Studie Mobile Arbeiter schuften (gern) mehr

Wer außerhalb des Betriebs mit PC, Laptop oder Smartphone arbeitet, hat meist längere Arbeitstage als die Kollegen im Büro - ist aber trotzdem zufrieden.

Arbeiten im Homeoffice (Archivbild)
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Arbeiten im Homeoffice (Archivbild)


Zu Hause am Küchentisch, auf der Couch oder im Café - zum Arbeiten müssen viele Arbeitnehmer nicht mehr in der Firma sitzen. Fast 40 Prozent der deutschen Unternehmen bieten ihren Beschäftigten inzwischen die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten. Aber sind Mitarbeiter im Homeoffice wirklich produktiver und zufriedener?

Zumindest sind sie nicht unzufriedener. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Das zentrale Ergebnis ihrer Studie: Wer außerhalb des Betriebs mit PC, Laptop oder Smartphone arbeitet, hat meist längere Arbeitstage als die Kollegen im Büro, ist aber trotzdem genauso zufrieden.

Sogenannte mobile Computerarbeiter arbeiten im Schnitt rund vier Stunden pro Woche länger, halten die gewöhnlich für Arbeitnehmer geltenden Ruhezeiten von elf Stunden zwischen Arbeitsende und -beginn seltener ein und haben häufiger Arbeitstage von zehn Stunden oder länger. Das lasse sich zum Teil damit erklären, dass rund 20 Prozent der mobilen Computerarbeiter Führungskräfte seien, die ohnehin längere Arbeitszeiten haben, heißt es in der Studie.

"Darüber hinaus unterliegen mobile Computerarbeiter auch seltener Arbeitszeiterfassungssystemen", so die Wissenschaftler weiter. "Möglicherweise fällt es einigen Beschäftigten ohne Zeiterfassung auch schwerer, den Ausgleich von Mehrarbeit durch Freizeit einzufordern."

Genau davor warnen Kritiker. Eine Studie der Universität St. Gallen weist etwa darauf hin, dass die ständige Erreichbarkeit das Familienleben und die Gesundheit stark belasten können. Die IG Metall mahnt, die gesetzlichen Grenzen für Arbeitszeiten müssten auch im digitalen Wandel erhalten bleiben.

"Die Flexibilisierung der Arbeitszeit pauschal zu problematisieren, ist durch die Fakten nicht gedeckt", heißt es indes in der IW-Studie. "Bei der Arbeitszufriedenheit, die in Deutschland sowieso sehr hoch ist, gibt es keinen Unterschied", sagt Studienautor Oliver Stettes. "Es gibt insgesamt eine positive Wahrnehmung. Auch die mobilen Computerarbeiter signalisieren: Das passt so für mich." Die Balance entstehe, weil "diese Menschen dafür mehr Autonomie haben, das heißt, sie haben mehr Souveränität zu entscheiden: Wie arbeite ich, wann arbeite ich, was arbeite ich".

So gaben rund 63 Prozent der mobilen Computerarbeiter an, dass sie während der Arbeit jederzeit ein bis zwei Stunden für persönliche Angelegenheiten freinehmen können.

Für die IW-Studie "Mobiles Arbeiten in Deutschland und Europa" haben die Wissenschaftler Daten der Umfrage European Working Conditions Survey 2015 ausgewertet. Dafür wurden mehr als 43.000 Erwerbstätige aus 28 Ländern der Europäischen Union, der fünf Beitrittskandidaten Montenegro, Serbien, Türkei, Albanien, Mazedonien sowie der Schweiz und Norwegen befragt. Der IW-Auswertung für Deutschland lagen Angaben von über 1600 Angestellten zugrunde.

