Von Beruf Kunstfälscher Und täglich grüßt die Mona Lisa

Heute van Gogh, morgen Monet - drei Brüder aus Berlin kopieren die Gemälde alter Meister, ganz legal. Ein lukrativer Job: Bis zu 10.000 Euro zahlen Kunden für die Auftragsfälschungen.

DPA

Vincent van Goghs "Caféterrasse" hat Eugen Posin schon mehr als zwanzig Mal gemalt. Der 67-Jährige und seine Brüder Michael und Semjon arbeiten in Berlin als Kunstfälscher, ganz legal.

Laut Bundesjustizministerium darf ein Werk 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers kopiert werden. Auch die Persönlichkeitsrechte erlöschen nach diesem Zeitraum. Problematisch wird es rechtlich erst, wenn die Werke als "echt" in den Verkehr gebracht werden. Und das tun die Brüder nicht, sie schreiben auf die Rückseite der Bilder ihre Namen.

Eugen Posin kopiert gerade die "Die Geburt der Venus" von Sandro Botticelli. Das Original hängt in den Uffizien in Florenz, für die Kopie zahlt ein Kunde rund 10.000 Euro. "Die Auftragsliste wird immer länger und die Bilder immer größer", sagt Posin. Das "Venus"-Gemälde ist fast drei Meter breit, Posin arbeitet schon seit mehreren Monaten daran. "Die Kunden haben riesige Häuser, sie brauchen die passenden Bilder", sagt er.

Sein Bruder Michael, 66, kommt in den Raum. Er raucht, sieht sich das Werk an. Sagt nichts, geht rauchend wieder ins Nebenzimmer.

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Der Berliner Kunstsalon der drei ist unscheinbar. Alte Blümchengardinen hängen in den Schaufenstern, der Teppichboden ist an einigen Stellen verschlissen. Die alte Ledercouch hat Risse, ein dickes schwarzes Klebeband hält sie notdürftig zusammen. Auf dem Tisch: Wodka und viele andere Getränke. An den Wänden hängen Fotos, Zeitungs- und Magazinberichte über ihre Arbeit.

Die Posins verstehen es, sich zu inszenieren. Die drei Männer tragen Jeans, karierte Hemden oder Westen aus schwarzem Leder. Auf einem Pappschild steht "Rundgang", es zeigt in den Keller. Die Luft steht. Überall Verpackungsfolien, Kartons und Bilder, Bilder, Bilder. Nicht alle sind nachgeahmt, viele Werke der Brüder sind Eigenkreationen.

Aus einer früheren Ausstellung haben die drei eine nachgebaute Gefängniszelle behalten, mitten drin steht ein Stalin-Gemälde. Die Posins haben in der Sowjetunion Kunst studiert, 2011 eröffneten sie ihren Kunstsalon in Berlin:

"Barock, Impressionismus - wir machen alles."

Mit der Bezeichnung Fälscher haben die drei kein Problem, sie benutzen sie sogar selbst. Henry Keazor, Professor für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Uni Heidelberg, hat ein Buch über die Geschichte der Kunstfälschung geschrieben. Für ihn sind die drei Brüder keine Fälscher, "denn zum Fälschen gehört der Betrug, der hier ja nicht gegeben ist". Ihre Werke müsse man eher als Kopien oder Stil-Adaptionen bezeichnen.

Gerold Schellstede besitzt schon 112 Werke der Brüder, sie hängen überall in seinem Hotel in der Lausitz. Kopien von Rubens und Vermeer sind darunter, auch die "Mona Lisa" ist da und die "Sixtinische Madonna" von Raffael. Schellstede hat schon weitere Raffael-Kopien bei den Posins in Auftrag gegeben, doch auf seine Frage, wie weit sie denn mit den Bildern seien, bekam er nur die Antwort: "Die Stimmung fehlte bislang."

