AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 25/2018

Personalentwicklung Faire Beförderungen gibt es nur in der Theorie

Die meisten Chefs befördern Menschen, die so ticken wie sie selbst. Das geht aus einer Umfrage hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Sie zeigt, wie weit deutsche Firmen von guter Personalpolitik entfernt sind.

Ökonomisch erfolgreicher: Teams aus Männern und Frauen (Symbolbild)
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Ökonomisch erfolgreicher: Teams aus Männern und Frauen (Symbolbild)


In deutschen Unternehmen findet noch immer wenig Personalentwicklung statt, die Frauen und Männern gleiche Chancen bietet. Das zeigt eine Umfrage von McKinsey im Auftrag der "Initiative Chefsache" unter mehr als 400 Führungskräften, über die der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet.

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Heft 25/2018
Wie gehen wir mit Migranten um? Die Flüchtlingskrise gefährdet Merkels Kanzlerschaft

Zwar waren zwei Drittel der Befragten der Überzeugung, eine faire Talententwicklung anzubieten. In der Praxis sieht das aber anders aus: So erklärten nur 44 Prozent der Befragten, es gebe in ihrem Unternehmen ein systematisches Talentmanagement, und nur ein knappes Drittel berichtete von standardisierten Kriterien für die Identifikation von Talenten.

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Gerade mal 27 Prozent der Befragten halten Gender Diversity, also Teams aus Männern und Frauen, für eines der zehn wichtigsten Themen der Geschäftsführung. Dass vielfältige Teams ökonomisch bessere Ergebnisse bringen, weiß nur eine Minderheit: 67 Prozent der Befragten gaben an, ihnen sei wichtig, Personen zu befördern, die ähnlich arbeiten und denken wie sie selbst.

Weniger als der Hälfte ist klar, dass unbewusste Vorurteile ("unconcious bias") sie daran hindern, objektiv zu entscheiden. "Noch immer liegt der Frauenanteil in deutschen Vorständen nur bei acht Prozent. Damit sich das ändert, müssen Unternehmen ihre Talententwicklung an reinen Leistungskriterien ausrichten, erst dann haben Frauen und Männer gleiche Chancen", sagt McKinsey-Deutschlandchef Cornelius Baur.

Deutsche Dax-Unternehmen haben so wenige weibliche Vorstände wie kaum ein anderes Industrieland. In einem Vergleich mit Frankreich, Großbritannien, Polen, Schweden und den USA schneidet Deutschland sogar am schlechtesten ab, wie im Mai aus einem Bericht der AllBright Stiftung hervorging.

Die Initiative Chefsache ist ein Netzwerk von Führungskräften aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlichem Sektor und Medien. Schirmherrin ist Kanzlerin Angela Merkel.

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sam

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labuday 16.06.2018
1. noch dämlicher als McKinsey und die Genderbefürworter
Kann man ja wohl nicht argumentieren. Die sollen ihre "Erkenntnisse" mal dem Löw präsentieren oder dem Trainer der russischen Eishockeynationalmannschaft. Aber Löw lässt ja Kritik nicht mehr an sich heran. Genauso eine Bogenlampe
Großbär 16.06.2018
2. Männluche Feudalstrukturen
Das Verhalten von Menschen in Deutschland scheint mir noch immer wesentlich von Mittelalter und Früher Neuzeit geprägt zu sein. Also von einer Zeit, in der Menschen, die zu etwas kommen wollten, ihren Feudalherren gefallen mußten. Die Demokratie, in der wir heute leben, bezieht sich ja auch nur auf den öffentlichen Teil unserer Gesellschaft. Unternehmen sind weiterhin Feudalreiche, in denen vornehmlich Männer auf den unterschiedlichsten Hierarchieebenen ihre Machtspielchen spielen.
ichbineinschaf 16.06.2018
3. Organisationstheorie vom Feinsten
Aber voll an der Realität vorbei. Welche Führungskraft setzt denn einen in der Petrischale einens "transparenten Führungsnachwuchsprozesses" gezogenen Direct Report ein, den sie nicht kennt, der im worst case aus der Abteilung eines Widersachers kommt, und dem sie somit auch nicht vertrauen kann? Als Führungskraft habe ich genug Stress, da will ich jemanden haben, de mir sicher den Rücken freihält. Unternehmenshierarchien sind soziale Gefüge und nicht Laborräume für Organisationsforscher.
dasfred 16.06.2018
4. Die Auswahl ist so subjektiv wie Wahl des Lebenspartners
Natürlich will man den, der ähnlich tickt. Der meine Arbeit in meinem Sinn fortführt und sich nicht mit neuen Ideen an mir vorbeizieht. Den Ähnlichen erkennen ich auch schneller als den oder die eventuell bessere. Das Frauen ein Team stärken können, kann sein, muss aber nicht. Das Geschlecht allein bedeutet erstmal gar nichts. Beweis sind die Millionen Männer, die nie in eine Führungsposition übernehmen werden. Wer als Einzelner über eine Beförderung entscheidet, hat seine eigenen subjektiven Kriterien, seine Befürchtungen und Erwartungen. Ebenso können Wissenschaftler forschen, ob es nicht bedeutende Sachgründe für die Partnerschaft geben sollte, statt Nähe und Vertrauen.
Draw2001 16.06.2018
5. Wer die Macht hat.....
Für den ist es schwer, abzugeben. Man will zwar entsprechend Kräfte bei sich haben - sie dürfen einem aber nicht gefährlich werden. Und um dieses Thema dreht es sich. Frau Merkel hat das gleiche Problem.....
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