Laufband fürs Büro Sie klingen irgendwie gehetzt

Sitzen ist das neue Rauchen, heißt es. Wer zu viel sitzt, schadet seiner Gesundheit. Stimmt ja alles. Aber was ist die Alternative? Soll man etwa im Gehen arbeiten? Ja, das soll man, zum Beispiel mit einem Büro-Laufband. Ein Selbstversuch.

Corbis

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In Amerika, liest man, tun es die Leute schon lange. An imposanten, großen Geräten. Wer etwas auf seine Gesundheit hält, setzt sich nicht an den Schreibtisch, sondern läuft daran. In Deutschland haben viele Schreibtischarbeiter immerhin schon ein Stehpult im Büro. Ein Gehpult wäre aber noch besser, denn: Jede Bewegung ist besser als Sitzen. Manchen Studien zufolge kann exzessives Sitzen gefährlicher als Rauchen sein.

Es gibt etliche Firmen, die Schreibtische mit Laufbändern kombinieren, wie Treaddesk oder Lifespan; in Deutschland vermarktet Cardiostrong einen Lauf-Schreibtisch. Mein Arbeitszimmer gibt allerdings nur begrenzten Platz her. Das geht vielen anderen Heimarbeitern auch so.

Der "Home Run" von Skandika dürfte eines der kleinsten auf dem Markt verfügbaren Laufbänder sein. Das Kompaktlaufband ist gerade neu herausgekommen und eigens fürs Home Office konzipiert. Es bietet immerhin eine arbeitsfreundliche, rutschfeste Ablage, auf die man einen Laptop stellen kann. Oder einen Aktenordner legen. Ein Getränkehalter ist auch integriert. Das Ganze lässt sich zusammenklappen und dann als Sideboard oder Bank nutzen. Na dann mal los.

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Als erstes versuche ich, ob sich das Gerät leicht auf- und abbauen lässt. Denn ich hasse Gebrauchsanweisungen. Ich hasse es auch, Dinge zu bedienen. Die Dinge sollen mich bedienen, nicht umgekehrt, denn wer ist denn bitte für wen da? Eben. Da punktet das Gerät mit Idiotensicherheit: Der Aufbau dauert keine drei Minuten. Wenn man es zusammenklappen und wegstellen will, geht das ebenfalls blitzschnell. Das Display auf dem Pult ist selbsterklärend: Ein/Aus, Geschwindigkeit hoch/runter, Distanz, Schnelligkeit oder verbrauchte Kalorien anzeigen, fertig. Prima.

Dann zünde ich Stufe zwei: Businesskleidung, normale Schuhe, eine Akte auf die Ablage, und los geht es. Am Anfang fühlt sich das komisch an. Mein Hirn muss sich erst daran gewöhnen, die Bewegungsareale freizuschalten, während die Sprachareale aktiv sind. Aber cool ist es. Hey, ich arbeite im Gehen!

Kalorien verbrennen? Das dauert

An dieser Stelle muss man sagen: Die Bezeichnung Laufband, unter der das "Home Run" firmiert, trifft nicht so ganz. Das "Home Run" ist eher, nun ja: Ein Gehband. Man hätte es "Home Walk" nennen sollen. Es ist ein Gehpult. Denn die Maximalgeschwindigkeit des mit niedlichen 1,25 PS angetriebenen Bandes liegt bei zehn Stundenkilometern.

Das ist zwar wirklich nicht langsam. Aber es gibt ja durchaus Läufer, die pro Kilometer deutlich weniger als fünf Minuten brauchen. Bei zehn km/h kommt man über einen vergleichsweise gemütlichen Minutenschnitt von sechs nie hinaus. Da nimmt es schon ein wenig wunder, dass Skandika sich den Extremsportler Joey Kelly als Werbemodel für das Gerät leistet - er wirkt neben dem Laufbändchen ein bisschen wie ein Lamborghini-Fahrer, der neben einem Smart posiert.

Der Vergleich mit dem Smart passt aber auch in positiver Hinsicht. Denn das Band soll ja deshalb so klein sein, damit man es auch in kleinen Büros einparken kann. Zusammengeklappt misst es gerade mal 122 mal 56 mal 31 Zentimeter. Raumgreifende Schritte lassen sich darauf naturgemäß nicht machen. Und auch Steigungen lassen sich nicht simulieren - man geht immer in der Ebene. Ein richtiges Sportgerät ist das nicht.

