Kuriose Stellenanzeige Können Sie diesem Hund Liebe schenken?

Ein US-Unternehmen sucht einen Mitarbeiter, der den ganzen Tag nur Hunde streichelt. Das könnte Ihre Chance sein: Kuscheln Sie - und bekommen Sie die Aufmerksamkeit, die Sie schon lange verdient haben!

Viel schöner als Ihr Alltag, nicht wahr?
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Viel schöner als Ihr Alltag, nicht wahr?

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Der Chef ein elender Miesepeter, die Ehe ein dahinsiechender Problemfall? Und dann sind Sie auch noch in dem Alter, in dem Sie am Wochenende nicht mehr schick ausgehen? Stattdessen machen Sie samstags den Garten winterfest - im Blaumann, mit ausgebeulten Knien?

Sie gehören offenkundig zu dem größeren Kreis von Arbeitnehmern, deren Nerven schon montags einigermaßen blank liegen. Ihre Wochen sind hart, privat und beruflich, dabei verlangen Sie wirklich kaum etwas. Nur ein bisschen Anerkennung! Respekt! Liebe!

Sie können hoffen. Diese Liebe, von der Sie sich bisweilen fragen, ob sie existiert, gibt es in Texas, USA, bei "Mutts Canine Cantina". Das ist ein hundefreundliches Restaurant. Und es braucht Sie! Die Inhaber haben über Instagram eine Stellenanzeige veröffentlicht. Sie wollen einen Menschen einstellen, der die zu den Gästen gehörenden Hunde streichelt, mit ihnen kuschelt, Liebe austauscht.

Gesucht wird ein "Puptern", also einer, dessen Hauptbeschäftigung es ist, sich um die Puppys (Hündchen) zu kümmern, der aber gleichzeitig als Intern (Praktikant) beschäftigt wird. Na gut, Ihr neuer Job wäre kein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Aber kommen Sie, ein paar Kompromisse müssen Sie für die Liebe schon eingehen. Zumal die Bezahlung wirklich gut ist:

"Kassieren Sie 100 US-Dollar pro Stunde, um Hündchen an unserem neuen Standort zu streicheln."

Als Puptern müssten Sie nur vier Stunden im Monat arbeiten, pro Stunde gibt es umgerechnet etwa 87 Euro. Klingt nach einem interessanten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Auf seiner Webseite sieht das hundefreundliche Restaurant schön aus. Zu Beginn läuft ein Video, da ist ein Park, in dem euphorisierte Hunde herumtollen. Am Rand sitzen die Hundehalter auf gelben Holzbänken. Bier fließt, Buletten brutzeln, Kellner lachen, Besucher lachen, die Hunde lachen auch. Glauben wir.

Es sind Bilder, die einen vom Berufsalltag enttäuschten Menschen wie einen Donnerschlag treffen. Diese Welt ist sowas von heile, das glaubt Ihnen zu Hause niemand.

Die Besucher auf den gelben Bänken bestellen übrigens Essen und surfen im WLAN. Da bleibt ihnen nicht immer Zeit, nach den Puppys im Park zu schauen. Womit wir wieder bei Ihnen und der inhaltlichen Ausgestaltung Ihres eventuell neuen Jobs wären.

In seiner Stellenanzeige verrät das Unternehmen, dass Sie eigentlich keine Voraussetzungen brauchen.

"Zeigen Sie uns Ihre Hündchenstreichel-Skills!"

Die Bewerbung läuft folgendermaßen ab: Sie posten ein Foto, auf dem Sie Ihre Streichelfähigkeiten präsentieren. In der Bildbeschreibung notieren Sie, warum Sie sich als Hundestreichler eignen.

Anschließend erwähnen Sie die von dem Restaurant vorgegebenen Hashtags und verlinken den Laden. Ein Moment, in dem Ihnen kurz bewusst wird, dass Sie vielleicht Teil einer absurd großen Werbekampagne werden. Immerhin gibt es bereits 127 Mitbewerber, die fröhlich Bilder für das Unternehmen hochladen und es in ihren Beiträgen erwähnen.

