Führung lernen mit Star Trek Autoritär wie Captain Kirk - oder besser sachlich wie Picard?

Der eine ist charismatisch und geht für seine Crew durchs Feuer, der andere führt mit ruhiger Hand. Zum Start der neuen Serie "Star Trek Discovery": Wie Star-Trek-Kapitäne ihr Team leiten - und was Manager von ihnen lernen können.

Enterprise-Führungskraft Captain Kirk mit Mitarbeiter Spock (li.)
DPA

Enterprise-Führungskraft Captain Kirk mit Mitarbeiter Spock (li.)

Von Manager-Magazin-Online-Redakteurin


Die unendlichen Weiten sind wieder ganz nah: Ende September soll die neue Serie "Star Trek Discovery" anlaufen. Und schon immer flog mit der Enterprise und den anderen Schiffen unsere eigene Gegenwart mit: Rassismus, soziale Ungerechtigkeit, Freiheit, Umweltverschmutzung, Fanatismus - die Crew begegnet auf ihren Flügen den großen Themen der Menschheit.

Das ist eine Herausforderung vor allem für die jeweiligen Führungskräfte auf der Brücke, besonders für den Captain, der immer wieder folgenschwere Entscheidungen zu treffen hat. So kann man anhand der Weltraumsaga eine Sache besonders gut lernen: Wie gute Führung funktioniert.

Denn jeder der Captains hat sein eigenes Leadership-Konzept - und viele Strategien und Techniken sind erstaunlich gut auf Unternehmen übertragbar, selbst wenn dort das diversity management noch nicht so weit gediehen ist, dass Klingonen oder Vulkanier im Team wären.

Lernen Sie aus der Zukunft für die Gegenwart und sehen Sie sich die Führungsstile der fünf wichtigsten Star-Trek-Captains an.

Captain James Tiberius Kirk

William Shatner als Captain James Tiberius Kirk in "Star Trek - Spaceship Enterprise" von 1967
imago/Milestone Media

William Shatner als Captain James Tiberius Kirk in "Star Trek - Spaceship Enterprise" von 1967

Regeln sind Auslegungssache, Regelverletzungen ein Teil von Kirks Stärke. Und er ist natürlich ein Kind seiner Zeit: Heute würde sich Kirk wohl keine drei Monate im Amt halten, bevor er wegen sexueller Verstrickungen, anzüglicher Bemerkungen, Interessenkonflikten oder allzu eigenmächtigen Handelns seinen Posten verlöre.

Dennoch kann Kirk als frühes Beispiel eines vor allem durch emotionale Intelligenz, natürliche Autorität und persönliche Integrität geprägten Führungsstils gelten. Mit Kirk als Chef weiß jeder Mitarbeiter: Der lässt mich nicht im Stich. Der redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, schießt dabei auch übers Ziel hinaus und ist jederzeit bereit, sich für seine Mannschaft zu opfern, die ihrerseits für ihn durchs Feuer geht - als er etwa mit Schiffsarzt McCoy in einer Strafkolonie landet, meutern seine Crew und andere Captains, um die beiden zurückzuholen.

Man muss kritisch anmerken: Vetternwirtschaft gibt es auf der Enterprise auch. Kirk-Buddies wie Spock oder Doktor McCoy können sich darauf verlassen, bevorzugt Rückendeckung zu bekommen - anders als die Mitarbeiter in den unteren Rängen, für die der geflügelte Begriff der "Redshirts" entstanden ist. In vielen Folgen der Serie werden die Statisten in den roten Starfleet-Uniformen an gefährliche Orte gebeamt und kommen dort ums Leben. (Und wer sich fragt, wie man es selbst vermeiden kann, in einem großen Projekt als Redshirt zu enden, dem sei dieser Artikel von Forbes-Autor Alex Knapp ans Herz gelegt.)

Captain Jean-Luc Picard

Patrick Stewart als Jean-Luc Picard
imago

Patrick Stewart als Jean-Luc Picard

Jean-Luc Picard vertraut seiner Mannschaft und ist stets bestrebt, individuelle Potenziale zu erkennen und gezielt zu fördern. Seine Stellung als Captain ist zwar durch die militärische Hierarchie abgesichert; aber die wesentlichen Entscheidungen werden auf seinem Schiff im Team getroffen. Fachkompetenz geht ihm dabei über Rang, Chefentscheidungen im Alleingang sind selten. Schließlich muss sich auch Picard hundertprozentig auf seine Leute verlassen können, denn als Captain der Enterprise ist er vor allem eines: ein Krisenmanager - und ein Visionär, dem es darum geht, die grundlegende Idee intergalaktischen Austauschs und gesellschaftlicher Inspiration Wirklichkeit werden zu lassen.

Picard gelingt es dabei auch beim Mitarbeiter-Feedback vorbildlich, Sachebene und Emotionen zu trennen. Hat er eine Entscheidung zu treffen, hört er sich meist zunächst an, was seine leitenden Offiziere zu sagen haben, und trifft auf Basis dieser Informationen seine Entscheidung - für die er dann jedoch allein geradesteht: "Make it so" ist ein zum geflügelten Wort gewordenes Picard-Zitat, mit dem jede Diskussion dann auch final abgeschlossen ist.

