Aufregung in London Traditionsfirma verhängt Alkoholverbot von 9 bis 5

Im Londoner Finanzviertel trinken Angestellte gern schon mittags zwei, drei Bier. Damit soll nun Schluss sein, zumindest bei der Versicherungsbörse Lloyd's. Dort gilt jetzt die Null-Promille-Grenze.

Prost! Biertrinker in einem Londoner Pub
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Prost! Biertrinker in einem Londoner Pub


Mitarbeiter der Versicherungsbörse Lloyd's in London sind empört: Sie wurden in einem internen Schreiben aufgefordert, zwischen 9 und 17 Uhr keine alkoholischen Getränke mehr zu konsumieren. Der Londoner Standort sei traditionell bekannt dafür, dass auch tagsüber getrunken werde, aber die Zeiten änderten sich, zitiert der "Evening Standard" aus dem Memo. Ein Verstoß gegen die neue Regel könne nun zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen.

Bei rund der Hälfte aller Disziplinarverfahren der vergangenen zwei Jahre sei Alkohol im Spiel gewesen und Llloyd's habe als Arbeitgeber die Pflicht, für "eine gesunde Arbeitsumgebung" zu sorgen. "Jeder Mensch reagiert anders auf Alkohol. Eine Null-Promille-Grenze ist einfacher, einheitlicher und passt zu der modernen, globalen Leistungskultur, die wir begrüßen wollen." Auch bei Geschäftsterminen, bei denen die Gesprächspartner ein alkoholisches Getränk orderten, sollten die Angestellten deshalb zu nicht-alkoholischen Varianten greifen, heißt es in dem Schreiben.

Lloyd's ist tief in London verwurzelt, wo es Ende des 17. Jahrhunderts aus einem Kaffeehaus heraus entstand. Das Unternehmen vermittelt Verträge zwischen Versicherungsanbietern und ihren Kunden, etwa in der Schifffahrt.

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Laut "Evening Standard" haben Dutzende Mitarbeiter im Intranet auf das Rundschreiben empört reagiert. Die Kommentare reichten von "Werden wir jetzt auch gebeten, früher ins Bett zu gehen?" und "Bin ich gerade aus meinem Rausch aufgewacht und in Orwell's 1984 gelandet?" bis zu "Es hat mal Spaß gemacht, bei Lloyd's zu arbeiten."

Ein Angestellter verweist laut der britischen Tageszeitung in seinem Kommentar auf die feucht-fröhliche Weihnachtsfeier vor acht Wochen: Da habe es Alkohol in rauen Mengen gegeben, aber fast nichts zu Essen. "Sieht so ein verantwortungsvoller Arbeitgeber aus?" Ein anderer schreibe, konsequenterweise müsse nun auch dem Pub an der Ecke verboten werden, mittags Alkohol auszuschenken.

Biertrinken ist eine geheiligte Tradition in Großbritannien, viele Londoner nennen eine Kneipe ihr zweites Wohnzimmer. Manche Traditionstavernen öffnen schon morgens um 8 Uhr - und beim ausgedehnten Mittagessen trinkt der ein oder andere schon mal zwei, drei Bier oder ein paar Gläser Wein.

In den vergangenen Jahren ist der Lunch mit Alkohol in London allerdings immer unpopulärer geworden. Viele spülen ihr Sandwich nun mit Wasser herunter - und reagieren allergisch auf das Image der saufenden Banker. In den meisten Großbanken ist Alkohol während der Arbeitszeit schon seit Längerem verboten.

Nach der Arbeit fließt das Bier dafür umso reichlicher. Und dagegen hat auch Lloyd's nichts einzuwenden: "Wenn Sie Lloyd's repräsentieren, aber nicht im Dienst sind, können Sie Alkohol trinken - die Verantwortung, sich professionell zu verhalten, liegt bei Ihnen."

Und wie ist es in Ihrer Firma?
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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
allessuper 15.02.2017
1. wunderbar
wenn nun auch diese pseudo-Elite betroffen ist, die sich für etwas ganz Besonderes hielt, weil sie in der City gearbeitet hat. Nur gekokst und gedopt lassen sich solche Jobs ertragen, die keine sind, weil gerade alle überflüssigen Jobs in einer Gesellschaft überbezahlt werden (wohl als Schmerzensgeld für das Gefühl, der Gesellschaft zu schaden?) Und: Zur Klarstellung: Dies ist keine Schadenfreude. Es ist nur die Hoffnung, dass diese Leute im nüchternen Zustand merken, wie sehr sie der Menschheit schaden.
pulverkurt 15.02.2017
2. Nur zwischen 9 und 17 Uhr verboten?
Wunderbar... dann steht ja dem Aufwachtrunk um 8:00 weiterhin nichts im Wege, hicks!
spon-facebook-10000220808 15.02.2017
3. Gabs in DE auch mal..
Ich weiß noch, damals, als ich noch ~20 Jahre alt war, noch in Ausbildung und wir waren in einem BMW Werk Zugange. Ich stand in der Mittagspause vor den Automaten und staunte nicht schlecht als es dort einen mit Bier gab ...
Knack5401 15.02.2017
4. Arbeit
kann man das nicht nennen, was diese Typen den ganzen Tag machen.
LarsLondon 15.02.2017
5. Alles ueber einen Kamm?
Zitat von allessuperwenn nun auch diese pseudo-Elite betroffen ist, die sich für etwas ganz Besonderes hielt, weil sie in der City gearbeitet hat. Nur gekokst und gedopt lassen sich solche Jobs ertragen, die keine sind, weil gerade alle überflüssigen Jobs in einer Gesellschaft überbezahlt werden (wohl als Schmerzensgeld für das Gefühl, der Gesellschaft zu schaden?) Und: Zur Klarstellung: Dies ist keine Schadenfreude. Es ist nur die Hoffnung, dass diese Leute im nüchternen Zustand merken, wie sehr sie der Menschheit schaden.
Na ja, das klingt ziemlich wirr und macht wenig Sinn. Lloyd's ist - wie im Artikel richtig steht - eine Versicherungsboerse. In erster Linie werden dort Rueckversicherungen im P&C Bereich arrangiert. Zu behaupten, dabei werde "der Menschheit" "sehr" geschadet, ist doch grober Unfug. Und uebrigens, selbst mit dem fragwuerdigen Vorurteil im Hinterkopf, alle Banker seien bekokst und wuerfen mit Hummerschwaenzen von den Daechern, sei noch angemerkt: Diese Leute sind keine Banker sondern Versicherungsverkaeufer.
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