Die Faszination am Kopieren und Fälschen sei unter anderem ein Kräftemessen, sagt Kunstprofessor Keazor. "Der Fälscher will sehen und zeigen, ob, dass und inwiefern er genauso gut ist wie der gefälschte Künstler. Dazu muss er sozusagen hinter das Geheimnis des gefälschten Künstlers kommen und muss sich dieses aneignen."

Ist Eugen Posin zufrieden mit seiner Kopie der "Venus"? Die Antwort kommt sofort: "Zufrieden wird man nie."

vet/dpa

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
IntelliGenz 02.05.2015
1. ist sich der SPIEGEL hier
wirklich ganz sicher, dass hinter den Bildern die Arbeit der drei Brueder steckt? Es gibt in China eine Stadt, in dieser einen Stadtteil. Dort tun HUNDERTE von Malern den ganzen Tag nichts anderes, als bekannte alte Meister und deren Werke zu "faelschen". Bei 10,000 Euro Verkaufserloes fuer ein 2x3 Bild bleiben den Bruedern jedenfalls noch ein erklecklicher Betrag fuer die eigene Muehe. Sollte mich doch der Affe in den Po beissen, wenn die Jungs da nicht schon vor langer Zeit drauf gekommen sind. Ich staune ueber so viel schwache Hintergrund-Recherche zu einem offenen Geheimnis.
jazzer 02.05.2015
2. Bescheuert,
solche Bilder zu kaufen. Warum nicht in einen jungen Künstler investieren?
blueberryhh 02.05.2015
3. vielleicht ...
gefallen den Käufern die Werke alter Meister einfach besser als moderne Kunst? Ist vielleicht so, wie alte Autos gut finden.... kann ich gut nachvollziehen.
f36md2 02.05.2015
4. Kunstwerke abmalen? Die können es wenigstens!
Lasst sie doch abmalen! Jedenfälls können sie das noch. Gegenständlich malen, das können nur noch Wenige. Ich musste beispielsweise als Mitarbeiter meiner Zeitung über zwanzig Jahre regelmäßig zu Kunstausstellungen. Peinlich, was für ein verwirrtes Gekleckse da hochgejubelt wurde. Das lief immer nach dem gleichen Muster ab: Der "Kurator", meist ein Lehrer mit viel Freizeit, stellte die "junge Wilde" oder den "etablierten Künstler" und "Beuys-Schüler" (auch das noch) vor. Natürlich hatte der bereits in Mailand, Paris und London ausgestellt. Da fragte ich mich: "Warum kam er dann ausgerechnet in unser Kaff?" Dann verteilten sie einen schwer verständlichen Pressetext, in dem extreme Fremdwörter nebeneinander aufgeführt wurden. So zeigte die "junge Wilde" auf ihren Bildern ihre "empirischen Innerlichkeiten?" Aha...? Danach klatschten alle Beifall, die Besucher sind fasziniert, erzählen dann aber nach dem dritten Sekt: "Selten so einen Müll gesehen, wo ist denn da oben oder unten?" Danach bekamen die Absolventin der Düsseldorfer Kunstakademie oder "der Künstler" in unserem Blatt eine Viertel Seite. Dazu ein Bild mit dem Bürgermeister (O-Ton: Ich freue mich) und dem begeisterten Lehrer-Kurator. Ein örtlicher Bankdirektor kauft dann eines der "Werke" für das Büro. Ist ja nicht sein Geld! Der Vorteil, die Besucher trafen dabei andere Besucher! Das war vermutlich der Hauptgrund, sich diesen gequirlten Brei anzusehen. Es gibt Bundesbürger, die müssen frühmorgens um vier Uhr aufstehen, um ihre Familie zu ernähren, die verdienen ihr Geld nicht mit peinlichem Gekleckse.
wll 02.05.2015
5. Kein Titel
Zitat von jazzersolche Bilder zu kaufen. Warum nicht in einen jungen Künstler investieren?
Wenn ich mir ansehe, was mittlerweile so als "Kunst" fabriziert wird, ist das für mich durchaus nachvollziebar. Und ein richtiges Gemälde ist schon rein optisch eben etwas anderes als ein Kunstdruck an der Wand...
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