowereit auf einen Vertreter der Gruppe "Homo Sapiens". Ein hagerer Mann im weiten, erdbeerfarbenen Jackett. Es ist noch recht früh am Berliner Morgen, kurz nach zehn, der Regierende Bürgermeister wird die schwul-lesbische Karrieremesse gleich eröffnen. Vorher schaut er sich im Autohaus, in dem sie stattfindet, noch kurz die Stände an. Hände schütteln, mit Broschüren wedeln, Witzchen machen. "Und", fragt Wowereit, "wie viele Vorstände von SAP sind offen schwul?"

Der "Homo Sapiens"-Mann lächelt: "Es gibt noch nicht mal in der Management-Ebene jemanden, der sich offen bekennt."

Ja, sagt Wowereit, es geht eben darum, erst mal ein Problembewusstsein zu schaffen. "Dazu ist die Messe da." Dann läuft er weiter, zum Stand der Deutschen Bank, ein paar Takte mit der Diversity-Beauftragten reden. Diversity, das ist das neue Management-Wort dafür, wenn in einem Unternehmen möglichst unterschiedliche Menschen arbeiten sollen (siehe Kasten in der Spalte rechts).

Milk, der Name der Messe, spielt an auf den US-Politiker Harvey Milk, der sich früh zu seiner Homosexualität bekannte, in einem Film von 2008 dargestellt von Sean Penn. Als Milk vor einem Jahr in München startete, gab es 16 Aussteller. Jetzt, in Berlin, seien es mehr als dreimal so viele, sagen die Veranstalter, nämlich 54. Die Wirtschaftsweiber sind da, das Netzwerk lesbischer Managerinnen. Die Telekom, IBM. Die Post schickt ihren Personalvorstand Walter Scheuerle, damit er die Vielfalt lobt, das Multikulti, naja, und wo er schon dabei ist, auch die "dynamische Tourenplanung" der Post. Man positioniert sich, man hat Diversity Manager ernannt, Netzwerke etabliert, die Vielfalt fördern sollen.

Heterosexuelle stellen sich auch nicht als heterosexuell vor

Es sei, sagt Reinhard Thole, doch auch eine wirtschaftliche Frage. Wenn Homosexuelle versuchen, ihr Privatleben zu verheimlichen, belastet sie das, sie arbeiten weniger konzentriert. Das schadet dem Unternehmen. Thole ist 43 Jahre alt, er leitet die Qualifizierungsabteilung des Callcenters der Deutschen Bank und er gehört zu ihrer Rainbow Group, dem schwul-lesbischen Netzwerk. Er hat nie verschwiegen, dass er schwul ist. Er hat aber auch nie gesagt: "Hallo, mein Name ist Reinhard Thole, ich bin schwul." Heterosexuelle stellen sich ja auch nicht als heterosexuell vor.

Während Thole das erzählt, hat sich am anderen Ende des Autohauses Harald Christ ans Rednerpult gestellt, um zu beweisen, dass "noch nicht alles so ist, wie es sein sollte". Christ trägt Jackett und rosa Hemd, ein wohlgenährter Mittelständler. Vor zwei Jahren war er der Wirtschaftsmann im Schattenkabinett von Frank-Walter Steinmeier. Im Grunde stellt er dieselbe Frage wie Wowereit: "Gibt es einen schwulen Top-Manager bei der Deutschen Bank? Ich weiß es nicht."

Sicher, die schwule Klientel sei eine attraktive Zielgruppe. Mit einem schwulen Pärchen befreundet zu sein, gelte heutzutage als schick. Trotzdem gebe es weiter Witze darüber, dass bei diesem einen Bewerber die Raumtemperatur doch erheblich gestiegen sei. Und je höher man in einer Hierarchie aufsteige, desto eher komme die Frage nach der Gattin. Der Hinweis, man setze auf ein "intaktes Familienleben".

Harald Christ wirkt wütend. Er erzählt viele üble Geschichten von Diskriminierung. Er klingt wie einer, der das alles jetzt endlich mal sagen kann. Als wäre das hier eine Selbsthilfegruppe, nicht das Foyer eines umfunktionierten Autohauses.

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shaim74, 30.05.2011
1. Überschrift
frauen,schwule,... wir sind noch lange nicht bei migranten angekommen, wär schön wenn deutschland einfach offen und die karriereleiter durchlässig für alle menschen wäre... peace
Cholerix, 30.05.2011
2. .
Zitat von sysopBei der schwul-lesbischen Karrieremesse Milk in Berlin präsentieren sich*auch Firmen wie Post, Telekom und IBM. Viele sind guten Willens - aber an der Unternehmensspitze ist oft Schluss mit der Offenheit.*Berlins Bürgermeister Wowereit fragt: "Und, wie viele Vorstände sind offen schwul?" http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,765643,00.html
Kann mir irgendjemand mal erklären, wieso es irgendwen ausserhalb der eigenen Privatsphäre was angehen sollte, welche sexuellen Präferenzen jemand hat, sofern diese nicht andere schädigen ? Was soll daher diese ständig medial verbreitete Aufforderung an Homosexuelle, sich zu "outen" ?
Koda 30.05.2011
3. "Ja un´watt wenn keener schwul is´?"
Zitat von sysopBei der schwul-lesbischen Karrieremesse Milk in Berlin präsentieren sich*auch Firmen wie Post, Telekom und IBM. Viele sind guten Willens - aber an der Unternehmensspitze ist oft Schluss mit der Offenheit.*Berlins Bürgermeister Wowereit fragt: "Und, wie viele Vorstände sind offen schwul?" http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,765643,00.html
Was denn dann? Sollen Lippenbekenntnisse Toleranz fördern? Eben. Also, wass soll das?
flower power 30.05.2011
4. klasse
Zitat von sysopBei der schwul-lesbischen Karrieremesse Milk in Berlin präsentieren sich*auch Firmen wie Post, Telekom und IBM. Viele sind guten Willens - aber an der Unternehmensspitze ist oft Schluss mit der Offenheit.*Berlins Bürgermeister Wowereit fragt: "Und, wie viele Vorstände sind offen schwul?" http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,765643,00.html
..dann gute nacht de. für schwulen setzen die sich ein, aber ältere werden entlassen. na ja, schwul ist cool - hat ja keine kinder, braucht deswegen weniger einkommen und urlaub. auch eine perfide marktlü(g)cke. die schwulen mit ihren überzogenen forderungen nach sonderwünschen habe ich satt. und schwule politiker die vorgeben für familien zu denken sind feige lügner, denn die denken immer nur an jetzt und heute und sehen die zukunft anders, da sie eben keine kids haben. verschont mich mit denen.
flower power 30.05.2011
5. klasse
Zitat von sysopBei der schwul-lesbischen Karrieremesse Milk in Berlin präsentieren sich*auch Firmen wie Post, Telekom und IBM. Viele sind guten Willens - aber an der Unternehmensspitze ist oft Schluss mit der Offenheit.*Berlins Bürgermeister Wowereit fragt: "Und, wie viele Vorstände sind offen schwul?" http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,765643,00.html
..dann gute nacht de. für schwulen setzen die sich ein, aber ältere werden entlassen. na ja, schwul ist cool - hat ja keine kinder, braucht deswegen weniger einkommen und urlaub. auch eine perfide marktlü(g)cke. die schwulen mit ihren überzogenen forderungen nach sonderwünschen habe ich satt. und schwule politiker die vorgeben für familien zu denken sind feige lügner, denn die denken immer nur an jetzt und heute und sehen die zukunft anders, da sie eben keine kids haben. verschont mich mit denen.
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