Mutterschutz-Lockerung Das ändert sich für Schwangere ab 2018

Das Mutterschutzgesetz gilt seit 1952 und hat sich seitdem kaum verändert: Nun gibt es ab dem 1. Januar gleich mehrere Neuerungen. Frauen sind damit oft besser geschützt - und haben gleichzeitig mehr Freiheiten.

Schwangere im Büro
TMN/ Christin Klos

Schwangere im Büro


Vom 1. Januar 2018 an gelten neue Regeln für den Mutterschutz. Das Mutterschutzgesetz (MuSchG) stammt aus dem Jahr 1952 und wurde seitdem kaum angepasst. Dafür ändern sich mit der Neuregelung gleich mehrere Dinge. "Generell geht es in dem Gesetz aus meiner Sicht darum, Schwangerschaft nicht mehr als Krankheit zu sehen", sagt Kaja Keller, Anwältin und Expertin für Arbeitsrecht. Frauen bekommen zum Beispiel mehr Einfluss darauf, ob und wie sie während der Schwangerschaft weiterhin arbeiten wollen. Und gleichzeitig gibt es besseren Schutz - und zwar für mehr Frauen als zuvor.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Ausweitung: Ab dem 1. Januar gilt das MuSchG auch für Frauen, die bisher nicht darunter fielen. Das sind vor allem Schülerinnen und Studentinnen. "Das ist eine Art Teilschutz", erklärt Keller. "Sie dürfen also zur Schule gehen, müssen dann aber zum Beispiel nicht an Klausuren teilnehmen." Bisher blieb in solchen Fällen nur die Möglichkeit der Krankschreibung.
  • Einheitlichkeit: Auch für andere Frauen wird der Mutterschutz vereinheitlicht - für Beamtinnen und Soldatinnen etwa. Gar nicht geschützt sind damit nur noch Selbständige und Geschäftsführerinnen sogenannter juristischer Personen, einer GmbH etwa, wie Keller erklärt. Und nach wie vor gilt das MuSchG nur für Schwangere beziehungsweise leibliche Mütter nach der Geburt - nicht für Mütter generell. Adoptivmütter oder Frauen in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, die ein Kind nicht austragen, fallen also nicht darunter.
  • Druck und Gefahr: Jeder Arbeitgeber muss bis Ende 2018 alle Arbeitsplätze in seinem Betrieb daraufhin untersuchen, ob Schwangere oder stillende Mütter dort gefahrlos arbeiten können. Ob dort gerade Frauen oder Männer sitzen, spielt keine Rolle. "Das bedeutet für die Arbeitgeber teilweise erheblichen Aufwand, für den Schutz der Schwangeren ist es aber ein großer Schritt", sagt Keller. Zudem schützt das Gesetz Mütter besser vor der Arbeit unter Druck. "Da ist aber unklar, ob damit nur Akkordarbeit oder auch andere Formen gemeint sind."
  • Nacht- und Feiertagsarbeit: Bisher durften werdende und stillende Mütter an Sonntagen, Feiertagen und nachts generell nicht arbeiten. Das ändert sich jetzt, zumindest etwas: Nach der neuen Regelung sind Sonn- und Feiertagsarbeit sowie Nachtarbeit zwischen 20.00 und 22.00 Uhr erlaubt. Beides geht allerdings nur, "wenn beide Seiten, also insbesondere die Schwangere, zustimmen, der Arzt das erlaubt und die zuständige Aufsichtsbehörde zustimmt", wie Keller erklärt. An Sonn- und Feiertagen dürfen Schwangere außerdem nicht allein arbeiten.

Dazu kommen einige Änderungen im Mutterschutzgesetz, die bereits Mitte 2017 in Kraft getreten sind:

  • Für Frauen, die nach der zwölften Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt hatten, gibt es einen besonderen Kündigungsschutz von vier Monaten - also genau wie bei einer planmäßig verlaufenden Schwangerschaft und Geburt. Bisher galt das Gesetz in diesem Fall nicht.
  • Mütter von Kindern mit Behinderung haben nach der Geburt länger Anspruch auf Mutterschutz: Sie können die Schutzfrist von acht auf zwölf Wochen ausdehnen.

