Kurioser Nebenjob Vormittags Lehrer, nachmittags Erschrecker

Sie arbeiten als Zahnärzte, Sozialpädagogen oder Grundschullehrer - und verwandeln sich nach der Arbeit in sadistische Professoren, irre Ärzte und Patienten. Professionelle Erschrecker sind in Freizeitparks die Stars. Und an Halloween besonders gefragt.

dapd

Morgens singt er Kinderlieder, tröstet und lobt, nachmittags schmiert er sich Blut ins Gesicht, schneidet Grimassen und stürzt sich auf Fremde. Grundschullehrer Lars Krumrey ist professioneller Erschrecker. Nach Unterrichtsschluss verwandelt er sich in einen sadistischen Professor und versetzt Freizeitparkbesucher in Panik.

Der Berliner ist Mitglied der Boo-Crew, einem Verein sogenannter Horror-Live-Erschrecker. "Unsere Attraktionen unterscheiden sich von herkömmlichen Geisterbahnen", sagt Jan Stöhlmacher, Gründer und Vorsitzender der Vereins. "Wir gehen so stark an die Grenze des Erträglichen, bis diese Grenze nicht mehr sichtbar ist."

Die 70 Mitglieder der Boo-Crew geistern an Halloween im Heide-Park Soltau durch das "Sanatorium Bergfrieden" und erschrecken die Besucher. Am liebsten die in der Mitte einer Gruppe. "Dort verbergen sich diejenigen, die sich am meisten fürchten", sagt Stöhlmacher. Im Geisterhaus gehe es ja gerade darum, "sich mit großer Lust der eigenen Angst auszusetzen und das in einem scheinbar sicheren Rahmen".

Sozialpädagogin wird zur Psychopathin

Schon mehrmals habe er junge Mädchen aus den Kulissen tragen müssen, die vor Schreck ohnmächtig geworden seien, sagt Stöhlmacher. Meist helfe etwas Zucker, um sie wieder auf die Beine zu bringen.

Bei der Boo-Crew sind alle Professionen vertreten. Eine Zahnärztin verkleidet sich als verrückte Krankenschwester, eine Sozialpädagogin als Psychopathin. "Für mich ist das die ideale Möglichkeit, meine dunklen Seiten auszuleben", sagt Conny Severit, die im wirklichen Leben in einem sonderpädagogischen Wohnheim für geistig behinderte Frauen und Männer arbeitet.

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Grusel-Make-up zu Halloween: Erdrosselt in eineinhalb Stunden
Die Möglichkeit, "aus dem Alltag auszusteigen und einmal jemand ganz anderes zu sein", reizt auch Grundschullehrer Krumrey. Er und die anderen Crew-Mitglieder sind nicht nur im Heide-Park aktiv, sondern deutschlandweit in Geisterbahnen, bei Halloween-Partys und anderen Grusel-Events.

Die Vereinsmitglieder zahlen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 10 Euro, dafür sind sie während der Auftritte versichert und bekommen die Fahrten zu den Veranstaltungsorten und eventuelle Übernachtungskosten erstattet. Ein eigenes Maskenbildner-Team kümmert sich um Kostüme und Masken.

Die mit 19 Jahren jüngste Darstellerin der Boo-Crew, Nina Blume, liebt den Moment des Erschreckens. Allerdings hat sie auch Zweifel, "ob es nicht einfach gemein ist", wenn sie im Dunkeln als böse Krankenschwester die Gäste aus dem Sanatorium jagt. Einige Besucher würden so schnell rennen, "dass sie fast die Treppe am Ausgang runterfallen".

Auch eine echte Zahnärztin spukt als verrückte Krankenschwester durch das "Sanatorium Bergfrieden". Eine Zahnarzt-Nummer will der Verein aber auf keinen Fall in das Programm einbauen. Da hört dann auch für die Boo-Crew das Erschrecken auf: "Die Leute haben schon genug Angst vorm Zahnarzt", sagt Stöhlmacher.

Alexander Kohlmann, dapd/vet

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