vet/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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ekel-alfred 01.09.2017
1. Stimmt!
Auch ich darf 50% meiner monatlichen Arbeitszeit von Zuhause aus arbeiten und finde diese Situation extrem genial. Morgens etwas länger schlafen zu können, keine Fahrtzeiten ins Büro haben zu müssen (Kostenersparnis, kein Stress), das ist schon Luxus. Dafür kann ich natürlich mein Stundenkonto nicht aufstocken, da Homeoffice Tage pauschal abgerechnet werden. Empfinde ich aber nicht als Problem. Ich möchte jedenfalls diese Art der Arbeit nicht mehr missen.
sw68 01.09.2017
2. Mehr Homeoffice entlastet Pendlerverkehr, Straßen & ÖPNV
Mehr Homeoffice entlastet den Pendlerverkehr, die Straßen (Staus), ÖPNV (überfüllte S-/U-Bahnen). Gerade in der gegenwärtigen Diskussion über überfüllte Straßen und kilometerlange Staus durch den Berufsverkehr und die damit zusammenhängende Feinstaub- und CO2-Belaßtung und oft überfüllte öffentliche Verkehrsmittel (ÖPNV) wäre mehr Homeoffice ein wichtiger und effektiver Schlüssel zur Lösung dieser Probleme. Ich bin deshalb für mehr Heimarbeit und ein gesetzlichen Anspruch auf einen Heimarbeitsplatz, wie er in den Niederlanden längst Realität ist und dort funktioniert das wunderbar. Leider scheitert es in Deutschland noch oft an ängslichen, 100%-Kontrolle haben wollenden Chefs, die Angst haben, ihre Angestellten würden zu Hause nicht effektiv genug arbeiten. Letztlich ist das Gegenteil der Fall, wie auch dieser SPON-Artikel bestätigt. Zu Hause ist man kreativer, weil man in einer entspannteren, vertrauteren Umgebung arbeitet und so arbeitet man auch gerne sogar etwas länger, weil einem nicht ständig der Chef im Nacken steht. Ich weiß wovon ich rede, weil ich zu Hause arbeiten kann und diese Freiheit viel mehr Entspannung und dadurch mehr Energie, Kreativität und Eigeninitiative in mir auslöst. Also liebe Chefs, seit mutiger und habt mehr Vertrauen in Eure Angestellten und gewährt und schafft Euren Angestellten mehr Heimarbeitsplätze, wo es der Job zuläßt. So habt Ihr zufriedenere, effektivere und gesündere Arbeitskräfte und gleichzeitig sorgt ihr für bessere Luft auf unseren Straßen durch eine Entlastung des Pendlerverkehrs, wodurch anstehende Fahrverbote vermieden werden können.
GoaSkin 01.09.2017
3. Wer mit einem Smartphone arbeitet, braucht halt länger
Mit einer Touch-Tastatur auf einem Briefmarken-Bildschirm lässt sich halt nicht mit zehn Fingern tippen. Dazu sund iOS- oder Android-Apps im Grunde eher ein Krampf, als zu irgend etwas zu gebrauchen. Aber die verblendete Hipster-Generation ist blind für jegliche Nachteile, die die Streichelsysteme so haben und möchte vor allen modern und cool sein. Wer mit dem Smartphone Home-Office macht, hat halt länger zu tun, bis er eine Mail oder ein Dokument geschrieben hat und muss somit länger arbeiten.
tbline67 01.09.2017
4. @GoaSkin
Hmm. Von der ihrerseits bemängelten Arbeit auf dem Smartphone oder Tablet steht da nichts. Diese Geräte dienen dem mobilen Arbeitenden als Kommunikationsmittel, nicht als IT Ersatz. Auch für Home Arbeitsplätze gibt es Arbeitsschutzregeln...
blurps11 01.09.2017
5.
Zitat von GoaSkinMit einer Touch-Tastatur auf einem Briefmarken-Bildschirm lässt sich halt nicht mit zehn Fingern tippen. Dazu sund iOS- oder Android-Apps im Grunde eher ein Krampf, als zu irgend etwas zu gebrauchen. Aber die verblendete Hipster-Generation ist blind für jegliche Nachteile, die die Streichelsysteme so haben und möchte vor allen modern und cool sein. Wer mit dem Smartphone Home-Office macht, hat halt länger zu tun, bis er eine Mail oder ein Dokument geschrieben hat und muss somit länger arbeiten.
Deswegen macht das ja auch kein Mensch, Hipster sind eben auch nicht dämlich.
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