Job und Privatleben Kein Dienst nach Vorschrift

Lebensplan statt Karriereplan machen - wie geht das? Strategische Überlegungen können helfen, Arbeit zu finden, die zu den eigenen Wünschen passt.

Arbeitnehmer im Büro
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Arbeitnehmer im Büro

Von SPIEGEL-WISSEN-Autorin Anne Otto


1. Vorsicht mit Sinn

Sich darüber bewusst zu werden, welche Werte man vertritt, ist oft ein Schlüssel zu einer passenden Stelle. So kann sich jemand, der ökologisches Handeln wichtig findet, ein nachhaltig arbeitendes Unternehmen aussuchen. Dennoch bleibt zu bedenken: So gut wie nie arbeiten alle Abteilungen nach den gleichen Werten. Einige Bereiche sind für "Ethik und Nachhaltigkeit" quasi zuständig, andere sind auf Wirtschaftlichkeit ausgelegt. Persönliche Sinnfragen eignen sich also nicht als Maßstab, den man eins zu eins auf ein Unternehmen anlegen könnte. Übrigens: Sie brauchen ja nicht alle Ihrer Werte innerhalb der Arbeit leben.

2. Prioritäten klären

Jede Herangehensweise an die Berufswahl hat ihren Preis: Die Bamberger Wirtschaftspsychologin Judith Volmer hat in einer Studie verglichen, wie sich Karriereeinstellungen auf den Joberfolg auswirken. Sie fand heraus, dass Menschen, die nach Selbstverwirklichung streben, zwar oft zufrieden mit ihrem Berufsleben sind, häufig aber weder viel Geld verdienen noch tolle Positionen erreichen. Wer dagegen eifrig an einer Aufstiegskarriere arbeitet, erntet eher objektiven Erfolg, also gutes Gehalt und eine gute Position. Diese Fakten sollten Sie abwägen und sich ehrlich befragen, bevor Sie neue Wege gehen.

3. Leistung wichtig nehmen

Die Öffnung für neue Karrieremodelle bedeutet nicht, dass Arbeitgeber weniger Leistung fordern, sie lassen Mitarbeitern nur mehr Planungs- und Gestaltungsfreiheit. Es ist im Berufsleben nach wie vor wichtig, mit Leistung zu punkten. Nur so schafft man auch die nötigen Voraussetzungen, um über eigene Wünsche - etwa Teilzeitarbeit oder ein bestimmtes Herzensprojekt - irgendwann überhaupt verhandeln zu können.

4. Vielleicht selbstständig?

Die Freiberuflichkeit erweist sich in manchen Fällen als geeignete Arbeitsform, in der sich mit etwas Glück objektiver Erfolg (also Geld und Ansehen) und subjektiver Erfolg (also Zufriedenheit und Erfüllung) verbinden lassen. Klopfen Sie also ruhig mal ab, ob eine Selbstständigkeit zu Ihnen passen würde. Wichtige Voraussetzungen: gutes Selbstmanagement, überdurchschnittliche Motivation, Durchhaltevermögen und klare Risikoeinschätzung.

Aus SPIEGEL WISSEN 1/2016
5. Karrierewut ist auch gut

Nach wie vor sind laut Studien immer noch etwa 20 Prozent aller Hochschulabsolventen an Aufstieg und hohen Gehältern interessiert. So gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass Aufstiegsorientierten so etwas wie "persönliche Zufriedenheit" nicht wichtig ist. Sie suchen einfach Herausforderungen.

6. Vorbilder suchen, Vorbild sein

Auch wenn es immer ein bisschen nach Sonntagsrede klingt: Wer ungewöhnliche Schritte plant, beispielsweise ein Sabbatical, sollte sich an anderen orientieren, die den Weg bereits gegangen sind. Durch Recherchieren und Herumfragen findet man meist eine Handvoll Vorreiter, die Mut machen und Rat geben können. Und wenn man den Schritt dann gegangen ist, kann man selbst Vorbild für andere sein.

7. Flexibilität und Anpassung

Die Faktoren, die eine erfolgreiche Laufbahn voraussagen, ändern sich gerade grundlegend. Während früher Loyalität, Fleiß und Präsenz am Arbeitsplatz relevante Karriereeigenschaften waren, ist es neuerdings erfolgsfördernd, wenn man sich an ständige Veränderungen und neue Anforderungen anpassen kann. Eine solche Flexibilität fällt vor allem unabhängigen, neugierigen Geistern leicht. Sollten Sie dazugehören: Nutzen Sie diesen Erfolgsfaktor ganz bewusst, und wählen Sie Ihr Arbeitsgebiet entsprechend aus.



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insgesamt 16 Beiträge
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thinkhard 02.03.2016
1. Ich mache Karriere
Fragen sie ihren Fallberater bei der Jobbörse. Der weiß, welcher Job zu Ihnen passt. :))
exil-berliner 02.03.2016
2. Die Arbeit - Dein Non-Plus Ultra!
Leider wird heute seitens der Wirtschaft immer noch von den Mitarbeiter/innen erwartet in 80% aller Branchen dass die Arbeit das persönliche Highlight im Leben sein soll. Dort triffst Du deine besten Freunde, kannst Dich auch als Teamplayer mit deinem Kollegen/innen über am besten ganz intime und persönliche Belange austauschen und die Mittagspause in der Kantine wird zum Familienessen Ersatz. Zur Spitze treibte diese Ewartung an den Arbeiter von heute eine Personalvermittlerin, welche mich neulich nach einem Vorstellungsgespräch bei einer vermittelten Firma zurückgerufen hat und gleich am Telefon fragte... "und Herr XXXXX wie fühlen Sie sich jetzt? Ja sind Sie nicht tootaaal begeistert?" Ich erwiederte, dass ich die Jobauswahl eher pragmatisch betrachte und nicht zuviele Hoffnungen darin setze eine neue Position zu finden welche "total begeistert" - gibt es das überhaupt? ;-)
ismirwurscht 02.03.2016
3.
Tschuldigung, Frau Otto, aber den Artikel hätten Sie sich auch sparen können. Zeitverschwendung für tausende von Lesern. Kann mir nicht vorstellen, dass jetzt irgendwer denkt "Aha, stimmt, so mache ich das jetzt!".
harwin 02.03.2016
4. Ein Rad von Personalvorstand
Wie sagte mal mein Chef zu mir " Das Leben findet außerhalb der Arbeit statt". Selbst hat er sich nicht daran gehalten. Ferner bedeutet Arbeit immer Tausch von Lebenszeit gegen Geld. Irgendwann kann es aber nach hinten losgehen, wenn man sich zu sehr in den Job reingesteigert hat, alles gegeben hat, und dann doch betriebsbedingt gekündigt wird. Und das womöglich dann mit 50. Manche bekommen dann ihren ersten Herzinfakt oder einen Burn out (Depression). Dann ist plötzlich die Gesundheit das wichtigste Gut, nicht mehr die Karriere.
vin.wagner 02.03.2016
5. Fragwürdig
Die philosophisch und intellektuell sehr, sehr, sehr fragwürdigen Ratschläge von Frau Otto lauten zusammengefasst: Streben Sie nicht nach Selbstverwirklichung. Wenn Sie nach Selbstverwirklichung streben, verdienen Sie weder viel Geld noch erreichen Sie damit eine tolle Position. Leben Sie nicht alle Ihre Werte innerhalb der Arbeit. Orientieren sie sich an anderen Menschen. Passen Sie sich an ständige Veränderungen und neue Anforderungen an. Schaffen Sie mit Leistung die Voraussetzung, um über eigene Wünsche irgendwann überhaupt verhandeln zu können.
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