Jobsuche Lücke im Lebenslauf? So klappt es trotzdem mit der Bewerbung

Krankheit, Auszeit, Arbeitslosigkeit: Eine Lücke im Lebenslauf stresst viele Bewerber. Doch sie lässt sich auch positiv verkaufen - wenn man diese Tipps befolgt.

Bewerbungsgespräch (Symbolbild)
imago/ Westend61

Bewerbungsgespräch (Symbolbild)


In ihrem Lebenslauf klafft eine fette Lücke von mehreren Monaten oder sogar Jahren und Sie fürchten sich schon vor Nachfragen beim Bewerbungsgespräch? Keine Sorge, auch Bewerber mit Brüchen im Lebenslauf haben gute Chancen, einen Job zu bekommen.

"Authentizität ist wichtiger als ein glatt geschliffener Lebenslauf wie aus dem Lehrbuch", sagt Katharina Herrmann vom Bundesverband für Personalmanager (BPM). "Als Personalerin möchte ich wissen: Wie geht der Bewerber mit der Ausnahmesituation um?"

Deshalb können Bewerber Lücken im Lebenslauf zu ihrem Vorteil nutzen, erklärt Jutta Boenig von der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK). Sie rät: "Bewerber sollten zur Lücke stehen. Mit einem selbstbewussten Umgang können Sie ihr Gegenüber beeindrucken."

Allerdings sollte man die Lücken und Brüche möglichst positiv auslegen. Eine freiwillig genommene Auszeit wie eine Reise lässt sich besonders leicht verkaufen. "Man hat die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und sich einen lang ersehnten Traum erfüllt", schlägt Boenig als Erklärung vor. Schwieriger ist dagegen, Lücken wegen Arbeitslosigkeit oder gesundheitlichen Problemen positiv darzustellen. Ein Weg: Sie als Neuorientierung interpretieren und den Fokus darauf legen, die Krise überwunden zu haben.

Um Unklarheiten und unangenehme Situationen während der Bewerbung von Beginn an zu vermeiden, sollte man die Lücken bereits im Lebenslauf nennen. Auf keinen Fall sollten Bewerber eine längere Pause verschleiern oder Erfahrungen erfinden, sagt Katharina Herrmann. Viele Bewerber fürchten sich, mit einer Lücke schlecht dazustehen. Dabei sind einige Monate Arbeitslosigkeit meist überhaupt kein Problem. "Ich sehe die Fragen nach Lücken im Lebenslauf eher wie ein kleines Kompetenzinterview: Der Bewerber kann zeigen, wie er mit schwierigen Situationen umgeht."

Auszeiten werden immer normaler

Allerdings rät Herrmann Bewerbern auch, die Karten offen auf den Tisch zu legen - Herausforderungen inklusive. "Wenn jemand kleine Kinder zu Hause hat oder seine Eltern pflegt, sind flexible Arbeitszeiten oder eine verringerte Stundenanzahl manchmal nötig. Das möchte ein Unternehmen von Anfang an wissen." Schließlich sei niemandem damit geholfen, wenn nach den ersten Wochen im neuen Job herauskommt, dass die Arbeitsbedingungen nicht passen.

Den Grund für den lockeren Umgang mit Lücken im Lebenslauf sieht Wirtschaftspsychologin Annette Kluge von der Ruhr-Universität Bochum unter anderem im Fachkräftemangel. "Den Arbeitgebern wird immer mehr bewusst, dass sich viele Bewerber ihre Arbeitgeber aussuchen können." Dadurch verringert sich der Druck auf Kandidaten, perfekte Lebensläufe zu präsentieren.

Gleichzeitig machen immer mehr junge Leute schon früh Pausen vom Job, um sich ehrenamtlich zu engagieren oder zu reisen. "Einen wesentlichen Beitrag hat außerdem die Elternzeit für Väter geleistet. Es wird damit immer natürlicher und normaler, auch mal eine Auszeit für die Familie zu nehmen."

