Neun Urlaubstipps für Chefs Mails checken, Sandburgen bauen

Der Job ist stressig - deshalb soll der Urlaub so richtig erholsam sein. Aber wie und wo kommt man am besten runter? Neun Ratschläge vom Gesundheitsprofi.

Wanderer in Frankreich: "Ihr Urlaubsort verrät nichts über Ihre soziale Stellung"
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Wanderer in Frankreich: "Ihr Urlaubsort verrät nichts über Ihre soziale Stellung"


1. Urlaubsziel
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Urlaub besitzt einen hohen Statusfaktor. Das "Ich war in Australien" klingt vermeintlich besser als das "Ich war am Bodensee". Aus medizinischer Sicht ist das verkehrt. Im Sommer muss niemand für einen Urlaub Europa verlassen und sich den Stress von Interkontinentalflügen antun. Der Erholungseffekt ist bei einem überlangen oder verspäteten Langstreckenflug zum Teil bei der Ankunft in Deutschland schon wieder verpufft.

Wandern in den Alpen, Radfahren an der Nordsee, ein Hausboottrip auf den Kanälen Frankreichs - es gibt viele Möglichkeiten ganz in der Nähe und ohne den Stress mit Übergepäck, ungünstigen Flugzeiten und Jetlag Urlaub zu machen.

Also: Urlaubsziele nicht nach sozialer Akzeptanz oder Prestige-Gesichtspunkten auswählen. Ihr Urlaubsort verrät nichts über Ihre soziale Stellung.


2. Urlaubsdauer
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Gerade Unternehmer halten Urlaub für ein "sozialpolitisches Missverständnis". Das "Immer für die Firma da sein" und das "Ich brauche keinen Urlaub" prägen immer noch die Sichtweise von vielen Leistungsträgern der Wirtschaft.

Das ist aber falsch. Wer viel leistet, muss die Batterien aufladen. Der Trend zu Kurzurlauben ist dabei aus medizinischer Sicht nicht hilfreich. Im Beruf ist es wie im Sport. Ohne Stress keine Leistung, aber auch ohne Erholung keine Leistung. Anspannung und Entspannung sind erforderlich, um besonders leistungsfähig zu sein. Beruflich engagierte Menschen können dabei erst nach einigen Tagen wirklich abschalten und sich innerlich von Job und Stress verabschieden. Ich empfehle daher einen zweiwöchigen Sommerurlaub. Erst dann tritt ein wirklicher Entspannungseffekt ein.


3. Handy und Laptop
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Smartphone, Tablet und Laptop sind zu ständigen Reisebegleitern von Führungskräften geworden - und das ist auch gut so. Die Erreichbarkeit gewährleistet das beruhigende Gefühl, dass man im Notfall eingreifen kann. Natürlich wäre ein Urlaub fernab der Handynetze in der Wildnis in puncto Entspannung ideal, das ist aber zumeist nicht die Realität.

Deshalb der Tipp: Zweimal am Tag, etwa am Morgen und vor dem Abendessen, jeweils für eine halbe Stunde konzentriert Mails abarbeiten und Telefonate führen. Ansonsten bleibt das Handy aus. So können Sie auch dafür sorgen, dass Sie nach der Rückkehr aus dem Urlaub nicht von einer Mailflut und schlechten Nachrichten erschlagen werden. Und die Familie muss Sie nicht ständig mit dem Handy teilen.


4. Seele baumeln lassen
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Der Urlaub ist auch dafür da, die übliche Disziplin des Alltags ein wenig schleifen zu lassen. Ausschlafen, Faulenzen, Mittagsschlaf, Feiern. Nicht getrieben werden von dem Druck, etwas leisten zu müssen.

Auch die Seele baumeln zu lassen, gehört zur Entspannung im Urlaub. Geben Sie dem Tag die Chance auf Spontaneität. Planen Sie nicht jede Einzelheit im Urlaub. Nur so kommt man auf andere Gedanken und es gelingt, ein wenig abzuschalten.


5. Aktive Urlaubsgestaltung
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Finden Sie die richtige Balance zwischen dem entspannten Nichtstun und sinnvollen Aktivitäten.

Natürlich sollte der Urlaub auch dazu dienen, Sport zu treiben oder bewusster zu essen. Als Arzt rate ich zu einer aktiven Urlaubsgestaltung. Im Urlaub ist Zeit, sich intensiver als sonst um Körper und Geist zu kümmern und sich so auf ein besseres gesundheitliches Niveau zu bringen. Das Auftanken im Urlaub hat viel mit den richtigen Aktivitäten zu tun.

Gerade für Führungskräfte, die mit Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu tun haben, ist die Urlaubszeit ideal, um die körperliche Verfassung zu verbessern.


6. Urlaubszeit ist Beziehungszeit
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Bei vielen Managern kommen im Berufsalltag die Partner zu kurz. Die Firma geht vor, lautet das Mantra, unter dem die Familie häufig leidet. Der gemeinsame Sommerurlaub ist da die beste Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen.

