Mindestlohn im Sport Profiboxerinnen sollen mehr Geld bekommen

Noch immer verdienen Männer mehr als Frauen, auch im Boxsport ist das so. Künftig soll es für Profiboxerinnen Mindestgagen geben, so Mauricio Sulaiman. Aber selbst der Verbandspräsident gibt zu: "Das ist bei Weitem noch nicht genug."

"Frauen sollen für die harte Arbeit im Ring angemessen bezahlt werden"
Corbis

"Frauen sollen für die harte Arbeit im Ring angemessen bezahlt werden"


Sie halten ihr Gesicht hin, stecken Schläge ein - und werden dafür schlecht bezahlt. Profiboxerinnen fristen ein Dasein als Randsportlerinnen - von den wenigen Stars der Szene einmal abgesehen. Während sich die besten Männer des Sports zu Millionären boxen, stehen die Frauen bei den Kampfbörsen weit im Schatten. Das könnte sich bald bessern.

Das hat zumindest Mauricio Sulaiman, der Präsident des Weltverbandes WBC, auf der ersten Frauen-Box-Convention im mexikanischen Playa del Carmen angekündigt. "Wir wollen, dass Frauen für die harte Arbeit, die sie im Gym und im Ring leisten, angemessen bezahlt werden", sagte Sulaiman, "bisher können Frauen nur in einigen wenigen Ländern gutes Geld verdienen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass sich dies in naher Zukunft ändert."

Laut einer WBC-Leitlinie sollen Weltmeisterinnen bei Titelverteidigungen Kampfbörsen von mindestens 25.000 Dollar (knapp 20.000 Euro) verdienen. "Das ist natürlich bei Weitem noch nicht genug, aber ein erster Schritt in die richtige Richtung", so Sulaiman.

41,5 Millionen Dollar für einen Kampf

Im Vergleich zu den Kampfbörsen, die männliche Topstars bekommen, ist das kaum ein Taschengeld. Der US-Boxer Floyd Mayweather junior hatte im vergangenen Jahr mit einer garantierten Börse von 41,5 Millionen Dollar (31,5 Millionen Euro) für den Antritt zu seiner Titelverteidigung gegen den Mexikaner Saul Alvarez einen Rekord aufgestellt.

Und: Zwingend vorgeschrieben wird die Mindestbörse nicht sein. So will der Verband verhindern, dass mögliche Kämpfe nicht an der Vorgabe scheitern. "Trotzdem werden wir alles tun, was in unserer Macht steht, um sicherzustellen, dass sich die Verdienstmöglichkeiten von Frauen und Männern im Profiboxen weiter angleichen", sagte der WBC-Chef, der sich in Mexiko mit seinen Kollegen der konkurrierenden Verbände WBA und IBF traf. Anwesend waren auch rund 30 ehemalige und amtierende Weltmeisterinnen, darunter die Augsburgerin Nikki Adler, amtierende Weltmeisterin im Supermittelgewicht.

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joe/dpa

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insgesamt 25 Beiträge
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noalk 29.09.2014
1. Männer verdienen weniger als Frauen
Männliche Models sind gegenüber weiblichen deutlich unterbezahlt. Wann wird das endlich geändert?
an°n 29.09.2014
2. Die Welt ist ungerecht
Wie schon im Artikel gesagt, gegenüber den BESTEN männlichen Boxern weltweit verdienen die Damen wenig. Aber die restlichen 95% der männlichen Boxer (sprich: alle anderen als die Superstars der Szene) verdienen damit wohl auch keine Millionen. Deswegen finde ich es abwegig alle männlichen Boxer an den Maßstäben der paar Spitzensportler zu messen. @noalk: Schöner Vergleich, bringt das Ganze treffend auf den Punkt.
moev 29.09.2014
3.
Profisport ist von der eigentlichen Bezahlungsgrundlage eher mit Entertainment zu vergleichen. Bezahlt wird ironischerweise nicht danach wie gut man die eigentliche Aufgabe, aka die entsprechende Sportart, erfüllt sondern danach wie hoch das Interesse der Menschen ist dabei zuzusehen.
udolf 29.09.2014
4.
Sollen Frauen mehr Boxen anschauen, dann gibt es mehr Werbeeinnahmen und damit höhere verdienst Möglichkeiten. Oder Feministischer Männer müssen wenigstens 40% Frauenboxen schauen, damit mehr Geld in die Gewinnkasse kommt. Ich verstehe das Problem mit der Bezahlung bei normalen Berufen, die werden aber auch nicht durch Eintrittsgeld oder Werbeeinnahmen finanziert. Oder ist die Bezahlung im relativen Verhältnis zu den Eintritts- und Werbeeinnahmen geringer als bei den Männern dann würde ich das auch verstehen.
Criticz 29.09.2014
5. Models und Markt
Zitat von noalkMännliche Models sind gegenüber weiblichen deutlich unterbezahlt. Wann wird das endlich geändert?
Richtig. Aber Sie haben das Prinzip Gleichstellung noch nicht ganz verstanden: Es wird nur dort gleichgestellt wo Frauen profitieren. Und das ganze wird uns als Beitrag zur Gleichberechtigung verkauft. I.ü. schon immer wieder beachtlich wie es (manche) Frauenlobbygruppen tatsächlich schaffen Marktgesetze nur für ihresgleichen außer Kraft zu setzen während Männer sich dem Wettbewerb stellen müssen.
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