Ein richtiger Schreibtisch aber auch nicht, denn die Ablage ist recht klein. Wenn der Laptop drauf steht, sieht man das Display des Laufbands nicht mehr. Das ist aber nicht so schlimm, weil man die Geschwindigkeit ja nicht dauernd ändern muss - und es dauert sowieso sehr, sehr lange, bis man gemütlich gehend eine so signifikante Kalorienzahl verbraucht hat, dass es einen gesonderten Blick aufs Display lohnen würde. (Ganz abgesehen davon, dass diese Angabe eher Spielerei ist - wer wie viel Kalorien verbrennt, hängt von etlichen Faktoren ab, von denen das Laufband nur zwei erfasst, nämlich Strecke und Geschwindigkeit.)

Keuchen könnte am Telefon unpassend wirken

Zum Arbeiten ist es aber problematisch, dass das Gerät nicht höhenverstellbar ist. Die oben erwähnten amerikanischen Geräte bieten das ab Werk, nebst ausreichend Arbeitsfläche - kosten dafür aber auch gerne mal deutlich mehr als 2000 Dollar. Das "Home Run" ist bei den günstigsten Anbietern unter 500 Euro zu haben.

Es liest sich ganz gut im Gehen, aber es schreibt sich nicht gut. Und telefonieren kann auch schwierig sein: "Sie klingen so gehetzt, haben Sie gerade Stress?" Wobei abzuwägen wäre, was aus karrieretechnischer Sicht besser ist: So zu klingen, als hätte man Stress, oder so zu klingen, als hätte man keinen. Es gibt gute Argumente für beides. Ich bin allerdings eher der Typ, der immer souverän klingen möchte. Und bei manchen Gesprächen wirkt auch ganz dezentes Keuchen einfach ein wenig unpassend.

Nach einigen Tagen des Testens kristallisiert sich heraus: Das Schreiben bleibt schwierig. Es ist keine Gewöhnungssache, sondern klappt einfach nicht gut, weil die Feinmotorik des Tastentreffens nicht optimal zur Grobmotorik zügigen Gehens passt. Jedenfalls bei mir nicht. Vielleicht wäre das an einem richtigen Schreibtisch mit Laufband anders, auf dem man auch einen Desktoprechner mit vernünftiger Tastatur unterbringen kann.

Aber die laufende Lektüre lässt sich tatsächlich im Gehen erledigen. Und wenn man nur mal etwas nachschauen möchte, kann man das auch am Gehpult tun statt im Sitzen. Das Gerät ist tatsächlich eine nette Ergänzung des Büromobiliars. Das mit dem Zusammenklappen ist allerdings eher Spielerei - wenn man schon Bewegung in den Alltag bringen will, sollte das Gerät immer betriebsbereit sein, sonst wird das nichts.

Fazit: Wer als Sportler oft auf richtigen Laufbändern läuft, wird mit einem solchen Gerät wahrscheinlich dauerfremdeln. Wer allerdings unzufrieden damit ist, sich insgesamt zu wenig zu bewegen, für den kann ein Arbeitslaufband schon mal ein guter Anfang sein.

  • Maren Hoffmann ist Redakteurin bei manager magazin Online. Dort erschien ihr Beitrag zuerst.

