Gehälter Wer in Ostdeutschland lebt, verdient bis zu 10.000 Euro pro Jahr weniger

Der Wohnort bestimmt über das Gehalt: 27 Jahre nach der deutschen Einheit gibt es im Osten deutlich weniger aufs Konto als im Westen.

DPA


Sie sind Programmierer und leben in Eisenach? Dann ab nach Kassel, da können Sie mal eben 12.000 Euro mehr im Jahr verdienen. Ob Arzthelfer, Elektronikerin oder Fachverkäufer: Ernüchternd eindeutig klaffen die Gehälter entlang jener Grenze auseinander, die es seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht mehr gibt.

Zwischen Nordsee und Alpen liegt der durchschnittliche Bruttojahresverdienst bei 42.968 Euro, zwischen Mecklenburgischer Seenplatte und Elbsandsteingebirge sind es gerade mal 34.308 Euro. Nur Berlin, das viele junge Leute, Gründer und Start-ups anzieht, schafft es langsam auf ein westliches Einkommensniveau: Durchschnittlich 41.020 Euro werden in der Hauptstadt aufs Gehaltskonto überwiesen.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Vergleichsportals Gehalt.de. Verglichen wurden 339.000 Löhne und Gehälter von Fachkräften; Vorgesetzte wurden ausgenommen.

Besonders gut verdienen die Deutschen in Hessen und Baden-Württemberg, Schlusslicht sind Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Besonders krass fallen die Unterschiede in der Industrie und bei den ITlern, im Handel und bei den Gesundheitsberufen aus. Ein Elektroinstallateur im Westen verdient pro Jahr im Schnitt 10.000 Euro mehr als im Osten, das sind 31 Prozent. Aber auch Softwareentwickler verdienen in den neuen Bundesländern durchschnittlich immerhin noch 17 Prozent weniger als in Bayern und Rheinland-Pfalz.

Zwar kosten Mieten, Essen und U-Bahnfahren im Osten weniger als im Westen. Allerdings lässt sich kaum sagen, was dies tatsächlich ausmacht. Regionale Unterschiede in den Lebenshaltungskosten werden seit Jahren von keiner amtlichen Statistik mehr erfasst. Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung bezifferte die Differenz zwischen West- und Ostländern auf sechs Prozent - diese Zahlen sind allerdings von 2009 und dürften sich seither verändert haben.

Sollten sie sich aber noch in einer einstelligen Größenordnung bewegen, dann haben Ostdeutsche tatsächlich deutlich weniger von ihrer Arbeit. Dafür spricht auch, dass alle östlichen Bundesländer niedrigere Kaufkraftindizes haben als die westlichen. Mit Kaufkraftindizes wird gemessen, wie viel von ihrem Einkommen die Haushalte einer Region für Konsumzwecke ausgeben können, nachdem sie allen regelmäßigen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen sind.

Kein Wunder, dass immer noch viele qualifizierte Berufstätige von dort wegziehen oder in nahe, westlicher gelegene Großstädte pendeln.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurden andere Mittelwerte für die Gehälter in Ost- und Westdeutschland angegeben, die auf einem Übertragungsfehler von Gehalt.de beruhen. An den Verhältnissen zwischen Ost und West und an der Textaussage ändert das allerdings nichts.



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