Säbel, Schwerter, Dolche Messer für die Mächtigen

Seine Kunden sind Jäger und Sammler, Scheichs und Könige. Bis zu 50.000 Euro zahlen sie für einen Säbel von Jürgen Schanz. Der Messermacher aus Baden-Württemberg hat sich auf schmucke Klingen spezialisiert. Und ist besonders in der arabischen Welt gefragt.

Von Kevin Schrein

Kevin Schrein

Die E-Mail vom König von Bahrain hielt Jürgen Schanz, 42, zunächst für einen Scherz. "Herr Schanz, König Hamad Bin Issa Al Chalifa hat Interesse an Ihren Produkten, kommen Sie nach England, das Ticket liegt am Schalter für Sie bereit", stand dort. Schanz wollte seinen Augen nicht trauen. Doch die E-Mail war echt.

Wenige Tage später saß der Messermacher aus Stutensee bei Karlsruhe in London einem Scheich gegenüber, der sich als rechte Hand des Königs vorstellte. "Trauen Sie sich zu, das Königshaus zu beliefern?" Schanz bejahte - und das Gespräch war vorüber. Vier Monate später folgte die Einladung nach Bahrain. Hier lernte Schanz den König persönlich kennen. Am Ende fuhr er mit einer Großbestellung nach Hause. Mehr als 20 Dolche und Säbel hatte der König bestellt. Sie waren als Staatsgeschenke gedacht.

Schneidwerkzeugmechaniker, das ist die offizielle Bezeichnung des Berufs. In der Ausbildung lernte Schanz, wie man Scheren und Messer schleift - und schmiedet. Oft blieb er nach Feierabend in der Werkstatt, um eigene Ideen in Stahl umzusetzen. Für seine Gesellenprüfung schmiedete er einen sogenannten Flammendolch, für seine Meisterprüfung ein japanisches Schwert. Da war er 24 Jahre alt.

"Nach der Ausbildung habe ich gemerkt, dass es für solche Sachen einen Markt gibt", sagt Schanz. "Für handgefertigte Qualitätsmesser zahlen die Leute auch gerne mehr." Sein fester Kundenstamm sind Jäger und Sammler. Bis zu 2000 Euro zahlen sie für ein Jagdmesser, 12.000 Euro für ein Schwert. Den Rekord hält ein Säbel mit viel Silber und Perlen: 50.000 Euro war der Verkaufspreis. Der Säbel gefiel Schanz so gut, dass er sich selbst einen zweiten schmiedete, mit Saphiren statt Perlen. Der liegt nun im Safe.

Etwa 200 Messer und drei Schwerter schafft Schanz im Jahr. Er könnte einen Auszubildenden oder gleich einen weiteren Messermacher einstellen, Aufträge gäbe es genug. Doch Schanz ist gern allein mit sich und seinen Messern.

Seine Werkstatt liegt unscheinbar neben einem Baustoffmarkt und einem Anbieter von Sanitärprodukten. Es ist eine typische Metallerwerkstatt mit massiver, den Raum dominierender Werkbank aus Holz und mehreren Schleifmaschinen im typisch biederen Mattgrün. Drei Dutzend Klingen und Griffe liegen auf der Werkbank, die Arbeit von drei Monaten. Schanz ist stolz darauf, alles von Hand zu machen - bis auf das Schleifen. "Aber kommt mal eine Maschine zum Einsatz, führe ich das Werkstück immer noch mit der Hand", sagt er. Es klingt ein wenig entschuldigend. In Japan fertigten einige Messermacher ihre Schwerter noch wie vor 500 Jahren, sagt er: "Da sitzt dann einer und schleift eine Klinge vier Wochen lang mit einem Schleifstein."

Rund acht Stunden braucht Schanz für ein einfaches Messer, 30 bis 40 Stunden für ein Klappmesser, 50 Stunden für ein Schwert. Form und Aussehen der Klingen und Griffe bestimmen die Kunden. Die Verzierungen übernimmt ein Goldschmied. Ob Silber, Saphire oder Perlmutt, "grundsätzlich kann ich fast alles von Lieferanten bekommen", sagt Schanz. Allerdings: Einfuhrbestimmungen und Zölle müssen beachtet werden und - es dauert. Oft ist er bis zu einem Jahr im Voraus ausgebucht.

