Profi-Tipps für die Bewerbung So überzeugt Ihr Lebenslauf

Der Lebenslauf ist immer noch ein zentrales Element bei der Bewerbung. Wie schafft man es, ihn so zu schreiben, dass er Personaler und zukünftige Chefs überzeugt? Hier kommen die wichtigsten Tipps.

Bewerberin mit Lebenslauf
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Bewerberin mit Lebenslauf

Von manager-magazin-online-Autorin


"Das einzige Ziel des Lebenslaufs in der Bewerbung ist die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch", stellt Jens Hohensee klar, "werfen Sie die Selbstvermarktungsmaschinerie an!" Als Head of Career Services bei der Boston Consulting Group (BCG) kümmert Hohensee sich um alle ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen. Auch alle Ehemaligen können seine Beratung in Anspruch nehmen, weil BCG das in Deutschland und Österreich 3000 Mitglieder zählende Alumni-Netzwerk stärken und pflegen möchte.

Seinen Ratsuchenden macht er zunächst klar, wie wichtig das Curriculum Vitae (CV - Personaler sagen meist "der CV") bei der Bewerbung ist: "Es ist eine Visitenkarte, ein Marketinginstrument." Sein vielleicht wichtigster Tipp ist: Allzeit bereit. Den Lebenslauf sollte man fertig in der Schublade haben - am besten als PDF auf einem Stick. Denn es wirkt nicht sonderlich lässig, wenn Sie in einer Phase beruflicher Neuorientierung bei einer Netzwerkveranstaltung oder von einem Headhunter angesprochen werden - und dann erst am nächsten oder übernächsten Tag liefern können.

Klar, übersichtlich, seitenfüllend

Aber wie sollte er aussehen, der Lebenslauf?

Jens Hohensee
BCG

Jens Hohensee

"Immer häufiger hört man: Schicken Sie mir mal Ihr Profil. Das kann dann ein klassischer CV sein oder ein moderner One-Pager", erklärt Hohensee. Wer sich für die ausführliche Version entscheidet, sollte vor allem darauf achten, dass das Ganze lesefreundlich ist. Oberste Regel: Kein Tippfehler, kein Kommafehler, kein Verwechseln von Schriftarten - der CV muss perfekt sein. Auch dafür ist es gut, ihn in einer ausgeruhten Phase sorgfältig zu gestalten und "auf Lager" zu haben, statt ihn unter Zeitdruck anzufertigen. So haben Flüchtigkeitsfehler keine Chance.

Personaler nehmen sich in der Regel nicht viel Zeit für einzelne Bewerbungen. Top oder Flop - das kann sich in wenigen Minuten entscheiden. Manchmal auch in Sekunden. Umso wichtiger ist der erste Eindruck. "Ich bin ein großer Fan des Deckblatts", sagt Hohensee. Hier kann man übersichtlich zeigen, worauf es ankommt. "Wer etwa Zweifel an seiner sprachlichen Eignung ausräumen möchte, kann gleich auf dem Deckblatt auf seine Nationalität oder Sprachkenntnisse hinweisen."

Immer wieder liest man in Ratgebern, ein Lebenslauf dürfe auf keinen Fall länger als zwei Seiten sein. Von dieser Regel hält Hohensee allerdings nichts: "Wenn man mit zwei Seiten nicht hinkommt, dann braucht man halt drei." Wichtig ist es, immer die ganze Seite zu nutzen und dabei auf gute Lesbarkeit zu achten - ein augenfreundlicher Zeilenabstand, ein großzügiger Rand, eine gute Gliederung helfen dem Leser.

Wer sich unsicher ist, wie das aussehen kann oder welche Abstände am besten aussehen, kann einmal in die Norm DIN 5008 schauen - die legt Schreib- und Gestaltungsregeln für Textverarbeitung fest. Zwar wird niemand mit dem Lineal nachmessen, ob Sie sich an die Norm gehalten haben, aber es kann eine gute Idee sein, auf vertraute Seh- und Lesegewohnheiten Rücksicht zu nehmen. In der DIN 5008 finden sich Regeln für Typografie, Schriftzeichen, Abstände und Zahlengliederungen - da sind Sie dann auf der sicheren Seite. Nehmen Sie eine Schriftart ohne Serifen, das wirkt professioneller. "Times New Roman" und ähnliche Typographien überlassen Sie besser traditionellen Tageszeitungen.

Ob die Datumsangaben nun rechts oder links stehen, ist Geschmackssache. Sie selbst müssen sich mit dem Layout wohlfühlen. Aus Amerika kommt der Trend, im CV auf ein Foto zu verzichten, um Vorurteilen im Vorhinein keine Chance zu geben. In Deutschland ist ein Foto auf dem Deckblatt des CV nicht unbedingt Pflicht. Aber: Wenn, dann auch richtig. "Man sollte nicht darauf vertrauen, dass alle Entscheider es in der sorgfältig komponierten Farbfassung zu sehen bekommen", gibt Hohensee zu bedenken. "Im Zweifelsfall wird es auf einem miesen Drucker in Schwarzweiß im Sparmodus ausgedruckt, eventuell noch einmal kopiert."

