Karriere mit noblen Namen König schlägt Bauer

Die Kollegen Becker, Koch oder Fischer müssen jetzt ganz tapfer sein: Sie werden seltener Chef als Herr Kaiser oder Herr König. Eine Studie zeigt, dass Nachnamen edlen Klanges leichte Karrierevorteile bringen.

Von Helene Endres

Schachmatt! Wer König oder Kaiser heißt, hat's beruflich offenbar leichter
Corbis

Schachmatt! Wer König oder Kaiser heißt, hat's beruflich offenbar leichter


Manchmal ist das Leben so ungerecht. Auf dem Berufsweg hat jeder sein Päckchen zu tragen, ohne es komplett selbst schnüren zu können. Mit dem Einfluss von Geschlecht und Herkunft etwa haben sich schon etliche Forscher beschäftigt, ebenso mit dem Faktor Attraktivität - zumeist mit dem Ergebnis, dass blendendes Aussehen klare Vorteile auf dem Arbeitsmarkt bringt und sich auch buchstäblich auszahlt, beim Einkommen nämlich. Andererseits rieten israelische Wissenschaftler schönen Frauen, ihren Bewerbungen besser kein Foto beizulegen.

Namen können ebenfalls eine Rolle spielen: Dass Kevin kein Vorname ist, sondern eine Diagnose, ist inzwischen bekannt. Warum Sophie und Alexander Glück haben, zeigte eine Master-Arbeit - manche vorurteilsbeladenen Lehrer halten sie für leistungsstärker als Kinder, die Chantal oder Justin heißen.

Doch jetzt naht Trost für all die Marvins und Justins, Mandys und Jaquelines da draußen, denen schon seit Grundschultagen weniger zugetraut wird als Maximilian und Charlotte: Ein aristokratisch klingender Nachname kann helfen - sofern man denn einen hat. Eine aktuelle Studie zweier Forscher aus Cambridge und Paris ("It Pays to Be Herr Kaiser") zeigt nämlich, wie sich der Familienname auf die Karriere auswirkt.

Guten Tag, Herr Kaiser!

Wessen Name royal klingt, wer also etwa König oder Kaiser heißt, hat eine höhere Chance auf eine gehobene Management-Position als der Durchschnitt. Birgt der eigene Name jedoch Hinweise auf beruflich niederen Status oder einfaches Handwerk, schaut es schlechter aus mit der Führungsposition: Herr Schuster oder Frau Becker sind tendenziell unterdurchschnittlich im Management vertreten.

Die Arbeits- und Organisationspsychologen Raphael Silberzahn und Eric Luis Uhlmann werteten rund 223.000 Datensätze des Karriere-Netzwerks Xing aus - nach Nachnamen und Position. Sie wählten die 100 üblichsten Nachnamen und ergänzten Namen edlen Klanges wie König, Kaiser oder Fürst. Ergebnis: Bei den vermeintlich Adeligen sind pro 100 Fällen zwei mehr als Führungskraft tätig als erwartet (2,7 Prozent). Bei den berufsnahen Nachnamen ist es ein Manager weniger als erwartet unter 100 (1,1 Prozent).

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Promi-Namen: Warum heißen die bloß so?
Die Abweichungen sind nicht überwältigend groß, fallen aber nach Überzeugung der Forscher statistisch ins Gewicht - und schon dass es sie überhaupt gibt, ist verblüffend. "Für eine reine Korrelationsstudie ist das ein signifikanter Wert", so Autor Silberzahn. "Wir wollten untersuchen, ob neben der Körpergröße oder markanten Gesichtszügen der Nachname ein weiterer unbewusster Faktor ist in der Beurteilung von Menschen. Es ist kein Zufall, dass sich Schauspieler wie Tom Cruise Künstlernamen geben oder dass eine Werbefigur für eine Versicherung 'Herr Kaiser' hieß - und eben nicht 'Herr Bauer'. In der Tat finden wir in unserer Studie, dass in der Gruppe von Leuten mit zehn adelig klingendem Nachnamen wie Ritter, König, Kaiser ein höherer Anteil als Führungskraft arbeiten als bei Leuten in der Vergleichsgruppe, die auf den häufigsten deutschen Nachnamen basiert."

