Chef, Amt, Geld Nebenjob in der Elternzeit - was erlaubt ist und was nicht

Viele wissen es gar nicht: Auch in der Elternzeit darf man arbeiten, sogar für andere Firmen. Man muss allerdings folgende Punkte beachten.

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Sie haben ein Problem:

Konnte ja keiner ahnen, dass Ihre Elternzeit so gut läuft. Andere Kollegen hatten sie gewarnt: "Mach nicht zu viele Pläne, sonst bist du hinterher enttäuscht, weil so viel liegenbliebt." Aber ihr Kind hat sich ganz schnell in der Kita eingelebt. Eingewöhnung mit Mama? Nach einer Woche haben die Erzieher Sie praktisch nicht mehr gebraucht.

Jetzt haben Sie das Angebot eines Schulfreundes: Er möchte die Webseite seines Handwerksbetriebs überarbeiten lassen, die Sie ihm vor Jahren eingerichtet haben. Ein netter Job - und Sie haben Zeit.

Aber: Damals, als Sie die Webseite konzipiert haben, waren Sie noch Freiberuflerin. Jetzt sind Sie Angestellte in Elternzeit, Ihre Firma betreut die Netzauftritte großer Konzerne. Deshalb stellen Sie sich die Frage, ob Sie das Angebot des Schulfreundes überhaupt annehmen dürfen.

Das könnte helfen:

Eine Genehmigung von Ihrem Chef. Denn ganz grundsätzlich gilt: Nebenjobs in der Elternzeit sind durchaus möglich. Aber die Firma, die Sie normalerweise regelmäßig bezahlt, hat Vorrang. Deswegen ist so ein Nebenjob genehmigungspflichtig.

Die Chancen stehen dabei gar nicht so schlecht, denn ein Arbeitgeber kann nicht einfach aus einem Bauchgefühl heraus den Nebenjob verbieten. Er muss gewichtige betriebliche Gründe benennen, die dagegensprechen. Zum Beispiel kann das ein Interessenkonflikt sein, etwa wenn die andere Firma ein potenzieller Kunde ist.

In diesem konkreten Fall wäre das noch die Frage. Einerseits treten Sie mit dem Job in Konkurrenz zu Ihrem Arbeitgeber - der könnte so einen Webseiten-Relaunch theoretisch ja auch machen. Andererseits sind es sonst viel größere Kunden, für die Ihre Firma arbeitet. Gut möglich, dass sie solche Kleinaufträge sonst gar nicht annimmt, dann wäre Ihr beruflicher Ausflug unproblematisch.

Das muss man abwarten. Theoretisch kann man so etwas auch vor Gericht klären. Aber bis die Justiz damit fertig ist, ist Ihre Elternzeit schon vorbei. Und ist ein so kleiner Einsatz den Ärger wert?

Das müssen Sie beachten:

  • Auf jeden Fall sollten Sie den Antrag schriftlich stellen. Ein formloser Brief mit kurzer Begründung reicht. Denn dann können Sie eine arbeitnehmerfreundliche Regel für sich wirken lassen: Der Arbeitgeber hat vier Wochen Zeit, auf Ihren Antrag zu antworten. Tut er es in dieser Frist nicht, wird das als Zustimmung gewertet. Wollen Sie Ärger vermeiden, sollten Sie mit dem neuen Job allerdings auch so lange warten.
  • Da Sie in der Elternzeit ja auch Geld vom Staat bekommen, müssen Sie die einschlägigen Regeln befolgen. Damit ist ein Nebenjob auf 30 Stunden pro Woche begrenzt, schließlich soll ja eigentlich Ihr Nachwuchs im Mittelpunkt stehen.
  • Außerdem wird der Zuverdienst aufs Elterngeld angerechnet. Das beträgt stets mindestens 300 Euro, aber darüber hinaus macht sich der Nebenjob auf jeden Fall bemerkbar. Am besten Sie klären frühzeitig, ob sich der Nebenverdienst dann überhaupt lohnt. Die Berechnungsformel ist kompliziert, pauschal lässt sich das nicht sagen. Aber der Elterngeldrechner des Bundesfamilienministeriums ist eine große Hilfe. Nutzen Sie statt der "Schnellberechnung" den Punkt "Zur ausführlichen Berechnung" unten auf der Seite.

Dass Sie den Nebenjob der Elterngeldstelle melden müssen, versteht sich ja von selbst. Und auch die Sozialabgaben sollten Sie klären.

Und sonst so?

Zwischen Zustimmung und Ablehnung gibt es noch eine dritte Variante: Ihr Chef genehmigt zwar nicht den Job bei Ihrem Schulfreund, aber fragt, ob Sie unter diesen Umständen nicht früher aus der Elternzeit zurückkehren können. Tatsächlich hat sein Interesse juristisch gesehen Vorrang. Allerdings müssen Sie so eine Regelung nicht unbedingt schlucken. Legen Sie Ihre Einwände schriftlich dar, etwa, wenn nur der freie Auftrag die zeitliche Flexibilität bietet, die Sie in der Elternzeit brauchen.

Mit Material von dpa



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