Für die Klingen verwendet Schanz Industriestahl, wenn es luxuriöser sein soll, auch Damaststahl. Seine Produkte liefert er stets geschärft aus, selbst die Schwerter werden rasiermesserscharf geliefert. Viele sehen so aus, als kämen sie direkt aus dem Kinofilm "Kill Bill". Sind das nicht Mordwaffen? Solche Vorwürfe kann Schanz nicht nachvollziehen: "Wer ein Messer als Waffe benutzen will, braucht kein teures von mir, da reicht eines vom Aldi." Seine Schwerter seien "Schmuckstücke, die man in die Vitrine legt und zeigen möchte".

Das kann nun unter anderem auch der ehemalige US-Präsident George W. Bush. Er hat einen Säbel von Schanz geschenkt bekommen - vom König von Bahrain.

  • Susanne Heitz
    KarriereSPIEGEL-Autor Kevin Schrein (Jahrgang 1989) ist freier Journalist in Karlsruhe und studiert Geschichte, Politikwissenschaft und Ethik an der Universität Mannheim.

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Seite 1
rainer_d 10.10.2013
1. Respekt
Als handwerklich eher mittelmässig bis gar nicht begabter Mensch (zur Not kann ich einen Fahrradschlauch wechseln) nötigt mir diese Arbeit allerhöchsten Respekt ab. Danke für den Bericht.
Der Meyer Klaus 10.10.2013
2. optional
Für 50.000€ verkauft bei 650 Arbeitsstunden... Materialien waren wohl auch nicht billig. Also eher ein Hobby als lohnende Arbeit. Schade eigentlich. Wobei ich Schmiedearbeiten noch beeindruckender finde als "simples" CNC-Fräsen und Schleifen.
MartinK. 10.10.2013
3. Hmm
Zitat von Der Meyer KlausFür 50.000€ verkauft bei 650 Arbeitsstunden... Materialien waren wohl auch nicht billig. Also eher ein Hobby als lohnende Arbeit. Schade eigentlich. Wobei ich Schmiedearbeiten noch beeindruckender finde als "simples" CNC-Fräsen und Schleifen.
Ich weiß zwar nicht was sie so verdienen im Jahr, aber 50.000€ ist fast mein doppeltes jährliches Bruttogehalt bei 1/3 der Arbeitsstunden. Ich finde schon das sich das lohnt. und er hat dann noch 2/3 der Zeit über die ich arbeite. Klar muss er davon auch Steuern etc bezahlen, aber mehr als n Hobby wird es sicherlich sein.
Der Meyer Klaus 10.10.2013
4.
Zitat von MartinK.Ich weiß zwar nicht was sie so verdienen im Jahr, aber 50.000€ ist fast mein doppeltes jährliches Bruttogehalt bei 1/3 der Arbeitsstunden. Ich finde schon das sich das lohnt. und er hat dann noch 2/3 der Zeit über die ich arbeite. Klar muss er davon auch Steuern etc bezahlen, aber mehr als n Hobby wird es sicherlich sein.
Von den 50.000 geht einiges an den Goldschmied. Das ganze Material, Versand, Zollabfertigung etc. abziehen. Steuern nicht vergessen. Versicherungen sind auch nicht billig. Der Mann ist ja selbstständig, muss also auch an Rücklagen denken etc. Die 50.000 sind ja nicht der Lohn für die reine Arbeit.
makenshi 10.10.2013
5.
Zitat von Der Meyer KlausFür 50.000€ verkauft bei 650 Arbeitsstunden... Materialien waren wohl auch nicht billig. Also eher ein Hobby als lohnende Arbeit. Schade eigentlich. Wobei ich Schmiedearbeiten noch beeindruckender finde als "simples" CNC-Fräsen und Schleifen.
Wie kommen sie eigentlich auf 650 Arbeitsstunden? Im Artikel wird kein Zeitaufwand für den Säbel genannt, nur dass ein Schwert 50 Stunden braucht, rechnen wir mal noch das doppelte wegen aufwendiger Verzierungen, 2/3 des Kaufpreises für Goldschmied und Material, dann sind wir bei 100 Arbeitsstunden für ca.16 700 €, macht einen Stundenlohn von 167 €. Das ist nun wirklich kein Stundenlohn den man verachten kann ;)
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