Management trifft Mensch Der Undercover-Manager

Wer in einem Unternehmen Karriere machen will, braucht Informationen. Unser Coach verrät, wie man am besten an sie rankommt und welche Rolle Geheimdienste dabei spielen.

Zufälliges Zusammentreffen? (Symbolbild)
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Zufälliges Zusammentreffen? (Symbolbild)

Eine Kolumne von


Der Frühling ist die Zeit der forecasts, der Prognosen darüber, wie sich das Jahr entwickeln wird - business-wise. Alle Führungskräfte mit Profit&Loss-Verantwortung aus Viktors Unternehmen sind dazu aufgerufen, der Geschäftsleitung konkrete Umsatzziele zu nennen - und diese zu erreichen oder zu übertreffen. In seinem Unternehmen, einem überregional tätigen Anbieter für Reinigung und Facility-Management, ist Viktor zuständig für "West", die umsatzstärkste Region. Entsprechend gebannt warten die anderen Bereichsleiter auf seine Zahlen, um sich daran zu orientieren.

In der Firma existieren zwei Denkschulen darüber, wie man die Jahresprognose abgeben sollte: Die "Fraktion Breitbeinig" prahlt mit hohen forecasts, die der Geschäftsleitung Juchzer der Begeisterung entlocken - meist aber im Laufe des Jahres wieder kleinlaut nach unten korrigiert werden müssen. Was der Fraktion nicht unbedingt zum Nachteil gereicht: In den Köpfen hat sich dann längst der Eindruck zupackender Macher festgesetzt. Kleinere Korrekturen im Jahresverlauf lassen sich leicht als Konsequenz eines launischen Schicksals in Gestalt der Globalökonomie wegargumentieren.

Viktor ist aber immer Anhänger der gegensätzlichen Denkschule gewesen. Schon sein erster Chef hatte ihm vor 20 Jahren zugeraunt: "Immer zehn Prozent weniger prognostizieren, als Du sicher schaffst - dann übertriffst Du Deine Ziele und kassierst einen ordentlichen Bonus." Das war Viktor zwar über viele Jahre gelungen - doch der Effekt nutzte sich ab. Verwöhnt durch seine Erfolge der Vergangenheit, addierte die Geschäftsführung beinahe schon automatisch zwanzig Prozent auf seine Ziele drauf - und war verstimmt, wenn er "nur" zehn Prozent mehr schaffte.

Buddy-Geplauder auf der Herrentoilette

Beide Strategien haben also eklatante Schwächen. Erschwerend kommt in diesem Jahr dazu: Der neue Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Knall, gilt als harter Hund, der ehrgeizige Ziele schätzt und unangenehm werden kann, wenn Versprochenes nicht geliefert wird. Viktor steht nun also vor einem Dilemma. Wie soll er sich verhalten?

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Viktor hat bereits gesamtvolkswirtschaftlicher Prognosen großer Investmentbanken gelesen, sich aufwändige Computersimulationen angeschaut und sogar eine Wahrsagerin im Bahnhofsviertel konsultiert.

Alles ohne Erfolg. Dann stieß er in einer Zeitung auf einen Artikel über Geheimdienste, in dem ein hochrangiger Sicherheitsmensch geraunt hatte, dass trotz Drohnen, Spähprogrammen und umfassender Abhörtechnik die menschlichen Quellen immer noch die zuverlässigsten Informationen lieferten.

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Plötzlich fällt es Viktor wie Schuppen von den Augen; jetzt weiß er, was zu tun ist. Er besorgt sich einen Becher Cappuccino und lungert einen Vormittag lang vor Dr. Knalls Büro herum. Als dieser sein Zimmer verlässt, rempelt Viktor ihn "versehentlich" an, verteilt den Cappuccino großzügig auf Dr. Knalls Anzug und verwickelt ihn in ein vertrauliches Gespräch.

Er fragt ihn, wie er sich in der company eingelebt habe. Wie er als Mann mit dem besten Überblick die Situation der Firma einschätze. Wie es weitergehen werde. Zwanzig Minuten Buddy-Geplauder auf der Herrentoilette, an deren Ende der Anzug wieder sauber ist und Viktor ziemlich konkret weiß, was Dr. Knall ökonomisch von seinen Mitarbeitern erwartet.

Der Plan geht auf

Derart munitioniert, schreibt Viktor seine Prognose in einer Viertelstunde runter und mailt sie ans Chefbüro. Drei Minuten später antwortet Dr. Knall persönlich: Während alle anderen Bereichsleiter entweder zu zaudernde oder übertriebene Prognosen abgegeben hätten, sei er, Viktor, offenbar der Einzige mit einem realistischen Blick auf die gesamtwirtschaftliche Situation und einer wirklich belastbaren Prognose. "Glückwunsch - und nochmal Danke für die unorthodoxe Anzug-Restauration. Zwinkersmiley."

Viktor grinst. Sein Plan ist aufgegangen. Ob seine Prognose jetzt tatsächlich eintritt, ist nur noch zweitrangig. Denn mit dieser Mail wird aus seiner Prognose de facto die von Dr. Knall. Selbst wenn die Ziele nicht erreicht werden sollten, wird das auf ihn mindestens genauso zurückfallen wie auf Viktor.

