Jobtipps Zuckerberg wird Ratgeber-Onkel

Gutes Personal ist schwer zu finden. Facebook-Chef Mark Zuckerberg verrät jetzt seine Strategie. Auch sonst hat er jede Menge Tipps für eine steile Karriere. Hier unser Best-of.

Von und Silvia Dahlkamp

Facebook-Chef Zuckerberg: Geheimnisse der Mitarbeiterführung
REUTERS

Facebook-Chef Zuckerberg: Geheimnisse der Mitarbeiterführung


Papst, go home!

Dalai Lama, Du gleich mit!

Und die Ratgebergurus Hesse-Schrader, Birkenbihl, Simplify-your-Dingens - pff.

Denn jetzt kommt Mark Zuckerberg. Wir finden: Mit 30 Jahren ist der Facebook-Chef alt genug, um endlich mit einer Zweitkarriere als Ratgeber-Koryphäe durchzustarten.

Bei einer internationalen Digitalkonferenz in Barcelona verriet er ein bisher gut gehütetes Erfolgsgeheimnis für schwierige Bewerbungsgespräche.

Ganz simpel: "Ich werde jemanden nur dann einstellen, wenn ich selbst auch für diese Person arbeiten würde." In einer Frage-Antwort-Runde gab er dann immerhin zu: Es sei nicht immer leicht, den richtigen Kandidaten zu finden. Wen wundert's?

Das war bereits Zuckerbergs zweiter Vorstoß binnen zwei Monaten in seiner neuen Funktion als Managementberater. Einen zarten Anfang machte der Milliardär im Januar mit seinem neuen Buchklub, nach dem Motto: Bildung hat noch keinem geschadet. Seine steile These: "Über Bücher kann man ein Thema umfassender erforschen und tiefer eintauchen als über die meisten anderen heutigen Medien."

Diese und ein paar andere seiner wegweisenden Empfehlungen haben wir hier gebündelt, damit Mark "I'm CEO, bitch!" Zuckerberg, wie es auf seiner Visitenkarte heißt, schon mal einen Grundstock hat für seinen ersten Jobratgeber.

Zuckerbergs Karrieretipps: Lernen vom Facebook-Chef



Zitat 1: "Ich habe über die Jahre eine simple Daumenregel entwickelt, um Leute einzustellen, die direkt für mich arbeiten: Ich nehme die Person nur, wenn ich auch für sie arbeiten würde."

Wir finden: Solange das nicht heißt, man muss sich sympathisch sein, ist alles gut.

Quelle: Mobile World Congress, März 2015



Zitat 2: "Leute können total schlau sein oder Fähigkeiten haben, die direkt einsetzbar wären - aber wenn sie nicht wirklich daran glauben, werden sie nicht wirklich hart arbeiten."

Wir finden: Na, wenn das Gehalt stimmt ...

Quelle: Vortrag an der Stanford University, Oktober 2005



Zitat 3: "In einer Welt, die sich so schnell ändert wie unsere, gibt es nur eine Strategie: Man muss Risiken eingehen, um nicht zu scheitern."

Wir finden: Moment mal, die Sache mit dem Scheitern als Bedingung für moderne Unternehmerkultur hatte FDP-Chef Christian Lindner neulich aber irgendwie anders erklärt ...

Quelle: CBSnews.de, Oktober 2011



Zitat 4: "Die Frage ist nicht, was wir über Leute wissen möchten, sondern was die Leute bereit sind, über sich zu erzählen."

Wir finden: 1a-Ratschlag für Vorstellungsgespräche. Klingt wie von den Ratgebergurus Hesse-Schrader geklaut.

Quelle: Interview mit Charlie Rose, November 2011



Zitat 5: "Man kann seine Freunde in fast alles einbeziehen, das macht Dinge so viel spannender. [...] Es ist ein menschliches Bedürfnis, daran teilzuhaben, was die Menschen in seinem persönlichen Umfeld gerade tun. Das ist es, was die Wirtschaftswelt verändern wird."

Wir finden: Ganz schön großzügig für jemanden, der den Begriff "Freunde" für die Menschheit so, äh, breit definiert hat.

Quelle: Financial Times Deutschland, Dezember 2010



Zitat 6: "Die Leute 'vertrauen mir'. Die Idioten."

Wir finden: Dem Chef vertrauen? Niemals!

Quelle: New Yorker, September 2010



Zitat 7: "Andere Firmen würden keine Änderung der Privatsphäreneinstellung für 350 Millionen Nutzer vornehmen. Wir hielten das aber für wichtig."

Wir finden: Solange dann nicht Mitarbeiter ausgespäht werden ...

Quelle: Interview bei TechCrunch-Konferenz, Januar 2010



Zitat 8: "Mein Ratschlag Nummer 1 ist: Lernen Sie zu programmieren."

