Urteil zur Kündigungsfrist Sonntags muss niemand den Briefkasten leeren

Ein Anwalt wirft seiner Mitarbeiterin die Kündigung in den Briefkasten - an einem Sonntag. Sie findet das Schreiben am nächsten Tag. Und da ist die Kündigungsfrist schon verstrichen. Welches Datum gilt? Das vom Montag, so das Arbeitsgericht.

Ist Post gekommen? Sonntags muss niemand nachsehen
dpa

Ist Post gekommen? Sonntags muss niemand nachsehen


Die Kündigung wurde ihr am letzten Tag der Probezeit persönlich in den Briefkasten geworfen. Es war ein Sonntag. Doch wer schaut schon sonntags in den Briefkasten? Die Rechtsanwaltsgehilfin fand das Schreiben ihres Arbeitgebers erst am Montag. Und da war die für die Probezeit geltende Kündigungsfrist von zwei Wochen schon überschritten. Also zog die Frau gegen ihren Rauswurf vor Gericht.

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein gab ihr nun Recht: Wird ein Kündigungsschreiben an einem Sonntag in den Briefkasten geworfen, gilt es als am Montag zugestellt. Damit hat ihr Arbeitgeber die Kündigungsfrist verpasst - und muss ihr zwei Wochen länger Gehalt zahlen. Denn nach Ablauf der Probezeit galt für die Frau eine Kündigungsfrist von vier statt zwei Wochen.

Sie habe nicht damit rechnen müssen, dass sie sonntags wichtige Post erhält, argumentierte die Klägerin vor Gericht. Die Kieler Richter stimmten ihr zu (Aktenzeichen 2 Sa 149/15): Arbeitnehmer müssen sonntags nicht in ihren Briefkasten sehen. Auch nicht, wenn ein Sonntag der letzte Tag der Probezeit ist und der Arbeitgeber an diesem Tag arbeitet.

Die beklagte Kanzlei hatte darauf verwiesen, dass sonntags ja auch Wochenblätter verteilt werden. Dies sei mit regulärer Post aber nicht vergleichbar, so die Richter.

vet/JurAgentur

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insgesamt 98 Beiträge
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Seite 1
jujo 11.11.2015
1. ...
Der Rechtsverdreher hat es auf ein linke Tour versucht und ist gescheitert. Gut so!
brunnersohn 11.11.2015
2. Wie unwissend (oder dumm?)
manche Anwälte doch sind. Es könnte auch Hinterlist gewesen sein? Und warum? nur um 2 Wochen Lohn zu sparen. Ist Geiz nicht auch blöd?
tradepro 11.11.2015
3. Urteil erfreut mich
Dieses Urteil erfreut mich in mehrfacher Hinsicht! Die Kündigung einfach so in den Briefkasten werfen? Ohne persönliches Gespräch? Wo gibts denn sowas? Ich würde wegen so einer Frechheit behaupten die Kündigung gar nicht erst erhalten zu haben.
tradepro 11.11.2015
4. Anwalt sauer?
Der Anwalt war wohl sauer weil die Mitarbeiterin am Sonntag nicht zur Arbeit erschienen ist und dachte sich: Die kündige ich jetzt. Sehr gut dass dies nicht durchging!! Freut mich.
zoonix 11.11.2015
5.
Bereits zum Beginn des Jurastudiums lernt man, dass Fristen nicht an einem Sonn- oder Feiertag enden, sondern erst mit dem nächsten Werktag. Dieses Argument verfängt eher, als die krude Erklärung des Kündigungsanwalts, dass Sonntagsblättchen am Sonntag ausgetragen werden. Der werte Anwalt dachte wohl, die Richter im Tiefschlaf anzutreffen?
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