koe/dpa

insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
siebenachtneun 22.03.2018
1.
Lücken sehen immer schlecht im Lebenslauf aus. Wenn ich dann noch schreibe, dass ich 1 Jahr auf der Suche nach einem Job war, sieht das noch schlechter aus. Lieber sein lassen. Der Personaler wird es schon sehen, dass ich zwischen Datum und Datum nichts gemacht habe. Ohne die Angabe sieht der Personaler das zwar auch, aber es fällt nicht so sehr auf. Bei Pflege eines Angehörigen oder Elternzeit sieht das alles nicht so gravierend aus. Es kommt wahrscheinlich auch auf die Branche an, aber in einer Branche, wo Fachkräftemangel herrscht und man sich angeblich das Unternehmen aussuchen kann, sieht eine lange Bewerbungsphase doch sehr negativ aus. Ich warte noch auf den Fachkräftemangel in meiner Branche. Dann kann ich aufhören hunderte von Bewerbungen zu schreiben. Meine Lücke sieht aber nicht so dramatisch aus, weil auch die Personaler wissen, dass die Branche überrannt ist und sie hunderte von Bewerbungen bekommen.
sunsailor2 22.03.2018
2. "Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf?" "Ja, war super!"
Allerdings frage ich mich, was Personaler aus so etwas immer raus lesen wollen. Irgendwelche Gründe hatte doch jeder, warum es mal anders lief, als für den aktuellen Job vielleicht wünschenswert ist. Und dann liegt das vielleicht schon Jahre zurück und man soll sich immer noch dafür rechtfertigen, Hallo? Meiner Erfahrung ist bei solchem Nachhaken sogar Vorsicht geboten, dass sind nämlich meist Arbeitgeber, die einen mit Haut und Haaren wollen, da muss schon vieles passen, um sich darauf einzulassen. Auf der anderen Seite hat man in Zeiten der Arbeitslosigkeit eben keinen Job gesucht, sondern war Freiberuflich unterwegs, so what? Ist ja nicht so, dass man einen nicht vorhandenen Abschluss vorgaukelt.
jockel37 22.03.2018
3.
Einem Personaler fehlt leider gerade in der Industrie der Blick für das Wesentliche. Dennoch will, muss er irgendwie bewerten und hängt sich dann an leicht messbaren Fakten auf (Noten, Lücken im Lebenslauf, Studiendauer). Die wahre Eignung hängt von fachlicher Kompetenz, Persönlichkeit und Motivation ab. Und dass kann meiner Meinung nach nur eine Fachabteilung im Gespräch herausfinden. Leider ist so mancher dann schon ausgesiebt.
lex1976 22.03.2018
4.
Nach der Pleite meines Arbeitgebers 2014 gehe ich (Akademiker) dem Müssiggang/Künstlerleben nach und lebe von Mieteinnahmen. Klar wird mir das irgendwann mal gehörig in die Bewerbung reingrätschen. Nach diversen Erfahrungen mit unserem lieben Staat (Im Stich gelassen und verhöhnt von Justiz als Opfer von Mietnomaden mit anschliessendem Nervenzusammenbruch und Krankschreibung meinerseits bis heute) werde ich bis auf weiteres diesem keine Lohnsteuer mehr schenken.
Kurt-C. Hose 22.03.2018
5. Die Frage
ob Lücken im Lebenslauf positiv oder negativ sind, hängt (bei mir) von zwei Dingen ab: Dem mfang der Lücken - wenn jemand ein Jahr nach einem Job sicht, wo ist das Problem - ein Jahr ist schnell rum. Wenn die Lücken allerdings länger sind als die Beschäftigungszeiten, find ichs schwierig. Zweitens von den Begründungen. Jeder halbwegs denkende Mensch weiß heutzutage, dass es die berühmten "ungebrochenen Erwerbsbiografien" kaum noch gibt. Wenn jemand aus unterschiedlichen Gründen immer mal was anderes gemacht hat (was augenscheinlich einen Sinn ergibt) finde ich das nicht schlimm. Das herumgegammelte Jahr in Südostasien beim Surfen und Tauchen allerdings als "Auslandserfahrung" zu verkaufen, find ich hergeholt. Dann sollte man dazu stehen. Wenn jemand eine Scheidung hinter sich hat, einen Todes- oder einen Pflegefall - warum soll man da für eine vernünftige Auszeit kein Verständnis haben? Das gehört zum Leben dazu. Im Bewerbungsgespräch geht es in meinen Augen zwar schon darum, sich gut zu verkaufen, wichtig ist aber auch, keine falschen Eindrücke zu vermitteln. Das rächt sich in der Regel irgendwann.
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