Wir finden: Liebe Krankenpfleger, Bäcker, Installateure, na dann mal los!

Quelle: Interview mit Charlie Rose, November 2011



Zitat 9: "Ich möchte mich nur darauf konzentrieren, der Gemeinschaft zu dienen. [...] Ich weiß, dass sich das irgendwie blöd anhört, aber es ist eben wahr."

Wir finden: Perfektes Mantra für den Aufstieg zum "Master of the Universe". Wer etwas zu unanfechtbaren Wahrheiten deklarieren kann, hat's geschafft. "Es ist eben wahr" - brillant.

Quelle: Facebook-Fragerunde, November 2014



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
auf_dem_Holzweg? 05.03.2015
1. bemitleidenswert, auch wenn Milliardär
dass jemand unter 30, der ganeu einmal so richtig Dussel hatte im Leben, quasi ohne Lebenserfahrung dermaßen oft Nullnummern zum besten gibt ist eher zu bemitleiden als zu diskutieren! Das Publikum der MobilCom in Barcelona kann ein Liedchen davon singen - wer es miterlebt hat. Die meisten hatten einen schönen Mittagsschlaf!
Newspeak 05.03.2015
2.
Die Zufälle des Lebens und eine gute Idee zur richtigen Zeit haben Zuckerberg dorthin gespült, wo er gerade ist. Was qualifiziert ihn darüber hinaus denn noch zu tieferen Einsichten, als sie jeder Durchschnittsmensch mit Lebenserfahrung und ohne Buchvertrag im Dutzend besitzt? Ist das unsere Auffassung von Kultur?
Demokratie+Freiheit 05.03.2015
3. Zitateauswahl
Zweifellos hat Mark Zuckerberg mehr als nur ein paar aus dem Zusammenhang gerissene Sätze gesagt, sondern ein paar schwierige Entscheidungen getroffen, die wohl kein anderer so je getroffen hätte. Jeder vernünftige, andere Mensch hätte sehr früh die Firma verkauft. Aus heutiger Sicht scheinen seine Entscheidungen fast schon genial, obwohl es ja keine richtig wissenschaftlichen Entscheidungen waren und das bisschen Programmieren ist wohl auch kaum nennenswert. Jeder echte Wissenschaftler leistet wohl intellektuell viel mehr, wird nur nicht so unternehmerisch honoriert. Schade eigentlich, daß in unserer Gesellschaft nur Professorensöhne Professor werden sollen und gleichzeitig in Deutschland keine richtige Unterstützung für Biotech- oder andere moderne High-tech Firmengründungen erfolgreich betrieben wird. Die Businessplanwettbewerbe fördern eher die Selbständigmachung von Friseuren, anstatt geniale Wissenschaftlern das Startkapital zu vermitteln. Kein Wunder, daß die Hoffnungslosigkeit unter Deutschen Wissenschaftlern grassiert, die keinen Professor als Vater haben.
großwolke 05.03.2015
4.
Ich gestehe dem Mann ja zu, dass er ein guter Unternehmer ist. Aber daraus Tipps abzuleiten, wie man sich als potentieller Untergebener richtig präsentiert? Wenn der Mann überhaupt noch Personalentscheidungen trifft, dann wohl fürs obere Management in seinem Laden. Wer es jetzt dorthin schafft, hat schätzungsweise keine Ratschläge mehr nötig. Von daher: Vorsicht mit der Ratgeberliteratur des Herrn Zuckerberg.
gorith 06.03.2015
5. Ja, Programmieren ist auch für einen Bäcker sinnvoll
Liebe SPON Redaktion. Es zeugt meines Erachtens von beträchtlicher Ignoranz den gut gemeinten (und ausnahmsweise sinnvollen) Rat von Zuckerberg abzutun. Ja, ich denke auch Bäcker, Altenpfleger und grundsätzlich so viele Menschen wie möglich sollten programmieren lernen. Genauso wie ich in der Lage bin grundsätzlich Brot zu backen und grundsätzlich verstehe wie man ein Radio baut, ist es sinnvoll, wenn ein Bäcker grundsätzlich programmieren kann. Natürlich muss es das nicht gleich zu seinem Beruf machen. Zugang zu simplen Programmiersprachen und Umgebungen ist heute einfacher denn je. Fast jeder hat einen Computer in seiner Hosentasche, und er könnte ihn sinnvoller Nutzen, wenn er auch programmieren könnte. Wenn ein großteil der Bevölkerung IT-analpabeten sind, ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem: Der Anwender, hilflos dem Experten ausgeliefert. Programmieren kann jedem einzelnen das Leben in einer Ähnlichen Weise erleichern wie es die Fähigkeit zu Lesen und Schreiben tun. Und diese Grundlegende Fähigkeit wird in Zukunft noch wichtiger im Alltag werden.
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