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
effesste 21.02.2014
1. Ich hätte da eine Idee ...
Zitat von sysopmanager magazin onlineSitzen ist das neue Rauchen, heißt es. Wer zu viel sitzt, schadet seiner Gesundheit. Stimmt ja alles. Aber was ist die Alternative? Soll man etwa im Gehen arbeiten? Ja, das soll man, zum Beispiel mit einem Büro-Laufband. Ein Selbstversuch. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/laufband-fuers-buero-home-run-von-skandika-im-test-a-953305.html
Wenn Sitzen das neue Rauchen ist und die Gesundheit gefährdet, dann sollte man doch dringend noch mal an die Gastronomie herangehen. Wie wäre es mit reinen "Nichtsitzerlokalen"? Müsste man natürlich gesetzlich verordnen. Erst lässt man bei geschlossenen Gesellschaften in Hinterzimmern noch zu, dass die Leute sich dort durch herumsitzen gefährden, in einem zweiten Schritt müssen dann ausnahmslos alle Sitzer auf die Straße. Dort können sie sich dann zu den anderen Aussätzigen gesellen, den Rauchern. Perspektivisch könnte ich mir in einem dritten Schritt dann auch gut vorstellen, Alkohol nur noch draußen auszuschenken. Hach ja ... P.S.: Ich selbst bin glücklichherweise seit 10 Jahren Nichtraucher, bevor das ganze Theater losging, und dass zu wenig Bewegung nicht gesund ist, ist mir auch klar. Nur so am Rande.
behr22 21.02.2014
2.
Zitat von effessteWenn Sitzen das neue Rauchen ist und die Gesundheit gefährdet, dann sollte man doch dringend noch mal an die Gastronomie herangehen. Wie wäre es mit reinen "Nichtsitzerlokalen"? Müsste man natürlich gesetzlich verordnen. Erst lässt man bei geschlossenen Gesellschaften in Hinterzimmern noch zu, dass die Leute sich dort durch herumsitzen gefährden, in einem zweiten Schritt müssen dann ausnahmslos alle Sitzer auf die Straße. Dort können sie sich dann zu den anderen Aussätzigen gesellen, den Rauchern. Perspektivisch könnte ich mir in einem dritten Schritt dann auch gut vorstellen, Alkohol nur noch draußen auszuschenken. Hach ja ... P.S.: Ich selbst bin glücklichherweise seit 10 Jahren Nichtraucher, bevor das ganze Theater losging, und dass zu wenig Bewegung nicht gesund ist, ist mir auch klar. Nur so am Rande.
Beim sitzen schadest du aber deinem Umfeld nicht. Denn Passivsitzen gibt es im Gegensatz zum Passivrauchen nicht ;)
Mr. Brett Religion 21.02.2014
3.
Zitat von effessteWenn Sitzen das neue Rauchen ist und die Gesundheit gefährdet, dann sollte man doch dringend noch mal an die Gastronomie herangehen. Wie wäre es mit reinen "Nichtsitzerlokalen"? Müsste man natürlich gesetzlich verordnen. Erst lässt man bei geschlossenen Gesellschaften in Hinterzimmern noch zu, dass die Leute sich dort durch herumsitzen gefährden, in einem zweiten Schritt müssen dann ausnahmslos alle Sitzer auf die Straße. Dort können sie sich dann zu den anderen Aussätzigen gesellen, den Rauchern. Perspektivisch könnte ich mir in einem dritten Schritt dann auch gut vorstellen, Alkohol nur noch draußen auszuschenken. Hach ja ... P.S.: Ich selbst bin glücklichherweise seit 10 Jahren Nichtraucher, bevor das ganze Theater losging, und dass zu wenig Bewegung nicht gesund ist, ist mir auch klar. Nur so am Rande.
Ich bin mir durchaus bewusst, dass Sie ihren Kommentar sarkastisch gemeint haben, das nur vorweg. ;) Allerdings möchte ich dennoch mit das Missverständnis ausräumen, dass das Rauchverbot ausschließlich dem Gesundheitsschutz dient. Rauch überlagert den Geschmacks- und Geruchssinn extrem effektiv, was zwar zum einen dazu führt, dass man das geschmacklose Mainstreambier á la Warsteiner o.ä. als besser einschätzt, als es eigentlich ist, aber andererseits doch nicht genießen kann, weil der Rauch einem Nichtraucher im wahrsten Sinne des Wortes stinkt. Ich bin auch immernoch der Auffassung, dass das Hauptargument der Kneipen- und Restaurantbesitzer gegen das Verbot immernoch ist, dass der Gast ja nun schmecken könnte, was für einen Fraß man da eigentlich vorgesetzt bekommt. ;)
sojus 21.02.2014
4. Der sitzende Arbeiter
Die Bourgeoisie des 19. Jhdt's wäre begeistert gewesen! Das Humankapital strampelt sich während der Lohnarbeit fit und regeneriert sich selbst! Alles, wohlgemerkt, während das Kapitalbecken weiter anschwillt. Frohe Kunde ihr Leute!
Peter Panne 21.02.2014
5. Hmm...
ein wenig mehr Vertiefung in die Materie hätte vielleicht ergeben dass es weder um Kalorien verbrennen noch um zügiges gehen oder gar laufen oder Sport geht. Der entscheidende Punkt bei diesen Geräten und diesem Ansatz ist es zu vermeiden lange unbeweglich da zu sitzen, den Kreislauf, die Gelenke und Muskeln geschmeidig in sanfter Bewegung zu halten. D.h. gaaanz langsames gehen, schlendern ist bereits ausreichend und das wozu diese Geraete eigentlich konzipiert sind. Da gibt es dann auch keine Probleme mit keuchen oder tasten treffen ;)
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