Umfrage zu Doppelverdiener-Haushalten Denkt einer an die Kinder?

Was halten Kinder davon, wenn beide Eltern berufstätig sind? Dazu haben Wissenschaftler mit Familien gesprochen - und die Jüngsten hatten eine klare Meinung.

Schön, wenn die ganze Familie zusammen essen kann
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Schön, wenn die ganze Familie zusammen essen kann


Wie bringt man Familie und Beruf zusammen, wenn beide Eltern arbeiten? Die Frage wird schon so lange und so umfassend diskutiert, dass man glatt auf die Idee kommen könnte, dazu sei eigentlich alles gesagt. Doch in der Studie, die Familienministerin Katarina Barley an diesem Mittwoch vorlegt, kommt eine Gruppe zu Wort, die man zu diesem Thema selten hört: Kinder.

Dazu haben Wissenschaftler des Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfer (SoWiTra) mit Familien gesprochen, bei denen beide Eltern erwerbstätig sind. Im Vordergrund sollte die Sicht der Kinder stehen, die der Eltern ist nur als Ergänzung gedacht.

Diese Rollenverteilung wird von den Kindern bemerkenswert positiv bewertet. Das gilt selbst dann, wenn beide Eltern Vollzeit arbeiten. Dass beide Elternteile zum Einkommen der Familie beitragen, empfinden sie als gerecht. Die meisten wünschen sich so etwas auch später einmal für die eigene Partnerschaft. Dann sollten am liebsten beide Partner gleich viel arbeiten. Der 12-jährige Tommi stellt sich das zum Beispiel so vor: "Dass wir uns dann abwechseln, auf das Baby aufzupassen, und dann halt abwechselnd zur Arbeit gehen. Dass zum Beispiel ich Montag, Mittwoch und Freitag zur Arbeit gehe."

Kritisch sehen es die Kinder, wenn Teile des Arrangements nicht verlässlich sind. Also zum Beispiel, wenn ein Elternteil oft Überstunden schieben muss, oder wenn es Betreuungslücken gibt.

Verkürzen die Eltern die Arbeitszeit, wissen ihre Kinder das sehr zu schätzen, und zwar auch dann, wenn die Verkürzung nur kurz ist, etwa 10 bis 20 Prozent Abzug von einer Vollzeitstelle. Die Autoren der Studie stellen fest: "Selbst wenn immer nur ein Elternteil nachmittags früher zur Verfügung steht, ist dies für die Kinder ein bedeutsamer Zugewinn an Eltern-Kind-Zeiten zum genau passenden Zeitpunkt im Tagesverlauf" - dann nämlich, wenn sie aus dem Kindergarten oder Hort abgeholt werden.

Werbung fürs Familiengeld

Die Studie beansprucht keine Repräsentativität für die Gesamtbevölkerung, sondern dient dazu, Fragestellungen eines bisher wenig beachteten Forschungsfeldes sichtbar zu machen, die man eventuell in späteren Studien vertieft. Das SoWiTra hat dazu 28 Familien aus ganz Deutschland intensiv interviewt - ein verbreitetes Verfahren in den Sozialwissenschaften. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Eltern möglichst unterschiedliche Berufe und Einkommenssituationen mit verschiedenen Teilzeit- und Vollzeitkombinationen haben.

Für Ministerin Barley ist die Studie ein willkommenes Argument für das Projekt Familiengeld. Bereits ihre Vorgängerin Manuela Schwesig hat den Plan aufgelegt, für den die SPD nun im Wahlkampf wirbt: Wenn beide Partner statt Vollzeit zwischen 26 bis 36 Wochenstunden arbeiten, sollen sie zwei Jahre lang jeweils 150 Euro Familiengeld erhalten, dazu einen Anspruch auf Rückkehr zur vorherigen Arbeitszeit und Kündigungsschutz.

Tatsächlich setzt das Familiengeld da an einem neuralgischen Punkt an, wie man aus den Antworten der Eltern herauslesen kann. Die führen viele Gründe für ihre Doppelverdiener-Entscheidung ins Feld, darunter auch die finanzielle Eigenständigkeit der Partner. Aber gerade Paare, die beide in Teilzeit arbeiten, weisen auf eine soziale Schieflage hin: Man muss sich diese Entscheidung eben auch leisten können.

Laut der Studie spricht auch aus Erziehungssicht einiges für eine gleichmäßige Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit zwischen den Eltern. Die überwiegende Mehrheit der befragten Kinder sieht Vater und Mutter als gleichwertige Ansprechpartner in allen Lebenslagen - anders als in Familien, wo es nur einen Hauptverdiener gibt. Die Rede ist von der "Gleichwertigkeit des Eltern-Kind-Kontakts".

Außerdem hätten die Kinder mehr Auswahl bei den Freizeitaktivitäten, wenn beide Elternteile Zeit mit ihnen verbringen. Ihnen sei bewusst, dass die Anwesenheit des Vaters keine Selbstverständlichkeit ist - und sie wollen darauf nicht mehr verzichten.

Also alles eitel Sonnenschein? Kritik haben die Kinder auch geübt. Sie stört es, wenn ein Elternteil unfreiwillig Vollzeit arbeitet, durch Überstunden oder Dienstreisen gebunden ist, und der Vater länger als die Mutter arbeiten muss.

mamk



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