Da ist es dann gut, wenn der dunkelblaue Blazer nicht mit dem ebenfalls dunklen Hintergrund verschwimmt, sondern alles noch halbwegs erkennbar bleibt. "Wichtig ist der Wiedererkennungswert: Wenn Sie auf dem Foto eine Brille tragen, sollten Sie die auch im Gespräch tragen. Auch die Frisur und die Haarfarbe sollten in etwa gleich sein. Sonst setzt sich unterschwellig der schwer zu korrigierende Eindruck fest, dass Sie nicht die gleiche Person sind, die in Ihrem CV beschrieben wird."

So werden Sie garantiert nicht eingeladen

Logisch, ein Lebenslauf ist absolut kein Ort für eine Beichte, was alles falsch gelaufen ist. Aber zu blumig, aufgebauscht und selbstbeweihräuchernd sollte er auch nicht sein. "Man sollte nicht sein Licht unter den Scheffel stellen, sondern plausibel, stringent und wahrheitsgemäß erreichte Dinge hervorheben", sagt Hohensee. "Nichts im CV zu suchen haben Sätze wie: "Mein Lebensmotto ist…...""

Ein absolutes No-Go ist es, von sich in der dritten Person zu sprechen: "Franz Meier ist ein dynamischer Manager…..." Überhaupt sollten nur Dinge erwähnt werden, die sich belegen lassen - und dazu zählen Charaktereigenschaften nicht. Dynamisch, kompetent, belastbar - streichen Sie das. Verzichten Sie überhaupt auf alles, von dem Sie sich wünschen, dass andere es über Sie sagen - es bringt nichts, wenn Sie es selbst tun, das bewirkt eher den gegenteiligen Effekt.

Wer Ihre Eltern sind und was sie beruflich gemacht haben, gehört auch nicht in Ihren Lebenslauf - auch die Grundschule können Sie weglassen.

Von heute nach gestern, das Schönste zum Schluss

Sie sind Geschäftsführer und haben sich über Jahrzehnte auf diesen Posten hochgearbeitet? Glückwunsch. Das heißt aber nicht, dass Ihr CV jetzt viele Seiten umfassen muss. Im Gegenteil: "Grundsätzlich gilt: Je höher ich auf der Karriereleiter emporgestiegen bin, umso weniger Platz brauche ich", erklärt Hohensee. Wer CEO ist, muss nun wirklich nicht mehr im Einzelnen auflisten, wie er es vom Lehrling zum Abteilungsleiter gebracht hat und welche Fortbildungen er oder sie vor zwei Jahrzehnten gemacht hat. Aber: "Den Abschluss der ersten Ausbildung würde ich erwähnen, damit man sieht: Kommt da ein Jurist oder eine Ingenieurin?", meint Hohensee.

Eine gute Gliederung sieht so aus:

Beruflicher Werdegang
Man beginnt mit der jüngsten Position. Diese wird auch am ausführlichsten dokumentiert, weil sie diejenige ist, von der aus man sich ins Spiel bringt.
Ausbildung
Hier gehen Sie zurück bis zur weiterführenden Schule. Die Grundschule spielt keine Rolle, aber Sie können die Abiturnote ruhig auch in späteren Lebensjahren noch erwähnen, wenn sie gut war. Nennen Sie den Namen der Schule. "Gemeinsamkeit schafft Sympathie", sagt Hohensee. Die Welt ist klein, und vielleicht kennt einer der Teilnehmenden am Vorstellungsgespräch ja das Goethe-Gymnasium in Ihrer Heimatstadt.
Stipendien und Auszeichnungen
Sie waren im einem Stipendium im Ausland oder haben einen Erfinderpreis gewonnen? Fassen Sie zusammen, was Sie geleistet haben.
Mitgliedschaften, Engagements und besondere Fähigkeiten
Auch die sogenannten extracurricularen Aktivitäten sind wichtig. Hier können Sie auch besondere Fähigkeiten auflisten. "Aber erwähnen Sie nicht, dass Sie Kenntnisse in Microsoft Office haben - das wird ebenso vorausgesetzt wie die Fähigkeit, mit Messer und Gabel zu essen", sagt Hohensee.

Bei Ihren Sprachkenntnissen geben Sie am besten das Level mit an. Und seien Sie ehrlich. Wenn Sie "Englisch: Verhandlungssicher" schreiben, fragen Sie sich: Könnte man mich wirklich morgen alleine nach London oder New York schicken, und ich könnte Verträge oder Vereinbarungen wasserdicht abschließen?
Außerberufliche Interessen
Die Punkte, die Sie hier aufführen, sind wichtig für die Smalltalkphase am Ende eines persönlichen Bewerbungsgesprächs. Unterschätzen Sie die Wirkung nicht: "Je mehr man sich als ganzheitliche Persönlichkeit darstellt, umso besser: Wir rekrutieren ja nicht nur Fachkräfte, sondern Menschen", sagt Hohensee. Und ebenso wie der erste Eindruck zählt auch, wie Sie beim Abschied in Erinnerung geblieben sind - und ob da noch einmal etwas Interessantes kam.