Ich finde es schrecklich, wenn ich Familien im Urlaub sehe, bei denen jeder Einzelne sein Ding macht und man sich vielleicht gerade einmal zu den Mahlzeiten sieht. Im Urlaub können Sie wunderbar über ihr Leben reflektieren und mit Ihren Partnern Gespräche führen, die über den Tellerrand des Alltags hinausblicken.


7. Urlaubszeit ist Kinderzeit
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Was für den Partner zutrifft, gilt natürlich auch für die Kinder. Stellen Sie sich der Verantwortung als Vater oder Mutter und nehmen Sie sich im Urlaub besonders viel Zeit für Ihre Kinder. Kinder geben Leichtigkeit und vermitteln Lebenslust. Sandburgen bauen, Brettspiele, Basteln.

Der Kontakt zum eigenen inneren Kind, der im Berufsleben verloren geht, kann in den Urlaubstagen wieder aufgefrischt werden.


8. Routinebruch
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Der berufliche Alltag von Führungskräften ist im Wesentlichen von eingeübten Tätigkeiten geprägt. Der Sommerurlaub bietet eine gute Chance, neue Dinge auszuprobieren. Menschen tendieren aber dazu, auch im Urlaub das zu tun, was sie am besten können und am liebsten tun.

Dabei ist ein ausgiebiger Urlaub dazu geeignet, aus Routinen und ausgetretenen Wegen auszubrechen und gemeinsam mit der Familie neue Dinge auszuprobieren. Was das am Ende ist, ist weitgehend egal. Hauptsache es macht Spaß. Für die Funktionsfähigkeit des Gehirns ist es äußerst förderlich, neue Dinge zu erkunden.


9. To-do-Liste für die Rückkehr vorbereiten
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Führungskräfte plagen vor Antritt eines längeren Urlaubs oder eines Sabbaticals gelegentlich Verlustängste. Ist mein Schreibtisch nach der Auszeit noch da? Mit welchen Schwierigkeiten bin ich nach der Rückkehr konfrontiert? Sind während meiner Abwesenheit Intriganten, Mobber und Jobmeuchler am Werk?

Auch wenn diese Vorstellungen im Einzelfall nicht von der Hand zu weisen sein mögen, kann es helfen, sich vor dem Urlaub darüber klar zu werden, welches die ersten beruflichen Schritte und Aktivitäten nach dem Urlaub sein sollten. Eine solche To-do-Liste fördert das Abschalten. Man weiß ja, was nach der Rückkehr zu tun ist.

Curt Diehm
  • Max Grundig Klinik
    Curt Diehm ist Ärztlicher Direktor der Max Grundig Klinik in Baden-Baden.
insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
fraucaushh 06.07.2016
1. Das Kind als Therapiehund.
Eltern, die mit solcher Argumentation zu ihren Kindern "getrieben" werden müssen, wären besser keine geworden.
cedebe 06.07.2016
2. Dauer des Urlaubs
Es mag stimmen, dass man bei starkem Stress länger Urlaub nehmen sollte, ich bin aber der Meinung, dass mehrere "Kurz"-Urlaube über das Jahr verteilt dazu beitragen, den Stress gar nicht erst zu einem dauerhaftdn Extrem werden zu lassen. Auch die Flut an Themen, die asap nachgearbeitet werden müssen, hält sich in Grenzen, wenn man nur bis zu einer Woche abwesend war. Von den typischen drei Wochen Sommerurlaub und dann nochmal eine Woche Weihnachten halte ich deutlich weniger...
cleoti 06.07.2016
3. wenn Sie
Ihren Laden zweimal am Tag checken müssen, haben Sie Ihre(n) Laden nicht im Griff. Ich checke höchstens zweimal die Woche.
troy_mcclure 06.07.2016
4.
Zitat von fraucaushhEltern, die mit solcher Argumentation zu ihren Kindern "getrieben" werden müssen, wären besser keine geworden.
Allerdings; wer aufgrund der Arbeit den Kontakt zu seinen Kindern verliert, der tut mir leid.
cabeza_cuadrada 06.07.2016
5. Kurzurlaub
Zitat von cedebeEs mag stimmen, dass man bei starkem Stress länger Urlaub nehmen sollte, ich bin aber der Meinung, dass mehrere "Kurz"-Urlaube über das Jahr verteilt dazu beitragen, den Stress gar nicht erst zu einem dauerhaftdn Extrem werden zu lassen. Auch die Flut an Themen, die asap nachgearbeitet werden müssen, hält sich in Grenzen, wenn man nur bis zu einer Woche abwesend war. Von den typischen drei Wochen Sommerurlaub und dann nochmal eine Woche Weihnachten halte ich deutlich weniger...
Bei einem Kurzurlaub ist man aber leider auch nur "kurz" weg und damit auch nicht sehr weit entfernt vom Heimatort. Das ist mir persönlich zu stressig. Kurzurlaub mache ich auch sehr sehr oft, dann aber nur von Freitag Nachmittag bis Sonntag Nachmittag. Dafür dann im Sommer gleich 3-4 Wochen am Stück ab in die Ferne. Aber jeder erholt sich natürlich anders wobei ich die "Erholung" nicht wirklich nötig habe.
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