Altersarmut Nicht mal jeder fünfte Minijobber zahlt in Rentenkasse ein

Vier von fünf Minijobbern lassen sich von der Rentenversicherung befreien - und verzichten damit auf eine mögliche Altersabsicherung. Das zeigen neue Zahlen des Bundesarbeitsministeriums.

Minijobberin in einem Haushalt
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Minijobberin in einem Haushalt


Nur 18 Prozent der Minijobber im gewerblichen Bereich zahlen Beiträge in die Rentenkasse ein. In Privathaushalten sind es sogar nur etwas über 14 Prozent. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung. Sie zitiert aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Brigitte Pothmer.

Pothmer zeigt sich alarmiert: Die Mehrheit der Minijobber verzichte damit nicht nur auf Rentenansprüche, sondern riskiere auch Nachteile, etwa beim Ansammeln von Beitragszeiten.

Bundesweit gab es im März dieses Jahres mehr als 6,5 Millionen Minijobber in Handel, Industrie oder Handwerk. Gut 1,2 Millionen davon zahlten nach Angaben der Minijob-Zentrale in die gesetzliche Rentenversicherung ein - ein Plus von 1,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2016. Dabei entscheiden sich deutlich mehr Männer als Frauen dafür, den Eigenbeitrag zur Rentenversicherung zu bezahlen.

Dennoch kritisiert Brigitte Pothmer, dass Union und FDP in ihren Wahlprogrammen die stetige Ausweitung der Minijob-Grenze versprächen. "Das ist der völlig falsche Weg", sagt die Grünen-Politikerin. Denn dadurch steige einerseits die Zahl der Minijobs weiter an, andererseits werde die Umwandlung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in Minijobs attraktiver. "Die versicherungsfreie Zone auf dem deutschen Arbeitsmarkt würde dann immer größer", sagt Pothmer.

Die Arbeitsmarktexpertin befürchtet, dass damit insbesondere für Frauen das Risiko der Altersarmut weiter ansteige: "Oft genug erweisen sich für sie die Minijobs als berufliche Sackgasse", erklärt die Grünen-Bundestagsabgeordnete. Hinzu komme, dass mehr als drei Viertel aller Minijobber nur einen Niedriglohn gezahlt bekämen. Geringfügig Beschäftigten würden darüber hinaus oft gesetzliche Ansprüche wie die Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Urlaubsgeld vorenthalten.

him/afp



insgesamt 45 Beiträge
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jufo 21.09.2017
1. Wieviel Rente kann ein Minijobber erwarten?
Minijobber werden im Alter in die Grundsicherung fallen. Es sei denn sie heiraten gut. Wozu dann Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen? Aus Hoffnung auf eine steile Karriere?
colinchapman 21.09.2017
2. etwas wesentliches vergessen
viele lassen sich in Minijobs oder Teilzeitjobs von Rentenversicherungsbeiträgen befreien, weil sie eh im Alter nichts davon hätten. Meine Freundin steuert im Alter auf eine Rente marginal oberhalb des H4-Niveaus zu, will meinen: sie hat in die Rentenversicherung eingezahlt und hat dann am Ende ihres Arbeitslebens Anspruch auf monatliche Zahlungen, die sie im Wesentlichen auch bekommen hätte, wenn sie nie in die Rentenversicherung eingezahlt hätte. Viele Menschen steuern auf eine BfA-Rente zu, die kleiner als das H4-Niveau ist, will meinen, sie müssen im Alter ohnehin aufstocken. Dann verzichten sie lieber jetzt gleich auf die Aussicht, im Alter mehr als H4-Niveau zu haben, und haben dafür im Hier und Jetzt wenigstens etwas mehr. Daran ändert auch ein höherer Mindestlohn nichts, es ist quasi unmöglich, mit Teilzeitarbeit eine Rente oberhalb von H4-Niveau zu erreichen, selbst bei einem Stundenlohn von zehn Euro. Man könnte daraus isoliert übrigens in der Tat die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen ableiten, was allerdings noch andere - und noch schwerere - Ungerechtigkeiten fördern würde.
Graphite 21.09.2017
3. billiglohnland
natürlich müssen die C-Parteien und die FDP den Niedriglohnsektor in Deutschland weiter ausbauen! ansonsten drohen die Autobauer damit Arbeitsplätze zu streichen. und wie unsere Politiker nach der Pfeife der industrie tanzen hat man ja beim Dieselgipfel gesehen! Dass wir keine Rente mehr bekommen steht doch dank der GroKo schon längst fest! da braucht sich keiner Hoffnungen zu machen dass er von der staatlichen Versorgung leben kann! Dramatisch finde ich nur, dass Merkel wahrscheinlich wieder gewählt wird und somit die Bestätigung hat genau so weiter zu machen! Armes deutschland!
qoderrat 21.09.2017
4. Minijob
Soso, das Risiko der Altersarmut steigt für den Mini-Jobber. Wie wäre es denn wenn der Autor des Artikels einmal nachrechnet, auf welche Höhe sich der Rentenanspruch beläuft, den man bei Beitragszahlung auf Basis eines Minijobs erwirbt? Kleiner Tip fürs Ergebnis, wenn man sowieso in die Kategorie Anspruch auf Grundsicherung fällt, ist es egal ob ein Teil davon aus der Rentenkasse kommt oder nicht, die Gesamthöhe bleibt dieselbe. Der Unterschied liegt darin, dass man vor der Rente mehr verfügbares Einkommen hat wenn man nicht einzahlt. Aber es ist ja offensichtlich für einen nicht unerheblichen Anteil des Parteienspektrums gewünscht, dass möglichst viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse ermöglicht werden. Wenn dann die Betroffenen merken dass Sie sowieso verloren haben und keinerlei Anstrengungen mehr für die Altersvorsorge unternehmen will weil es sowieso sinnlos ist will man sie noch mit einem Artikel wie den vorliegenden ver... (darf ich jetzt nicht schreiben sonst wird nicht veröffentlicht). Verachtenswert, was anderes fällt mir dazu nicht mehr ein.
urbanism 21.09.2017
5. ca. 204 EUR Rente/Monat nach 45 Jahre
Also wenn ich 45 Jahre in einem Minijob mit 450 EUR/Monat arbeite und die Option zur Vollrente ausübe, bekomme ich eine Rente in Höhe von ca. 204 EUR/Monat. Also ich würde mal pauschal sagen, dass die Option zur Vollrente mich nicht aus dem Hartz IV heraus holen würde. Welchen Zweck hat dann also die Option bezogen auf die Altersarmut???
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