Büroleben Darf mich mein Chef zum Aufräumen zwingen?

Auf dem Schreibtisch stapeln sich Papiere, Zeitungen, Kaffeetassen. Aber solange dort produktiv gearbeitet wird, geht das niemanden was an - auch den Chef nicht. Oder?

Unordentliche Arbeitsplätze (Symbolbild)
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Unordentliche Arbeitsplätze (Symbolbild)


Manche Schreibtische sind kein schöner Anblick. Zwischen Stiften, Zetteln und Taschentüchern stehen dreckige Kaffeetassen, drei Tage nicht abgewaschen, mindestens. So mancher Angestellte arbeitet nicht in einem Büro, sondern in einem Saustall - sehr zum Ärgernis vieler Chefs. Doch dürfen sie ihre Angestellten zum Aufräumen zwingen oder sogar private Deko verbieten?

Die Antwort ist eindeutig: Sie dürfen. "Der Schreibtisch beziehungsweise der Arbeitsplatz gehört dem Arbeitgeber", sagt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht. "Deshalb darf er auch entscheiden, wie es da zugeht." Das gilt auch für die private Deko.

Allerdings muss der Chef den Grundsatz "gleiches Recht für alle" beachten. Wenn also ein Angestellter das Bild von Mutti wegräumen muss, ist auch der Kollege verpflichtet, das Foto vom Familienhund in die Schreibtischschublade zu verbannen. Auch wenn ein Angestellter zum Aufräumen verdonnert wird, müssen alle ran.

Wenn es um den Zustand des Arbeitsplatzes geht, hat der Vorgesetzte fast alle Freiheiten. So kann er zum Beispiel plötzlich private Dekoration oder Unordnung auf Schreibtischen verbieten - auch dann, wenn er es vorher stillschweigend geduldet hat.

Im Streitfall kann der Betriebsrat helfen, rät Anwalt Markowski. Denn die Mitarbeitervertretung darf in solchen Fällen mitbestimmen, per Betriebsvereinbarung zum Beispiel. Dort lassen sich dann auch Details klären - ob es etwa genug Schubladen und Schränke für die Dinge gibt, die nicht mehr auf dem Schreibtisch herumliegen sollen.

Falls Sie Ihrem Chef zuvorkommen und aufräumen wollen, hier einige Tipps:

  • Nehmen Sie sich jeden Abend fünf Minuten Zeit, um Ihren Schreibtisch aufzuräumen. Das hilft, auch gedanklich Feierabend zu machen.
  • Machen Sie regelmäßig einen Office-Clearing-Day und räumen Sie Büro, Schreibtisch und E-Mail-Postfach auf.
  • Verbinden Sie den Clearing Day mit der Reflexion darüber, was Ihre derzeitigen Prioritäten sind und was Sie dafür benötigen.
  • Üben Sie Loslassen: Verabschieden Sie sich von Papier, alten E-Mails, alten Arbeitsweisen und Gedanken. Elektronische Informationen auszudrucken oder gar abzuheften kostet viel Zeit, und Papierstapel sind unübersichtlich.
  • Wenn es unbedingt Papier sein muss: Verabschieden Sie sich von ungeordneten Stapeln. Sie sollten maximal vier Ablagekörbe haben: Posteingang, To-do, Lesen, Ablage. Der Posteingang sollte jeden Abend leer sein.
  • Notieren Sie alle Termine und Aufgaben elektronisch - und nicht auf Post-it-Zetteln, in Collegeblöcken oder Papierkalendern. Elektronische Kalender sind flexibler zu handhaben, leichter zu teilen und zu sichern.

koe/dpa



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