Diskriminierung in der NFL Cheerleaderin wegen Instagram-Post gekündigt

Einer NFL-Cheerleaderin wird gekündigt - wegen eines angeblich zu freizügigen Instagram-Posts. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Ungleichbehandlung im US-Profi-Football. Und dessen antiquiertes Rollenbild.

Cheerleaderinnen der Baltimore Ravens (Archivbild)
Getty Images

Cheerleaderinnen der Baltimore Ravens (Archivbild)


Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einem Unternehmen, das Frauen vorschreibt, ein Restaurant zu verlassen, sobald ein männlicher Kollege dort aufkreuzt. Oder das Frauen verpflichtet, sorgfältig darauf zu achten, ihre männlichen Kollegen in sozialen Netzwerken zu blocken, wenn diese ihnen folgen. Ein Unternehmen, das Verstöße gegen diese Vorschriften umgehend mit Kündigung bestraft - umgekehrt aber keinerlei derartige Regeln für seine hochbezahlten männlichen Angestellten aufstellt.

In den USA macht nach einem Artikel in der "New York Times" derzeit ein Rechtsstreit Schlagzeilen, in dem es um solch ein Unternehmen geht, ein sehr bekanntes Unternehmen. Die New Orleans Saints sind ein Team der National Football League (NFL), und wie bei den meisten NFL-Teams gehört dazu nicht nur eine hochbezahlte Profi-Football-Mannschaft, sondern auch eine Cheerleading-Gruppe, die Saintsations.

Drei Jahre lang war Bailey Davis bereits Cheerleaderin bei den Saintsations, als sie im Januar ein Bild auf Instagram postet. Die 22-Jährige hat ihren Account auf den privaten Modus geschaltet - das heißt, nur Benutzer können das Bild sehen, die sie selbst zuvor freigeschaltet hat. Auf dem Foto ist Davis zu sehen, sie trägt einen Body mit viel Spitze und viel Durchblick, zeigt aber auch nicht mehr, als an jedem Badestrand in den tendenziell wenig freizügigen USA zu sehen ist. (Wer sich selbst ein Urteil bilden will - die Herald-Tribune-Journalistin Nicole Rodriguez hat das Bild über Twitter verbreitet.)

Wenige Tage nach ihrem Instagram-Post wird Davis gefeuert. Die Begründung: Sie habe gegen die Vorschrift verstoßen, wonach Cheerleaderinnen sich öffentlich weder nackt noch halbnackt oder in Reizwäsche präsentieren dürfen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie kurz zuvor angeblich auf einer Party gesehen wurde, auf der auch ein NFL-Spieler anwesend gewesen sein soll - Davis bestreitet das, es gibt auch keine Belege dafür.

Man kann bereits darüber streiten, ob Davis auf dem Bild wirklich Reizwäsche trägt, abgesehen davon, dass die Berufskleidung von Cheerleaderinnen - auch die der Saints - an sich dann bereits sicher gegen die Kleidervorschrift verstößt. Das legt ein weiterer, nicht inkriminierter Instagram-Post von Davis von vor einem halben Jahr nahe:

Noch wackeliger wird die Begründung, weil die Cheerleaderin ihren Instagram-Account ja bewusst in den Privatmodus umgestellt hat, um ihre Bilder eben nicht der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Allerdings wählt Davis nicht diesen Ansatz, um gegen die Kündigung vorzugehen, sondern stellt die Vorschriften grundsätzlich infrage - weil sie Männer und Frauen eklatant ungleich behandeln. Bereits seit Mitte der Sechzigerjahre geht eine US-Behörde, die Equal Employment Opportunity Commission (EEOC), gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz vor, sei es aufgrund des Geschlechts, der Religion, des Alters oder der Ethnie. Bei der EEOC hat Davis Beschwerde eingereicht.

Anlass für eine solche Beschwerde bieten die Vorschriften bei den Saints laut der "New York Times" reichlich: So müssen die Cheerleaderinnen jeden Kontakt zu NFL-Spielern vermeiden, sowohl direkten als auch online. Den Spielern selbst drohe jedoch keinerlei Sanktion, wenn sie den Kontakt zu Cheerleaderinnen suchen. Konkret seien die Frauen verpflichtet, alle der fast 2000 NFL-Spieler zu blocken, wenn diese ihnen auf sozialen Netzwerken folgen - was gar nicht so einfach ist, weil viele Spieler dort nicht unter ihrem Klarnamen unterwegs sind. Eine entsprechende Vorschrift für die Spieler selbst gibt es nicht.

Vorschriften zum "Schutz der Frauen"

Das Kontaktverbot geht sogar so weit, dass die Cheerleaderinnen der Saints ein Restaurant verlassen müssen, wenn sich dort auch ein Spieler aufhält - selbst wenn dieser nach ihnen eintrifft, ist es die Frau, die gehen muss. Auch die Vorschrift, wegen der Davis nun gekündigt wurde, gilt nur für Frauen: Für die Spieler der Saints gibt es keine Vorschrift, die es ihnen verbietet, sich aufreizend zu präsentieren. Und während die Cheerleaderinnen auch keine Bilder verbreiten dürfen, die sie im Saints-Outfit zeigen, ist das den Profis der Football-Mannschaft nicht verboten.