Was in der Studie ebenfalls auffällt: Namen, die einen noch gängigen Beruf bezeichnen (Becker, Schuster), schneiden schlechter ab als jene, deren Name als Beruf kaum noch geläufig ist (Wagner, Schäfer). "Je weniger verbreitet der Beruf, desto schwächer ist die Assoziation mit diesem und desto weniger wird der Name mit dem Beruf und dessen Status in Verbindung gebracht", so Raphael Silberzahn, der als Deutscher an der Universität Cambridge promoviert. Sein amerikanischer Kollege Eric Luis Uhlmann arbeitet als Assistenzprofessor in Paris, beide veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Psychological Science".

Bauchgefühl? Ein schlechter Ratgeber

Und warum dient es der Karriere, Baron, Graf oder Fürst zu heißen? Die Forscher vermuten eine Mischung aus Eigen- und Fremdwirkung: Wer seinen Namen toll findet, tritt womöglich selbstbewusster auf. Zugleich könnten sich die Träger der nobel klingenden Namen der alten Bedeutung bewusst sein und sich entsprechend verhalten - Adel verpflichtet eben, sogar im 21. Jahrhundert noch. Und auch das Gegenüber, zum Beispiel der Chef, verhält sich durch die unbewusste Assoziation unter Umständen wertschätzender.

"Uns ist es wichtig, Führungskräfte dafür zu sensibilisieren, dass ein royaler Nachname eine Wirkung hat. Viele verlassen sich bei ähnlich qualifizierten Bewerbern oft auf ihr sogenanntes Bauchgefühl. Aber so ein Bauchgefühl kann auch Faktoren einschließen, die unbewusst wahrgenommen wurden und wie im Fall von Namen eigentlich ein schlechter Ratgeber sind", sagt Silberzahn.

Die beiden Forscher wählten Deutschland für ihre Feldstudie aus, weil hier im beruflichen Umfeld primär gesiezt wird, mit dem Nachnamen. Dagegen spricht man etwa in den USA sein Gegenüber schnell mit John, Jack oder Mary an statt mit Mr. King oder Mrs. Cook. Der Vergleich, welche Rolle der Name spielt in Ländern, wo primär geduzt wird, steht noch aus.

Glücklich also, wer Kevin König heißt - und doppelt gestraft, wer als Kevin Bauer durchs Leben schleicht? "Der Name ist keine unumstößliche Vorbestimmung", so die Forscher. Man denke an Philipp Lahm: Anders als sein Name vermuten lässt, ist der kleinste Spieler der flinke Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. "Und auch aus einem Beckenbauer wurde schließlich ein Kaiser Franz", so Silberzahn.

Anmerkung der Redaktion: Einige Monate später haben die Forscher ihre Ergebnisse korrigiert - der neuen Analyse zufolge existiert der Namenseffekt doch nicht. Dass Fürst, König oder Ritter seltener vorkommen als gebräuchlichere Namen, habe die Studie verzerrt, räumten sie im Mai 2014 ein. Demnach ist ein schlichter Nachname mit Blick auf die Karriere wohl doch kein Nachteil.

  • Helene Endres ist Redakteurin beim manager magazin.

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
vo2 17.10.2013
1.
Zitat von sysopCorbisDie Kollegen Becker, Koch oder Fischer müssen jetzt ganz tapfer sein: Sie werden seltener Chef als Herr Kaiser oder Herr König. Eine Studie zeigt, dass Nachnamen edlen Klanges leichte Karrierevorteile bringen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/nobler-nachname-hilft-bei-der-karriere-a-928231.html
Echt? Bei Herr Kaiser denke ich automatisch an die Humbug Mülleimer. Nicht gerade ehrenvoll.
hanfbauer2 17.10.2013
2. Danke für den Artikel...
Jetzt wird mir auch klar, warum es ein Roman Herzog so weit gebracht hat!
Gegengleich 17.10.2013
3.
Zitat von hanfbauer2Jetzt wird mir auch klar, warum es ein Roman Herzog so weit gebracht hat!
Und bei Ihrem Beitrag wird mir klar, warum die meisten mit "Bauer" nur tumbe Trottel verbinden. Bei mir war das bisher nicht so, aber danke schonmal dafür! Was haben Sie denn gegen Roman Herzog vorzubringen?
simple mind 17.10.2013
4. Na da bin ich aber froh,
dass ich nicht Kevin Klempner heiße.
allesamt 17.10.2013
5. Wer ist
Das Ergebnis dieser Studie bezweifele ich nicht. Doch ich frage mich: Wer ist "schuld"? Bei den Kevins und Schantelles sind es die Lehrer, weil die doch Vorurteile haben.
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