"Arbeiten Sie auch hier Ihre Alleinstellungsmerkmale heraus", rät Hohensee. "Reisen, Kochen und Laufen sind uninteressant, vor allem, wenn das Reisen nur im Rahmen Ihres Jahresurlaubs stattfindet." Denn das macht jeder - so präsentieren Sie sich als Langweiler. Wenn Sie nichts Spannendes zu bieten haben, weil Ihr Leben wirklich hauptsächlich Arbeit ist, dann lassen Sie diesen Punkt ganz weg. "Zwei Dinge sollten Sie nicht erwähnen: Parteimitgliedschaften und studentische Verbindungen", rät Hohensee. Aber wenn Sie in einer Jazzband spielen, alles über Stummfilme wissen oder Bahnrennen fahren, rundet das Ihr Profil ab.

Ob man seine Kinder erwähnen möchte, ist Abwägungssache. Aber wenn Kinder in Ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen, dürfen Sie das durchaus erwähnen - den HR-Leuten und Chefs ist das ja im Regelfall auch nicht fremd.

Lücken im Lebenslauf

"Grundsätzlich sollte ein CV von Offenheit und Transparenz geprägt sein. Früher hat man viel Wert auf nahtlose Übergänge gelegt, das ist heute nicht mehr so streng - schließlich machen viele Menschen ein Sabbatical oder Elternzeit", gibt Hohensee zu bedenken. Lücken im Lebenslauf müssen also kein Problem sein - es sei denn, Sie machen selbst eines daraus.

Die Faustregel: Alles unter drei Monaten müssen Sie nicht erklären. Und schon gar nicht rechtfertigen. Vermeiden Sie aber negative Begriffe. "Wenn man arbeitslos war, sollte man das wenigstens positiv formulieren - als "berufliche Neuorientierung", rät Hohensee. Es kommt halt auf die Betrachtungsweise an: Schwierige Phasen meistern zu können ist auch eine Kompetenz.

Checken Sie ihre Profile in Netzwerken auf Unstimmigkeiten

Bevor Sie jemandem Ihren Lebenslauf schicken, sollten Sie unbedingt abklären, ob darin dieselben Tätigkeiten, Jobtitel und Zeiträume aufgelistet sind wie in Ihren Profilen bei Karrierenetzwerken wie Xing oder Linkedin.

Vergleichen Sie genau, denn es wäre ziemlich peinlich, wenn Sie dort ein Jahr früher Abteilungsleiter waren oder die Schreibweise des Firmennamens abweicht. In der Regel sind die Lebensläufe, die Sie dort einstellen, im Vergleich zu Ihrer Bewerbungsfassung viel kürzer und stichpunktartiger (bei Xing und LinkedIn stehen meist nur das Unternehmen und die Position, die man innehatte). Aber die Daten müssen exakt übereinstimmen, sonst machen Sie einen schlechten Eindruck.

insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
markoffchaynie 03.05.2018
1. Lebenslauf
Der beste Lebenslauf ist der, den man nicht benötigt, da man eh ständig von Headhuntern verfolgt wird.
sir_addi 03.05.2018
2. Nicht in der Tasche haben
Wenn ich meinen Lebenslauf sofort parat habe, zeige ich aber auch das ich eigentlich schon auf der Suche bin und schwäche so eventuell direkt meine Verhandlungsposition. In der Regel will der Headhunter und das Unternehmen dahinter aber etwas von mir, das sollte man dabei nicht vergessen.
Olaf 03.05.2018
3.
Warum veröffentlicht der SPON (oder andere Medien mit solchen Ratschlägen) nicht einfach mal die (anonymisierten) Bewerbungen der letzten 5 Leute die sie eingestellt haben? Das wäre viel aussagekräftiger als die immer gleichen, nichtssagenden Tipps.
febra 03.05.2018
4. Eigentlich bescheuert...
der absolut makellosen Form soviel einzuräumen. Es schaut doch eh jeder in Ratgeber rein. Besser wäre doch ein unverstelltes Dokument zu bekommen und dann den richtigen im persönlichen Treffen auszuwählen.
solitaryway 03.05.2018
5.
Ich bin echt überrascht, was alles in solch einen Lebenslauf reingehört. Ausbildung und Werdegang ist natürlich klar. Nur bei Auszeichnungen, Mitgliedschaften, besondere Fähigkeiten oder auch außerberuflichen Interessen kommt mir ein Fragezeichen auf. Aber gut, die Zielgruppe des Artikels ist ja eindeutig mittel- bis höherqualifizierte Menschen. Wenn so jemand Schlichtes wie ich damit ankommen würde, bekäme der jeweilige Personalverantwortliche einen Lachanfall.
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