Pfarrer im olympischen Team Beten für Athleten

Für ihn sind es schon die siebten Olympischen Spiele: Thomas Weber soll die deutschen Athleten in Südkorea als Pfarrer unterstützen. Auch ein Kollege der katholischen Kirche ist dabei.

Das Olympische Dorf in Pyeongchang
DPA

Das Olympische Dorf in Pyeongchang


Sie bezeichnen sich selbst als "die Allerunwichtigsten in der Olympia-Mannschaft". Jürgen Hünten und Thomas Weber werden in Pyeongchang in keiner Disziplin antreten, sie werden weder Skier wachsen noch Muskeln massieren. Sie werden beten.

Hünten ist katholischer Pfarrer, Weber evangelischer.

Seit 1972 schicken katholische und evangelische Kirche Seelsorger zu Olympischen Spielen. Sie organisieren im Deutschen Haus ökumenische Andachten und Gebetszeiten und haben immer ein offenes Ohr - nicht nur für Sportler, auch für Trainer, Betreuer oder das Organisationsteam.

"Viele wissen zu schätzen, dass wir dabei sind", sagt Weber. Für den Gemeindepfarrer aus Gevelsberg sind es schon die siebten Olympischen Spiele. "Da sind auch schon Freundschaften entstanden", sagt der 57-Jährige. "Es ist unser Pfund, mit dem wir wuchern können, dass die Leute wissen: Die Seelsorger sind verschwiegen. Denen können wir Dinge erzählen, die uns belasten, aber auch die schönen Dinge des Lebens." Selbst für Trauungen oder Taufen zwischen den Spielen sei er schon angefragt worden.

Thomas Weber
picture alliance / Jan Haas

Thomas Weber

"Manche sprechen über Lebensplanungen, ein Leben nach dem Sport, über Familie, Freundschafts- oder Beziehungsprobleme. Zum Teil geht es auch um Stressabbau, Scheitern oder Gewinnen - die klassischen Fragestellungen", sagt Hünten. Für den 51-Jährigen sind es die ersten Olympischen Spiele, aber Erfahrungen als Sportseelsorger konnte der Hochschulpfarrer aus Nordrhein-Westfalen schon bei zwei Universiaden sammeln. "Es ist gut, wenn jemand da ist, mit dem man einfach mal spazieren gehen kann. Jemand, der hilft, dass der Kopf frei wird."

Wie plötzlich ein Pfarrer gefordert sein kann, hat Thomas Weber vor zwei Jahren bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro erlebt: Kanutrainer Stefan Henze verstarb an den Folgen eines Autounfalls. Der Tod des 35-Jährigen sei einer der "dunkelsten Momente" gewesen, sagt Weber.

"Am Dienstagnachmittag fand die Trauerfeier statt, die Betroffenheit war riesengroß. Und als die Trauerfeier zu Ende war, hieß es schon: 'Habt ihr es gehört? Fabian Hambüchen hat Gold gewonnen, geil!' Da merkt man, wie sich bei Olympia die Hochs und Tiefs abwechseln."

Auch deshalb wollen die beiden Seelsorger für alles gewappnet sein. "Ich habe einen imaginären Koffer mit Gedanken für unterschiedliche Situationen dabei. Man weiß ja nicht, wie sich die Spiele entwickeln", sagte Hünten. "Ich würde mich freuen, wenn ich den Leuten helfen kann, dass die Spiele für sie erfolgreich werden."

sid/vet



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.