Neues Gesetz So erfahren Sie, was Ihre Kollegen verdienen

Seit wenigen Tagen gilt das neue Gesetz zur Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen: Jetzt muss Ihnen der Chef verraten, was Kollegen in gleicher Position verdienen. Und so funktioniert es.

Wer verdient hier wohl wie viel? (Archivbild)
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Wer verdient hier wohl wie viel? (Archivbild)


Habe ich gut verhandelt? Verdienen meine Kollegen mehr als ich? Werde ich diskriminiert? Antworten auf solche Fragen sollen Angestellte künftig leichter finden - dank eines neuen Gesetzes zur Lohngerechtigkeit, das am 6. Juli in Kraft getreten ist.

Es trägt den sperrigen Namen Entgelttransparenzgesetz. Im Mittelpunkt steht ein Auskunftsanspruch: Beschäftigte haben jetzt ein Recht zu erfahren, wie Kollegen mit ähnlichen Tätigkeiten bezahlt werden. Denn noch immer verdienen viele Frauen weniger als Männer im selben Job. Hier die wichtigsten Punkte der neuen Regelung im Überblick:

  • Für wen gilt das neue Gesetz?

Für alle Frauen und Männer, die in einem Betrieb mit mindestens 200 Angestellten arbeiten. Außerdem muss es mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts geben, die einen ähnlichen Job haben wie der Antragsteller. Das seien hohe Hürden, sagt Christian Althaus, Fachanwalt für Arbeitsrecht: "Je weiter Sie in der Pyramide eines Unternehmens nach oben kommen, desto seltener finden Sie eine ausreichend große Vergleichsgruppe. Die Folge ist, dass Sie faktisch keinen Auskunftsanspruch mehr haben."

  • Wie funktioniert der Auskunftsanspruch genau?

Gibt es einen Betriebsrat, kann er die Anfrage an die Personalabteilung weiterreichen - und zwar anonym. "Der Arbeitgeber erfährt also nicht, wer die Anfrage gestellt hat", erklärt Althaus. Alternativ können Angestellte auch direkt zur Personalabteilung gehen, dann allerdings ohne den Schutz der Anonymisierung. Laut Bundesfamilienministerium können Angestellte den Auskunftsanspruch erst ab dem 6. Januar 2018 nutzen.

  • Was muss der Arbeitgeber verraten - und was nicht?

Auch mit dem neuen Gesetz hat niemand ein Recht darauf, das Gehalt eines bestimmten Mitarbeiters zu erfahren. Stattdessen muss der Arbeitgeber das Durchschnittsgehalt aller Kollegen mit vergleichbarer Tätigkeit nennen, sagt Althaus. "Inklusive aller Zusatzleistungen wie Dienstwagen oder Boni." Außerdem hat der Antragsteller ein Recht darauf, die genauen Kriterien für sein Gehalt zu erfahren. Noch größere Unternehmen ab 500 Mitarbeitern müssen ihre Gehaltsstrukturen außerdem von sich aus überprüfen und regelmäßig Bericht darüber erstatten.

  • Wie schnell muss der Arbeitgeber auf Anfragen reagieren?

Drei Monate hat er dafür Zeit. Keine leichte Aufgabe für viele Firmen, denn nach einer Studie der Unternehmensberatung EY sind die meisten auf die neuen Regelungen noch nicht vorbereitet: Erst ein gutes Drittel der befragten Unternehmen (35 Prozent) hat demnach schon die Lohngleichheit von Frauen und Männern im eigenen Betrieb untersucht. Oft wissen die Unternehmen also selbst nicht, wie fair es bei ihnen zugeht. Immerhin glauben 70 Prozent der Firmen, dass sie den Auskunftsanspruch erfüllen können.

  • Was ist, wenn jemand tatsächlich weniger verdient als Kollegen?

Dann passiert erstmal nichts, zumindest nach dem Gesetz. Denn darin steht nur der Auskunfts-, aber kein Anpassungsanspruch. "Sie können auf Basis der Auskunft aber klagen, dann zum Beispiel auf Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes", sagt Althaus. Und wer den Weg vor Gericht scheut, habe mit der Auskunft immerhin Munition für die nächste Gehaltsverhandlung. Was das am Ende bringt, hängt vom persönlichen Verhandlungsgeschick ab.

mamk/dpa

insgesamt 47 Beiträge
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wiese 10.07.2017
1. was bringt es?
Interessant. Seitdem die Länder (nicht alle) einen eigenen mit den Gewerkschaften ausgehandelten Tarifvertrag ihren Bediensteten "anbieten", müssen diese mit ansehen, wie genau gleiche Arbeit im öffentlichen Dienst im Vergleich zum Bund und den Kommunen unterschiedlich bewertet wird. Durch unterschiedliche Entgeltordnungen kann die Entlohnung für gleiche Arbeit dabei beträchtlich sein. Wo ist da der Unterschied bei der Ungleichbehandlung?
Tubus 10.07.2017
2. Nur für die Galerie
Typisches SPD-Gesetz: bürokratisch, ineffizient, unbrauchbar, nur für die Galerie. An den eigentlichen Skandal, die völlig ungerechtfertigte Besserstellung von Beamten gegenüber anderen Mitarbeitern im öffentlichen Dienst geht man nicht ran. Da wäre man ja selbst betroffen :-O
jjcamera 10.07.2017
3. fader Beigeschmack
Diese sogenannte "Lohngerechtigkeit" wird viel Zoff, Streit und Ärger in den Betrieben bringen und dem Wort "Gerechtigkeit" einen faden Beigeschmack verleihen.
martsen 10.07.2017
4.
Nun gehe ich also mit laecherlich niedrigen Gehaltsvorstellungen in ein Bewerbungsgespraech, so dass ich alle anderen Konkurenten aussteche - im Anschluss verlange ich Auskunft ueber das Gehalt meiner Mitarbeiter und klage dann. Ein Traum wird wahr. Davon abgesehen, ist echt lachhaft - 6 Personen, welche beispielsweise Abteilungsleiter sind, koennen trotzdem unterschiedlichste Leistungen bringen. Aber nun wird sich der Chef vorsehen, den Leistungsstaerkeren besser zu bezahlen, da er sonst Klagen der anderen erwarten kann. Auf Wiedersehen Leistungsgedanke - endlich sind wir alle gleich grau.
SasX 10.07.2017
5.
"Außerdem muss es mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts geben, die einen ähnlichen Job haben wie der Antragsteller." Warum Lohngleichheit nur bei verschiedenen Geschlechtern, nicht aber beim gleichen Geschlecht gelten soll, werden wir wohl nicht erfahren. Zumindest wurde die Chance, sich auch innerhalb des eigenen Geschlechts um Lohngleichheit zu kümmern, hier geopfert, indem man eine Hürde schafft, die insbesondere Männer betrifft.
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