Vollzeit-Jobs Überstunden sind der Normalfall für Angestellte

Von wegen 40-Stunden-Woche: Die meisten Vollzeitbeschäftigten sind länger auf der Arbeit - ohne, dass das im Vertrag steht. Dabei schieben Männer deutlich mehr Überstunden als Frauen.

Harold Lloyd in einer Filmszene: Vor allem Männer hängen an ihren Überstunden
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Harold Lloyd in einer Filmszene: Vor allem Männer hängen an ihren Überstunden


Fast jeder zehnte Mann mit einem Vollzeitjob arbeitet 60 Stunden und mehr pro Woche, nämlich 9,6 Prozent. Frauen knacken deutlich seltener die 60-Stunden-Marke: Nur 5,2 Prozent sitzen so lange am Arbeitsplatz. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

Für beide Geschlechter gilt, dass ein solches Pensum fast nie tatsächlich mit dem Arbeitgeber vereinbart ist - nur bei 0,5 Prozent der Männer und 0,2 Prozent der Frauen ist das so. Am häufigsten arbeiten Angestellte im Schnitt zwischen 40 und 47 Stunden. Dabei gibt es praktisch keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, rund 57,5 Prozent gaben ihre Arbeitszeit in dieser Höhe an.

Generell neigen aber die Männer zu längeren Arbeitszeiten. In der Gruppe, die am zweithäufigsten vertreten ist, Beschäftigte mit 48 bis 59 Wochenstunden, finden sich 18,3 Prozent der Männer und nur zwölf Prozent der Frauen. Die typische Arbeitszeit von Frauen (25,5 Prozent) liegt zwischen 35 und 39 Stunden. Männer arbeiten auch häufiger im Schichtdienst als Frauen (14 zu zehn Prozent).

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Voll- und Teilzeit: Deutsche sind mit Arbeitszeiten unzufrieden
Die Zahlen hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) gemeinsam mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in der "Erwerbstätigenbefragung 2012" vorgelegt. Dazu wurden im vergangenen Jahr rund 15.000 Vollzeitbeschäftigte befragt.

Warum sich die Arbeitszeiten der Geschlechter so stark unterscheiden, darüber stellen die Forscher in ihrem Bericht keine Mutmaßungen an. Es kann nicht daran liegen, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer: Es wurden hier nur Vollzeit-Erwerbstätige befragt. Als Erklärungen bieten sich unter anderem unterschiedliche Rollenmuster an oder der Umstand, dass Männer häufiger Führungspositionen bekleiden als Frauen - und diese sind meist zeitintensiver.

Im vergangenen Jahr kam die Hans-Böckler-Stiftung zu dem Ergebnis, dass die wenigsten Arbeitnehmer mit ihren Arbeitszeiten zufrieden sind - aber immerhin sind Frauen zufriedener als Männer. Angesichts weniger Wochenstunden verständlich.

dpa/mamk



insgesamt 98 Beiträge
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Sibylle1969 13.09.2013
1. Das ist ganz normal
Ich bin seit 17 Jahren in der IT-Branche, und da hat man so gut wie nie eine 40-Stunden-Woche. Lediglich in großen Anwenderunternehmen und dem öffentlichen Dienst gibt es sowas wie die 40-Stunden-Woche. In Beratungs- und Softwareunternehmen ist es hingegen üblich, dass mehr gearbeitet wird. Wobei es bei mir nie exzessiv war. Der stressigste Job, den ich jemals hatte, erforderte so ca. 55 Wochenstunden, und das war mir auch viel zu viel. In meinem jetzigen Job kommen die Überstunden meist durch Reisezeiten zustande sowie bei gelegentlichen stressigen Kurzzeitprojekten. Ansonsten hab ich mich zurzeit bei so ca. 42-45 Stunden eingependelt, was recht relaxt ist.
Onsom2000 13.09.2013
2. ...
...soviel zum "Gender-Gap"
hdudeck 13.09.2013
3. Unsinnige Schlussfolgerung
..Als Erklärungen bieten sich unter anderem unterschiedliche Rollenmuster an oder der Umstand, dass Männer häufiger Führungspositionen bekleiden als Frauen - und diese sind meist zeitintensiver... Danach muesste es mehr Haeuptlinge als Indianer geben. Einfaches Beispiel: Wenn ein Manager 10 Maenner leitet, er 60 Stunden arbeitet und die anderen 40, macht der Schnitt 41,8. Also nicht signifikant mehr. Wenn man allerdings nur Manager fragt kommt man dann auf 60 Stunden
haltetdendieb 13.09.2013
4. Wir brauchen eine Frauenquote
Mehr Frauen in den Schichtdienst, bis die Quote erfüllt ist. Usw..Ach so, Quote geht nicht? Ach so geht nur bei Forderungen, die Frauen ohne Leistung begünstigen! Ich vergaß, ich Döspaddel.
Sachsenimker 13.09.2013
5. Männer sind feige.
Frauen habe mehr Rückrat. Könnte es sein, dass Frauen mehr Grips und weniger Testosteron haben?
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