Wenn Sie sich auch im Alltag von Picards Führungsstil inspirieren lassen wollen, sei der Twitter-Account @PicardTips empfohlen:

Captain Benjamin Sisko

Avery Brooks als Captain Benjamin Sisko
imago

Avery Brooks als Captain Benjamin Sisko

Der Kommandant der Raumstation "Deep Space Nine" befindet sich auf diplomatisch vermintem Terrain: Die Station wurde von Kardassianern errichtet, gehört nun aber den Bajoranern, die sich nach langer Unterdrückung ihre Unabhängigkeit erkämpft haben. Natürlich gibt es immer wieder Spannungen zwischen beiden Völkern - und externen Playern. Sisko ist also so etwas wie ein Projektmanager, der es mit zwei verschiedenen Firmenkulturen zu tun hat - und zwischen beiden vermitteln muss. Als Externer ist er gut beraten, seinem engsten Stab zu vertrauen und zunächst einmal gut zuzuhören.

"Die meisten von uns, die die Leitung eines Software-Teams übernommen haben, können sich wahrscheinlich mit Sisko identifizieren", schrieben Paul Kimmerly und David R. Webb 2006 in einem Beitrag für Crosstalk, The Journal of Defense Software Engineering. "Seine größte Schwäche war auch die Quelle seiner größten Stärke: Unerfahrenheit. Er war gezwungen, Individuen aus verschiedenen Gruppen zu einen, die verschiedene Fähigkeiten und auch Vorurteile mit ins Team brachten."

Captain Kathryn Janeway

Kate Mulgrew als Captain Kathryn Janeway
Getty Images/ CBS

Kate Mulgrew als Captain Kathryn Janeway

Die Kommandantin des Star-Trek-Raumschiffs "Voyager" ist ein wandelndes Kompetenzzentrum: Wo auch immer Probleme auftreten, ob im Labor, der Küche, an der Waffenkonsole oder beim Warpantrieb - Kathryn Janeway weiß, was zu tun ist. Wenn es hart auf hart kommt, wird der jeweilige Mitarbeiter kurzerhand abgelöst, Janeway ist Spezialistin für alles.

Das ist aber nicht nur übergriffig, sondern vermittelt Mitarbeitern auch die Gewissheit, dass die Chefin niemals etwas verlangen wird, wozu sie nicht auch selbst bereit wäre. Ihr Führungsstil ist autoritär und durchsetzt mit impulsiven Elementen - da ist sie dem ersten Captain, James T. Kirk, wohl ähnlicher, als sie gerne hören würde.

Als erster weiblicher Captain steht Janeway natürlich unter besonderer Beobachtung - eine Erfahrung, die viele Frauen in männlich dominierten Bereichen machen.

Captain Jonathan Archer

Scott Bakula als Captain Jonathan Archer
CBS via Getty Images

Scott Bakula als Captain Jonathan Archer

Jonathan Archers Herausforderung als Captain war es, als Pionier Regeln für eine neue Zeit zu entwickeln; der technische Fortschritt der Menschheit (wir reden hier vom 22. Jahrhundert) ist in seiner Ägide schon so weit fortgeschritten, dass sich ganz neue ethische Fragen auftun. Dabei muss er akzeptieren, dass die Vulkanier schon länger im Geschäft sind, was die Erkundung des Weltalls angeht - und muss gegen deren Vorurteile bestehen, aber auch zu einem für beide Seiten auskömmlichen Miteinander finden.

Im Grunde ist Archer so nicht nur Führungskraft, sondern auch Mentee - und muss beiden Rollen gerecht werden. Dabei agiert er für seine Mitarbeiter gerne als Coach, eine Rolle, die dem leidenschaftlichen Wasserballer besonders liegt; auch eine Jugend bei den Pfadfindern hat ihn hier entscheidend geprägt. Archer ist außerdem der erste Captain, der einen Hund an Bord hält. Das mag zu seiner Ausgeglichenheit beitragen.



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Zhiyal 30.08.2017
1. Faktencheck
Nett geschrieben, aber ein paar Angaben stimmen nicht bzw. fehlen: Sisko tritt zwar generell höflich auf, wird aber auch gerne mal laut und autoritär (und gegenüber anderen Spezies auch gerne drohend). Janeway ist keinesfalls eine Alleskönnerin. Es ist ein running gag der Show, dass sie nicht kochen kann (anders als Sisko, der ist begeisterter Koch), und bei physikalisch-naturwissenschaftlichen Problemen ist sie deswegen firm, weil sie vor ihrer Beförderung zum Captain Wissenschaftsoffizierin war. Das ist ihr spezielles Fachgebiet, so wie die Diplomatie und Archäologie die Fachgebiete von Picard sind.
JacksonBlood 30.08.2017
2.
Kann meinem Vorposter nur absolt und uneingeschränkt zustimmen. Dazu kommt: Mit "Discovery" kommt keine neue "Staffel" raus, Discovery ist die neue Serie die im Star-trek universum spielt. Ist zwar nur ein kleines Detail, dass uns Lesern aber zeigt, dass der Artikelschreiber nicht viel Ahnung von Star Trek hat.
ruhepuls 30.08.2017
3. Erste Frau als Captain?
Janeway war auch keineswegs die erste Frau als Captain der Sternenflotte. Sie war nur der erste weibliche Captain in einer eigenen Serie.
alexanderrr 30.08.2017
4.
Janeways Führungsstil wurde zudem stark geprägt von ihrem schlechten Gewissen wegen Ihrer Entscheidung den Fürsorger zu zerstören. Das zieht sich durch die gesamte Serie, von Folge 1 bis Ende.
spon-facebook-10000253305 30.08.2017
5. Würde noch ergänzen:
Bei den zeitlich ersten beiden Serien (Star Trek und Enterprise) ist der Captain immer vorne mit dabei - ala ich kann's am besten, während diese Vorgehensweise auch immer weiter in den Hintergdun tritt und hier mehr die niederen Ränge betraut werden.
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