87-jährige Komparsin Filmreif

Als die Sportlehrerin Johanna Penski pensioniert wurde, erfüllte sie sich einen Traum: Sie bewarb sich als Komparsin. Heute ist die 87-Jährige eine der gefragtesten Nebendarstellerinnen - und geht immer noch zu Castings.

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Johanna Penski, 87, macht jeden Morgen Gymnastik. Manchmal trainiert sie auch mit Hanteln. Und dann ist da noch die Sache mit der Filmwelt.

Penski klettert auf einen Hocker in ihrem Flur, um sich neben den Autogrammkarten fotografieren zu lassen, die weiter oben an der Wand hängen: Til Schweiger, Veronika Ferres, Wim Wenders. Penski hat mit bekannten deutschen Regisseuren und Schauspielern gedreht. In rund 870 Filmen hat sie mitgespielt.

Seit fast 30 Jahren arbeitet Penski als Komparsin und Kleindarstellerin. Die 87-Jährige mit den schlohweißen Haaren gilt als eine der gefragtesten Komparsinnen Deutschlands. Sie wurde mehrfach von Wim Wenders, Leander Haußmann und Til Schweiger gebucht. Sie spielte in einer "Tatort"-Folge mit, in den Filmen "Kokowääh" und "Sein letztes Rennen" und trat in einem Werbespot der Telekom auf.

Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2014 durfte sie über den Roten Teppich laufen. Im vergangenen Jahr schrieb die Rentnerin eine Autobiografie mit dem Titel "Träume altern nicht". Die steht nun gut sichtbar auf der Wohnzimmerkommode - zur Erinnerung, weil sie manchmal selbst vergisst, dass sie nun auch Schriftstellerin ist.

"Zu viel Text, das geht nicht"

Penski weiß jede Menge Anekdoten zu erzählen. Im Wohnzimmer ihrer Tempelhofer Wohnung erzählt sie, wie sie einmal eine Leiche spielen und lange auf der Straße liegen musste. "Da haben sie mir eine Decke untergeschoben, damit es nicht so kalt ist."

Dann erzählt sie von Dreharbeiten für die RTL-Fernsehserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", bei denen sie darum gebeten hat, ihren Text zu kürzen. "Also das ist mir zu viel Text, sag' ich zu denen, das geht nicht." Es macht Penski sichtlich Spaß, ihr Gegenüber zu unterhalten. "Wissen Sie, ich kann ja auch nichts dafür, dass ich so ein interessantes Leben hatte", bemerkt sie und lacht.

Penski wurde 1927 in der heute polnischen Stadt Treptow (Trzebiatów) geboren. 1945 floh sie in Richtung Westen, kehrte zurück und wurde wieder vertrieben. Sie wohnte in Bayern, Potsdam und ab 1958 in West-Berlin. Ihr Mann starb, als sie 42 Jahre alt war, ihre Tochter lebte jahrelang getrennt von ihr auf der anderen Seite der Mauer.

Schon als junges Mädchen schwärmte Penski für den Film, doch in den Wirren der Nachkriegszeit war kein Platz für ihre Schauspielträume. Also wurde sie Sportlehrerin, trainierte Handballmannschaften, bot Eltern-Kind-Kurse an und Seniorengymnastik. Nach ihrer Pensionierung erfüllte sich Penski ihren Jugendtraum und registrierte sich mit 60 Jahren bei einer Agentur für Filmkomparsen.

Rotwein von Til Schweiger

Bis heute geht sie regelmäßig zu Castings, hin und wieder wird sie sogar von Regisseuren angefragt. Die Presse feiert Penski als "Edelkomparsin" und auch andere Darsteller bekommen mit, dass die alte Dame selten eine Absage kassiert. "Ich bin schon ein bisschen berüchtigt bei den Komparsen, aber ich kann ja nichts dafür."

Penski führt akribisch Buch über alle Filme, in denen sie aufgetreten ist, protokolliert die einzelnen Drehtage, sammelt Zeitungsartikel und Erinnerungsfotos. Ihr Lieblingsregisseur ist Wim Wenders, für den sie 1993 im Spielfilm "In weiter Ferne, so nah!" erstmals vor der Kamera stand, erzählt sie.

Aber auch Til Schweiger habe sie sehr ins Herz geschlossen. Einmal habe er an Weihnachten auf ihren Anrufbeantworter gesprochen und nach den Dreharbeiten zu "Zweiohrküken" habe er ihr eine Flasche Rotwein geschenkt. Ein Foto davon hängt bis heute in ihrem Flur.

Wenn es nach Penski geht, ist trotz ihres hohen Alters noch lange nicht Schluss mit der Schauspielerei - schließlich hält sie sich mit ihrem täglichen Sportprogramm fit. "Also, solange die mich noch haben wollen, mache ich weiter", sagt sie und lächelt verschmitzt.

Hannah Wagner/dpa/lov



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