Karriereplanung Und jetzt werde ich Chef

Im Job soll es endlich aufwärts gehen. Schöner Vorsatz, aber wie fängt man's an? Birgit Bergmann ist Führungskräfte-Coach. Sie erklärt, wie man sich in der Firma für Höheres empfiehlt - und warum auch eine Abfuhr ein Fortschritt ist.

Ein Interview von Helene Endres

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KarriereSPIEGEL: Frau Bergmann, im neuen Jahr wird alles anders, und ich will endlich Chef werden. Wer so denkt, dem kann geholfen werden, oder?

Bergmann: Dem sollte geholfen werden, denn wenn Sie frisch aus den Weihnachtsferien kommen, als erstes zu ihrem Vorgesetzten gehen und einfach sagen: Ich will mehr - dann wird das mit ziemlicher Sicherheit nichts.

KarriereSPIEGEL: Aber heißt es nicht immer, man soll seine Karriereziele klar kommunizieren und nicht nur verdruckst seinen Dienst machen?

Bergmann: Absolut. Um jedoch mit Ihrer Forderung erfolgreich zu sein, müssen Sie vor allem auf eines achten: Was sagen sie, wann sagen Sie es und wem.

Zur Person
  • Birgit Bergmann arbeitet als Management-Coach in München. Sie blickt auf eine langjährige Industrie- und Führungserfahrung zurück und ist Expertin für die Positionierung von Führungskräften.
KarriereSPIEGEL: Beginnen wir mit dem Was.

Bergmann: Sie müssen sich empfehlen für eine Sache: Was Sie antreibt, was Sie gern umsetzen möchten. Zum Beispiel, dass Sie eine Projektidee haben - die stellen Sie vor. Dann erwähnen Sie noch, dass Sie das auch gern leiten würden. Aber der Ansatz muss vom Inhalt her kommen...

KarriereSPIEGEL: ...und nicht von einem Wunsch nach mehr Hierarchie auf der Visitenkarte. Jetzt das Wann, bitte.

Bergmann: Der Jahresanfang muss nicht unbedingt die beste Zeit sein. Wann haben Sie Ihr nächstes Jahresgespräch, im März vielleicht? Dann lohnt es sich meist, zu warten. Oder gibt es strategische Entscheidungen in der nächsten Zeit, auf die Sie Rücksicht nehmen sollten? Wird ein Bereich umstrukturiert? Geht vielleicht ein Vorgesetzter demnächst in Elternzeit, den Sie vertreten könnten? Kurzum: Betten Sie das Timing ein in das Umfeld Ihrer Firma.

KarriereSPIEGEL: Bestimmt geht es doch auch um Gelegenheiten, also nicht nur das große Wann, sondern auch welche Anlässe geeignet sind?

Bergmann: Es gibt viele Momente, die Sie entspannt nutzen können - am Rande von Besprechungen, beim Kaffeetrinken. Hier können Sie kleine Botschaften senden: Wer Sie sind, was Sie gerade machen, auch mal testen, wie das Gegenüber auf Ihre Ideen so reagiert.

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Typologie der Bosse: Ich Chef, du nix
KarriereSPIEGEL: Und wenn er oder sie dann so was sagt wie: Schnauze, Labersack?

Bergmann: Dann sind Sie ruhig und nutzen eine bessere Gelegenheit. Oder einen anderen Gesprächspartner.

KarriereSPIEGEL: Womit wir beim Wem wären - also: Mit wem rede ich?

Bergmann: Schaffen Sie Beziehungen quer durch Unternehmen und Branche. Nur mit Ihrem direkten Vorgesetzten zu kommunizieren, ist zu wenig. Reden Sie mit den Kollegen ihres Chefs, mit seinen Vorgesetzten, mit Multiplikatoren in der Firma - die alle haben Ideen, entwickeln Dinge, von denen Sie bisher keine Ahnung hatten. Und kommen so vielleicht mal auf Sie zu, weil Sie im Hinterkopf haben: Der hatte doch gute Ideen in diesem Bereich.

KarriereSPIEGEL: Klingt vor allem nach geschickter Verkaufe.

Bergmann: Sie machen sich zur Marke.

KarriereSPIEGEL: Und wie werde ich am geschicktesten zur Marketingchefin in eigener Sache?

Bergmann: Das ist nicht einfach. Sie sollten damit frühzeitig beginnen. Machen Sie sich Gedanken, wer Sie sind und wohin Sie wollen, was Sie auszeichnet. Das klingt vielleicht trivial, ist es aber nicht. Und holen Sie Feedback ein. Wenn Ihr Chef dann sagt: So sehe ich Sie nun wirklich nicht - dann haben Sie auch etwas erfahren.

KarriereSPIEGEL: Also sollte mein Vorsatz nicht sein: 2014 werde ich Chef. Sondern: 2014 bringe ich mich ins Gespräch?

Bergmann: Wenn Sie das ernsthaft betreiben, werden Sie nicht mehr aufhören. Sie werden Befürworter finden, die sich für Sie einsetzen. Und mit nach oben ziehen.

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
dontstop 16.01.2014
1.
Ach schön, ich dachte immer die eigentlichen Labersäcke wären die hier 473mal im Jahr befragten Personalcoaches, aber bei dem Betriebsklima, aus dem die Autorin offenbar zitiert, ist tatsächlich noch einiges im Argen. Also veröffentlichen Sie ruhig weiter Ihre belanglose Karrieretipps, Sie scheinen es nötig zu haben und dann klappt´s am Ende auch mit der "geschickten Verkaufe".
yogi65 16.01.2014
2. Alternativer Karrieretip
Falls das oben beschriebene Verfahren nicht funktioniert hier eine zweite Möglichkeit Chef zu werden: Sich nicht mit Details befassen, keine konkreten Vorschläge machen, Ideen nur äußern wenn Sie vom Chef kommen. Dafür mehr an Auftreten und Aussehen arbeiten und die richtigen Leute kennen (am besten von Haus aus). Außerdem darf man keine Lust haben richtig zu arbeiten, sollte aber viel Zeit (mind.12 Stunden am Tag) im Arbeitsumfeld verbringen. Dann klappt es ganz sicher mit der Karriere.
moe.dahool 16.01.2014
3. so what
Ehrlich gesagt sagt mir die gute Frau nichts neues. Ein Mensch mit gesundem Menschenverstand würde die Situation genau so angehen. Und um sich überhaupt für eine solche Position zu qualifizieren sollte man gerade diesen Menschenverstand besitzen.
privat78 16.01.2014
4. Schaumschläger
Management-Coach hört sich gut an, aber ist nur eine Bezeichnung für Menschen die nicht gerne arbeiten. Eine hohe Anzahl der Bevölkerung berät oder verwaltet. Im Gegensatz zu den anderen Arbeitslosen bekommen sie oft ein gutes Gehalt und sind angesehen. Sie leisten aber nichts für das Allgemeinwohl.
GrinderFX 16.01.2014
5. optional
Den Umstand, eine eigene Firma zu gründen, mit Arbeit und so, das scheint Ihr vollkommen fremd zu sein. Es ist schon eine komische Gesellschaft, wo es nur noch darum geht zu blenden und nicht mehr auf Leistung geachtet wird. Ich habe es schon zu oft erlebt, wo Leute Vorteilhaft behandelt wurden, obwohl sie eigentlich die schlechtesten waren was die Leistung betrug.
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