Wie der Geheimdienstmann schon sagt: Informationen sind gut und schön. Aber am Ende zählt im Nachrichtendienst nur eines: wer wen in der Hand hat.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
dasfred 21.04.2018
1. Achtung vor Kaffeeflecken
Mit zuviel Schleim bekommt sogar die Reinigung Probleme. Also ich weiß nicht, für wen dieser Artikel geschrieben wurde. Alle hier dargestellten Mitarbeiter scheinen irgendwie fehlbesetzt zu sein. Das prognostizierte Ziele immer Schwankungen unterliegen sollte doch jedem klar sein. Sich aber dafür mit einer Art Antanztrick an den Chef ranzuwanzen ist doch wohl nicht wirklich ernst gemeint. Da vermisse ich nur noch den Vorschlag, auf dem Parkplatz zu warten, um dem Chef die Tasche ins Büro zu tragen.
murksdoc 21.04.2018
2. #Victor Too
Leider hat Victor das kleine Detail übersehen, das Dr. Knall mit Vornamen Monika heisst und als er sie mit etwas mehr als sanfter Gewalt in die Herrentoilette zieht, nachdem er ihren 20 000 US Dollar Givenchy-Haute-Couture Hosenanzug (Einzelstück, handgefertigt) mit Automatenkaffe verätzt hat, von dem die Gute natürlich sofort registriert, dass dieser eiskalt ist, der Lustmolch und zukünftige Galeerenskave Victor ihr also schon seit Stunden aufgelauert haben muss (genau das wird der Gerichtsgutachter später auch bestätigen und Zeugen werden sagen, "er sei mit so einem komischen Blicjk schon seit dem frühen Morgen auf dem Gang auf und ab gelaufen)", wird er von einem 200 Kilogramm Körpergewicht Hühnen des Werkschutzes gerade am Genick gepackt, der zufällig auch hier seinen Morgenkaffee loswerden wollte, allerdings auf legale Weise, nach Erstdurchlauf durch die Niere. Im Liegen kriegt er gerade noch mit, wie dieser nach einem Notarzt telefoniert, weil der CEO der World Wide Consulting Ltd. Frau Dr. Dr. Monika Knall nämlich Anrecht auf eine eigene Toilette hat, in der allergenfreie Seife in die Seifenspender gefüllt wird, nicht die flüssige Bahnhofseife der Angestellten, gegen die Frau Dr. Knall hochallergisch ist. Jetzt schwillt ihr nicht nur der Kamm, sondern auch noch das Gesicht und während die Paramedics die Sauerstoffmaske klarmachen, keucht sie ihm mit letztem bronchospastischem Atem zu, "er solle wenigstens den Kaffee-Becher aufheben, den werde er auf der Treppe vor dem Bahnhofsgebäude noch brauchen, um die Pennies einzusammeln, die ihm irgendein Idiot ab und zu da hineinwärfe, nachdem ihre Schwester alle seine Hartz-4 Anträge abgelehnt habe, und weil der Becher (das Unternehmen ist nach ISO 2001 Eco-Friendly zertifiziert) aus nachhaltiger Ököpappe hergestellt ist, werde er auch die paar Jährchen überstehen, an denen der Workplaceharrasser Viktor demnächst untergebracht werden würde, sie wolle nicht zuviel verraten, aber das sei ein Ort, an dem es keine Flüssigseife gäbe, weil man sich nach der nicht bücken könnte". Da sollte Viktor noch mal seinen Geheimdienstkumpel fragen, was da schiefgelaufen sein könnte, aber der sagt, "Viktor" sei der Deckname eines von ihm enttarnten gegnerischen Geheimagenten, den er mir einer List zunächst kaltgestellt habe, wo man ihn jetzt mit den bekannten Verhörmethoden nach Auftrag, Auftraggeber und gejheimdienstlicher Agenda befragen könne. Alles in allem: tolle Idee (auch unter Beantwortung der Frage ob VW-Vorstände jetzt Neopren-Anzüge tragen müssen). Bitte mehr davon.
Martin S. 21.04.2018
3. Ich will meine 5 Minuten zurück
So ein Quatsch: Vor dem Büro vom Chef rumlümmeln, ihn mit Cappuccino vollschütten und schon ist man beste Kumpel. Und dann noch ein ganz schlechter Verweis auf die Welt der Nachrichtendienste. Dieser Artikel ist - mit Verlaub - Zeitverschwendung und des SPIEGEL nicht würdig.
henry.miller 22.04.2018
4.
Ist der Artikel ein Witz? Ich hatte Chefs, die sie sofort rausgeschmissen hätten, wenn sie denen einen Becher Kaffee über den Anzug geschüttet hätten. Mehr als Schleimigkeit und der Blick auf andere, fördern soziales Geschick, fachliche Befähigung und ordentlich Skrupellosigkeit, die Karriere. Wirklich, ein merkwürdiger Artikel. Kann doch nicht ernstgemeint sein.
le.toubib 22.04.2018
5. Sie werden lachen!
Zitat von dasfredMit zuviel Schleim bekommt sogar die Reinigung Probleme. Also ich weiß nicht, für wen dieser Artikel geschrieben wurde. Alle hier dargestellten Mitarbeiter scheinen irgendwie fehlbesetzt zu sein. Das prognostizierte Ziele immer Schwankungen unterliegen sollte doch jedem klar sein. Sich aber dafür mit einer Art Antanztrick an den Chef ranzuwanzen ist doch wohl nicht wirklich ernst gemeint. Da vermisse ich nur noch den Vorschlag, auf dem Parkplatz zu warten, um dem Chef die Tasche ins Büro zu tragen.
Aber in der Schweiz machte ich beinahe genau DAS - beinahe. Wir bekamen einen neuen Chefarzt und ich half ihm, sein Bureau einzurichten. Dazu muss man allerdings sagen, er war schon einmal in den letzten 6 Monaten meiner AiP-Zeit mein Chefarzt gewesen, da wäre alles andere wohl mehr als schofelig von mir gewesen. Zudem konnte ich ihm schon ein wenig über die Klinik berichten - nicht nur, aber auch wurden wir so unsere völlig unbeliebte Abteilungsschwester los. Wir hatten uns zeitgleich bei derselben Klinik beworben ...
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