koe/dpa



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firenafirena 22.11.2017
1. Fortschritt? Rückschritt!
Ist ja nett, dass Schwangere zukünftig selbst entscheiden dürfen, ob sie nachts oder am Wochenende arbeiten wollen. Ich sehe es vor mir, wie es den unzähligen Frauen mit befristeten Stellen gehen wird. "Wie schade, dass ihr Vertrag bald ausläuft. Doch wenn sie FREIWILLIG am Wochenende arbeiten, können wir vielleicht etwas regeln!" Bei projektbezogener Befristung (Forschung, Universität, etc.) enden Verträge, egal ob schwanger oder nicht. Diese neue "Freiheit der Frau" ist nichts als eine getarnte Aushebelung der Rechte von Schwangeren.
felisconcolor 22.11.2017
2. Die
Zitat von firenafirenaIst ja nett, dass Schwangere zukünftig selbst entscheiden dürfen, ob sie nachts oder am Wochenende arbeiten wollen. Ich sehe es vor mir, wie es den unzähligen Frauen mit befristeten Stellen gehen wird. "Wie schade, dass ihr Vertrag bald ausläuft. Doch wenn sie FREIWILLIG am Wochenende arbeiten, können wir vielleicht etwas regeln!" Bei projektbezogener Befristung (Forschung, Universität, etc.) enden Verträge, egal ob schwanger oder nicht. Diese neue "Freiheit der Frau" ist nichts als eine getarnte Aushebelung der Rechte von Schwangeren.
vorige Regelung war aber diskriminierend gegenüber schwangeren Frauen. Für die genannten Zeiten gibt es in den meisten Branchen Zeit- oder Geldzuschläge, welche mit einer Schwangerschaft wegfielen. Und gegen ihre zitierte Erpressungsmethode gibt es eine ganz einfache Lösung. Der jeweilige Arbeitgeber möge dieses bitte schriftlich festhalten. Ein Exemplar für den AG eines für den AN. Fertig ist die Laube. Und ansonsten enden halt Verträge wenn sie enden und bei einem AG welcher mich so erpressen will, will ich eh nicht länger arbeiten.
bafibo 22.11.2017
3.
Zitat von firenafirenaIst ja nett, dass Schwangere zukünftig selbst entscheiden dürfen, ob sie nachts oder am Wochenende arbeiten wollen. Ich sehe es vor mir, wie es den unzähligen Frauen mit befristeten Stellen gehen wird. "Wie schade, dass ihr Vertrag bald ausläuft. Doch wenn sie FREIWILLIG am Wochenende arbeiten, können wir vielleicht etwas regeln!" Bei projektbezogener Befristung (Forschung, Universität, etc.) enden Verträge, egal ob schwanger oder nicht. Diese neue "Freiheit der Frau" ist nichts als eine getarnte Aushebelung der Rechte von Schwangeren.
Den Arbeitgeber möchte ich sehen, der eine befristet angestellte Schwangere mit einer Entfristung zu ködern oder gar zu Wochenendarbeit zu erpressen versucht, mit dem monatelangen Ausfall dieser Frau vor Augen - und eventueller Erweiterung durch Elternzeit. Entweder ist der AG froh, die Frau loszuwerden, bevor sie ernsthaft Kosten verursacht, oder sein Interesse an der Weiterbeschäftigung ist so groß, daß er sich auch durch die voraussehbaren Beschränkungen nicht irre machen läßt - womit er dann auch auf einen Wochenendeinsatz verzichten kann. Eher unwahrscheinlich das zweite, aber nicht unmöglich.
firenafirena 22.11.2017
4.
Zitat von felisconcolorvorige Regelung war aber diskriminierend gegenüber schwangeren Frauen. Für die genannten Zeiten gibt es in den meisten Branchen Zeit- oder Geldzuschläge, welche mit einer Schwangerschaft wegfielen. Und gegen ihre zitierte Erpressungsmethode gibt es eine ganz einfache Lösung. Der jeweilige Arbeitgeber möge dieses bitte schriftlich festhalten. Ein Exemplar für den AG eines für den AN. Fertig ist die Laube. Und ansonsten enden halt Verträge wenn sie enden und bei einem AG welcher mich so erpressen will, will ich eh nicht länger arbeiten.
Glauben Sie wirklich, so eine Absprache wird ehrlich dokumentiert, wenn Druck dabei war? Ach, und dann soll man mal versuchen, als Schwangere woanders einen Job zu bekommen!
Nordstadtbewohner 22.11.2017
5. Nicht ganz verständlich
"Jeder Arbeitgeber muss bis Ende 2018 alle Arbeitsplätze in seinem Betrieb daraufhin untersuchen, ob Schwangere oder stillende Mütter dort gefahrlos arbeiten können." Das ist grundsätzlich richtig. Aber ist dieser Passus wirklich notwendig? Ich meine, wenn mein Arbeitsplatz als "Nichtstiller" und Nichtschwangerer sicher ist, dann ist das doch auch für Schwangere und stillende Mütter der Fall. Jeder Arbeitsplatz sollte gefahrlos sein und zwar ungeachtet des körperlichen Zustandes.
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