Als perfide empfindet Davis' Rechtsanwältin Sara Blackwell die Begründung, mit der die Saints die rigiden Vorschriften für die Cheerleaderinnen rechtfertigt: Diese dienten demnach dem Schutz der Frauen - vor Nachstellungen und Belästigungen seitens der Spieler. Es könne nicht angehen, so Blackwell, dass der Arbeitgeber dafür allein den Frauen Vorschriften mache und es so als ihre Aufgabe definiere, nicht belästigt zu werden.

"Das veraltete Stereotyp der Frauen, die sich zu ihrem eigenen Schutz zu verstecken haben, ist in Amerika nicht erlaubt - und schon mal gar nicht am Arbeitsplatz", sagte Blackwell der "New York Times".

Noch ist offen, ob Bailey Davis mit ihrer Beschwerde bei der EEOC erfolgreich sein wird. Experten räumen ihr zumindest keine schlechten Chancen ein. Doch selbst wenn - zu den Saintsations zurückkehren möchte Davis ohnehin nicht. Dort hätte sie in ihrem vierten Jahr ganze 10,25 Dollar in der Stunde verdient, kein Vergleich zu den Millionengehälter der Spieler. Nach vier Jahren ist die Karriere der Cheerleaderinnen so oder so beendet, die die meisten neben ihrem Universitätsstudium betreiben, die aber durchaus viel Zeit für Training und Pflichtauftritte auch außerhalb der NFL-Spiele beansprucht.

Sie kämpfe, so Davis in der NBC-Today-Show, um anderen und künftigen Cheerleaderinnen zu ermöglichen, ihren geliebten Sport auszuüben und sich dabei geschützt und bestärkt zu fühlen.

fdi



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
clausina 31.03.2018
1. Viel Erfolg
ich hoffe sehr Sie klagt erfolgreich und kippt dieses System ..
Lankoron 31.03.2018
2. Was ich schon
ewig nicht verstehe, ist diese grauenvolle Bezahlung der Cheer´s. Es handelt sich und Multi-Milliarden-Unternehmen, die an den Gehältern von 20 Frauen sparen. Von den rigiden Vorschriften zum Umgang mit Spielern mal ganz abgesehen....es muss doch klar sein, dass dabei Probleme auftreten. Das man etwas gegen Beziehungen hat, ok, kann ich nachvollziehen. Aber der Rest ist dermassen antiquiert und falsch, das verstehe ich einfach nicht.
Atheist_Crusader 31.03.2018
3.
Alleine die Existenz von Cheerleadern im Profisport ist Zeichen eines fundamentalen Ungleichgewichts: die Männer schwitzen und kämpfen, die Frauen bejubeln sie. Und ja, mir ist bekannt, dass Cheerleading auch ein eigenständiger Sport ist. Das macht es aber nur unwesentlich besser. Der Profisport ist voll von solcher Doppelmoral. Spitzenspieler können mal eben ihre Freundin krankenhausreif prügeln und bekommen vom Verein nicht ein böses Wort zu hören, aber wenn eine Frau deren Job es ist Haut zu zeigen mal ein klein bisschen zu viel Haut zeigt, dann ist das Kündigungsgrund. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.
neonerl 31.03.2018
4. Die Welt spinnt.
Was ist daran bitte ein fundamentales Ungleichgewicht? Etwa weil die Frauen nicht schwitzen und kämpfen, sondern nur Jubeln? Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die einen machen harten Sport bis zur Selbstverstümmelung und die Damen hüpfen ein bisserl im Kreis. Im Grunde sind sie so wichtig für den Sport wir die Farbe der Feldmarkierung. Warum tun sich die Menschen mittlerweile so schwer Kausalitäten zu erkennen? Ohne die Spieler, kein Sport und auch keine Cheerleader. Aber ohne Cheerleader gäbe es trotzdem Spieler und den Sport. Die Cheerleader sind die Unwichtigsten hier. Deshalb müssen sie auch die schlechtesten Bedingungen akzeptieren. Es zwingt sie ja auch keiner. Niemand beschwert sich darüber, daß Putzkräfte in einem Wirtschaftsunternehmen schlechtere Arbeitsbedingungen haben als der Vorstand. Warum wird dann jetzt hier gejammert? Natürlich, weil mal wieder Männer gegen Frauen stehen. Allmählich geht einem dieser PC Blödsinn so auf die Nerven, daß ich allmählich die Lust auf den Spiegel verliere.
afaru 31.03.2018
5. Ja was den nun?
Sollen die Frauen nun geschützt werden oder nicht? Soll es nun Quotenfrauen geben oder nicht? Warum nicht alle Cheerleader abschaffen. Sollen doch die Frauen in der Pflege, oder im Bergbau, als Hausfrau, als Soldatin an der Front, oder aber mit sinnvollem Studienabschluss (nicht gerade Genderstudies oder Sozialpädgogik) dann vielleicht Ingenieur und Erfinder in einem Unternehmen werden, und sich Ihr Brot mal mit was anderem als Ihrem Körper verdienen.
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