Aber: Alles halb so wild. Oder sollen wir Sie noch mal an Ihren derzeitigen Chef erinnern?

In der Stellenanzeige heißt es weiter:

"Haben Sie das Zeug, unser allererster Puptern in unserer brandneuen Filiale in Fort Worth zu werden?"

Eine Frage, die man natürlich erst mal sacken lassen muss. Können Sie das?

Wir vermuten, dass es tatsächlich so simpel ist, wie es klingt: Sie sollten Hunde und den Puppypark mögen. Sie sollten es mögen, Liebe zu geben und welche zurück zu bekommen.

Der Haken ist, dass Sie sich relativ schnell darüber klar werden müssten, ob Sie Ihr Leben in Deutschland aufgeben und nach Texas umsiedeln möchten. Bis zum 12. November soll entschieden werden.

Und klar, die 348 Euro im Monat machen Sie natürlich nicht reich, da müssten Sie sich noch was überlegen. Man weiß allerdings von Menschen, die es geschafft haben, ausschließlich von Luft - und dieser legendenumwobenen Liebe - zu leben. Hat es alles schon gegeben.



insgesamt 3 Beiträge
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SIR-ENE 02.11.2018
1. Auch Wände wollen ab und zu gestreichelt werden mit Farbe
Man sollte das alles nicht so eng sehen. Hunde sind, was Zuwendungen anlangt, auch nur Menschen. Zumal Liebe nichts weiter ist als ein Wohlgefühlkomplex, der „Bedürftige“ mit den intensivsten Gefühlen versorgt. (Bedürftig sind wir alle, weil es nur um das Erreichen von positiven Wahrnehmungen im weitesten Sinne geht. - Wer was Höheres dahinter vermutet, macht sich mit dieser Vorstellung auch nur Wohlgefühle ...) Schon ein drohender Entzug intensiver Wohlgefühle, beispielsweise durch eine sich anbahnende Trennung nach einem Fremdgehen kann massive Unwohlgefühle auslösen, die so schlimm werden können, dass Betroffene sich und dem gewohnten Wohlgefühlespender töten. Verständlich, denn so schnell finden sich nicht genug Ersatzwohlgefühle zum Füttern des Belohnungszentrums in unserem Hirn, das in solchen Situationen ganz schön belastet wird durch das Angst- und Panikzentrum. Also, warum nicht Hunde streicheln und von den damit geleckten Spiegelneuronen in unserer Denkbeule profitieren? Leute, die den ganzen Samstagnachmittag damit verbringen, ihr liebstes Kind auf Hochglanz zu bringen, damit sie am Sonntag neidische Blicke genießen können, halte ich für viel danebener.
mundusvultdecipi 03.11.2018
2. Oxytocin
..nicht zu unterschätzen ist auch,dass wenn man Tiere streichelt es zu einer erhöhten Ausschüttung von Oxytocin,dem Wohlfühlhormon kommt.
SIR-ENE 03.11.2018
3.
Zitat von mundusvultdecipi..nicht zu unterschätzen ist auch,dass wenn man Tiere streichelt es zu einer erhöhten Ausschüttung von Oxytocin,dem Wohlfühlhormon kommt.
Stimmt. Was da in uns abgeht, sollte insgesamt viel mehr Berücksichtigung finden, auch beim Stretchen, Strangulieren und wer weiß sonst noch alles von Gefühlen über die „§§-Knetmaschine Justiz“. Vor vielen Jahren las ich mal im Stern, dass Frauchen gerne ihrem vierbeinigen Liebling einen runterholt. Ich traute zunächst meinen Augen nicht, doch stand das wirklich da ... Insofern müsste der Menschheit doch bald mal auffallen, dass beim systematischen Hinterfragen von allem Möglichen, wozu es letztlich geschieht, nichts anderes übrig bleibt als das Streben nach Wohlgefühlen im weitesten Sinne. Eine sensationelle Erkenntnis, an der so unglaublich viel dranhängt, dass das SPON sich längst zu einer Kaderschmiede weiterer, an dieser fundamentalen Erkenntnis hängenden revolutionären Erleuchtungen hätte entwickeln können ... ;-)
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