Geflüchtet aus Venezuela Im Untergrund

Mit seiner Geige trotzte er Wasserwerfern und Tränengas: Wuilly Arteaga, 24, wurde zum Symbol des Widerstands gegen Venezuelas Präsident Maduro. Heute spielt er auf "einer der tollsten Bühnen der Welt", wie er sagt - in der U-Bahn New Yorks.

AP

In Schwaden aus Tränengas ist ein Mann zu erkennen, er steht mitten auf der Straße, vor ihm ein Wasserwerfer und Dutzende schwer bewaffnete Polizisten. In der Hand hält er eine Geige - und spielt.

Fotos dieser Szene aus Venezuela gingen im Frühjahr 2017 um die Welt. Der Geiger heißt Wuilly Arteaga, und zusammen mit Tausenden protestierte er damals gegen die sozialistische Regierung von Präsident Nicolás Maduro und für die Freilassung politischer Häftlinge.

Demonstranten und Sicherheitskräfte lieferten sich heftige Straßenschlachten, mehr als hundert Menschen starben, Dutzende wurden inhaftiert, darunter auch Arteaga. 19 Tage saß er im Gefängnis. Dort sei er von den Wärtern mit Eisenrohren geschlagen worden, sagt er. Auf dem rechten Ohr sei er seither taub.

Nun, eineinhalb Jahre später, spielt er noch immer Geige, aber nicht mehr in seinem Heimatland, sondern in New York - auf "einer der tollsten Bühnen der Welt", wie er sagt: in der U-Bahn.

200 Dollar in vier Stunden

In einer Ecke der U-Bahn-Haltestelle Times Square lässt der 24-Jährige seinen Bogen über die Saiten gleiten. Eine Gruppe junger Leute tanzt zu seiner Musik, Venezolaner begrüßen ihn. 200 Dollar verdient er so in vier Stunden. Sein Traum: Ein Album aufzunehmen und eines Tages auf größeren Bühnen zu spielen.

Das Geigenspielen lernte er in einem staatlichen Jugendorchester in Valencia. "El Sistema", wie der Verbund der Orchester und Chöre genannt wird , ermöglicht es Kindern aus armen Verhältnissen, ein Instrument zu erlernen. Auch Stardirigent Gustavo Dudamel kam so zu seinem Beruf.

Doch Arteaga hadert mittlerweile mit der Institution. "Einer meiner Kollegen wurde bei den Protesten getötet, und trotzdem hat die Leitung von 'El Sistema' weiterhin die Regierung von Nicolás Maduro unterstützt", sagt er.

Auch in Venezuelas Hauptstadt Caracas spielte er in der Metro, aber dort ständig in Angst vor der Polizei. "Sie haben mir meine Geige weggenommen", sagt er. "Ich lebte auf der Straße, manchmal habe ich im Müll nach Essen gesucht."

In die USA kam er durch eine Einladung der Stiftung Human Rights Foundation, sie bemüht sich nun um ein Visum für ihn. "Wuilly zeigt, wie man friedlich Widerstand gegen die Gewalt leisten kann", sagt Stiftungsanwalt Roberto González.

Gebracht hat sein Protest freilich wenig: Im Machtkampf mit Maduro haben die Demonstranten den Kürzeren gezogen. Der Präsident hat das von der Opposition kontrollierte Parlament entmachtet und sich für eine weitere Amtszeit wiederwählen lassen. Heute ist die Opposition zerstritten, Maduros Regierung stärker denn je. Und das Land leidet unter gravierenden Versorgungsengpässen. Nach Angaben der Uno sind bereits mehr als zwei Millionen Menschen ins Ausland geflohen.

mje/dpa

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