Katarina Barley Familienministerin droht Vorständen mit Frauenquote

Ohne gesetzliche Quote geht es offenbar nicht: In den Chefetagen großer Banken wächst der Anteil von Frauen nur minimal, bei Versicherungen ist er sogar rückläufig. Familienministerin Barley will nun handeln.

Bundesfamilienministerin Katarina Barley
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Bundesfamilienministerin Katarina Barley


Familienministerin Katarina Barley hat der Wirtschaft mit einer Frauenquote für Unternehmensvorstände gedroht. "Ein Frauenanteil von unter zehn Prozent in den Vorständen der großen deutschen Banken ist nicht hinnehmbar", sagte Barley dem "Handelsblatt". Wo selbstgesetzte Zielgrößen nicht wirkten, seien klare Regelungen notwendig. "Ansonsten wird sich in von Männern dominierten Führungsetagen nichts ändern", sagte die SPD-Politikerin. Die deutsche Wirtschaft könne es sich nicht leisten, die Potenziale hochqualifizierter Frauen nicht zu nutzen.

Offen ist jedoch, wie Barley ihre Pläne realisieren will. Eine Regierungsbeteiligung der SPD ist trotz der laufenden Sondierungsgespräche noch nicht sicher. In ihrem Wahlprogramm hatte die SPD demnach eine feste Quote von 50 Prozent für Führungsgremien anvisiert. Für Aufsichtsräte von 105 börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen gilt seit 2016 eine feste Geschlechterquote von 30 Prozent für neu zu besetzende Posten.

Noch mehr als 60 Jahre bis zum Ausgleich

Anlass für Barleys Forderung ist eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach ist der Frauenanteil in den Vorständen der 100 größten Banken in Deutschland im vergangenen Jahr nur leicht auf neun Prozent gestiegen. Bei den 60 größten Versicherungen ist der Frauenanteil sogar leicht zurückgegangen. In den Aufsichtsräten der analysierten Banken und Versicherungen arbeiteten 23 beziehungsweise 22 Prozent Frauen.

Ähnlich sieht es in den Vorständen deutscher börsennotierter Unternehmen aus, wie eine Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY zeigt. Demnach lag der Anteil von Frauen in den Vorständen bei 6,5 Prozent.

Wenn die Entwicklung des Frauenanteils in Aufsichtsräten und Vorständen so weitergeht wie bisher, würde es laut DIW in der Gruppe der Top-200-Unternehmen noch mehr als 60 Jahre dauern, bis in den Vorständen gleich viele Männer und Frauen sitzen.

koe/dpa/Reuters

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