Ingenieur entwickelt Papierflugzeuge Herr der Flieger

Hinten ein DIN-A4-Blatt rein, vorn schießt ein Flieger raus. Mit seiner "Papierflieger-Maschinenpistole" entzückt Dieter Krone auf YouTube Millionen Menschen. Hier sind die besten Faltanleitungen des Ingenieurs.

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DPA

Auf Dienstreisen fragt Dieter Krone immer nach einem Zimmer in einer höheren Etage. Die Aussicht ist ihm egal. Aber von weiter oben fliegen seine Papierflieger besser.

"Wolkenschneider", "Fläming" oder "Phönix" hat der Ingenieur seine Modelle genannt. Der "Wickelpfeil" sei schon einmal 59 Meter weit geflogen, sagt er. Wie man die Flieger aus DIN-A4-Blättern faltet, erklärt er auf seiner Webseite. Er hat sogar ein Buch darüber geschrieben, "Krones kleines Handbuch der Papierfliegerei". Es ist 216 Seiten lang - und ein ziemlicher Ladenhüter. Nach acht Jahren gibt es noch immer Bücher der ersten Auflage zu kaufen.

Krone sieht das gelassen. Seine Fangemeinde hat er woanders: auf YouTube.

7,4 Millionen Mal ist eines seiner Videos geklickt worden. In dem 42 Sekunden langen Filmchen (siehe unten) faltet er keine Flieger. Er schießt sie. Aus einer "Papierflieger-Maschinenpistole", wie er seine Erfindung genannt hat. Das Gerät sieht aus wie eine überdimensionale Polaroidkamera und hat den quietschenden Sound einer Bohrmaschine. Alle paar Sekunden segelt ein Papierflieger heraus.

"Du bist doch Ingenieur, denk dir selbst was aus"

Krone ist gelernter Diplomingenieur der Mechanik. Die Falt-Maschine hat der 49-Jährige selbst entworfen und mit einem 3D-Drucker hergestellt. Ein Fusselroller zieht das Papier an die richtige Stelle. 2500 Euro hat das Gerät gekostet. Für 1000 Klicks bekommt Krone von YouTube einen Euro überwiesen. So konnte er das Nachfolgermodell bauen, eine Art Papierflieger-Kanone. 8000 Euro stecken drin. Das dritte Gerät ist gerade fertig geworden, ab nächster Woche soll es auf einer Messe vorgeführt werden, als Beispiel für gelungenen 3D-Druck.

Bei Krone haben sich viele Menschen gemeldet, die auch gern eine Papierfliegermaschine hätten. Die meisten Interessenten würden von den Kosten abgeschreckt, sagt er. Auch der US-Spielzeughersteller Hasbro habe sich nach einem dreimonatigen Test gegen die Serienproduktion entschieden - zu aufwendig.

"Das sind Prototypen. Sie zeigen, dass das Prinzip funktioniert, aber sie sind noch nicht perfekt", so Krone. Es bleibe öfter mal ein Papier stecken, auch die Bedienung müsse noch besser werden.

Krone kann an den Papierflieger-Geräten nur nach Feierabend werkeln. Hauptberuflich entwickelt er Maschinen, die Proben aus sogenannten Schüttgütern wie Eisenerz entnehmen. So kann der Wert einer Ladung bestimmt werden.

Zur Papierfliegerei kam er erst nach dem Studium. In den Hotels, in denen er auf Geschäftsreisen untergebracht war, gab es weder Fernsehen noch Internet. Das einzige, was er auf allen Zimmern fand, war Briefpapier. Und so fing er abends an zu basteln. "Erst habe ich die gängigen Modelle gefaltet, aber dann dachte ich mir: Du bist doch Ingenieur, denk dir selbst eines aus." Das sei schwieriger gewesen als gedacht.

Das Falten ist nur ein Drittel der Arbeit

Einen neuen Papierflieger zu entwerfen, sei wie Schach zu spielen, sagt Krone. "Erst kommt die Eröffnungsstrategie", da lasse er sich auch gern von Origami-Anleitungen inspirieren. "Dann kommt die Physik ins Spiel."

Wie man Fliegerform und Schwerpunkt zusammenbringt, zeigt Krone auch bei Workshops, zum Beispiel in Grundschulen. Er selbst habe als Kind schnell den Spaß an Papierfliegern verloren, "die sind nicht richtig geflogen". Wie die meisten Menschen sei er damals davon ausgegangen, dass Papierflieger nach dem Falten fertig seien - "dabei ist das nur ein Drittel der Arbeit". Das Trimmen des Papiers und die richtige Wurftechnik seien genauso wichtig.

Die Idee zur Papierflieger-Maschine kam ihm, als er gefragt wurde, ob er für einen 50. Geburtstag 500 Flieger falten könne. Pro Flieger brauche er rund drei Minuten, sagt Krone. Das sind 20 Flieger in der Stunde. "Selbst wenn ich fixer gewesen wäre, an 500 Stück sitzt man ewig. Da musste eine Maschine her."

Dass die nun nicht so bald in Serie gehen wird, macht Krone nichts aus. "Das Schöne an Papierfliegern ist ja, dass sie sehr demokratisch sind: Geld verschafft einem keinerlei Vorteil." Ob man ein teures Blatt Papier verwende oder Altpapier, sei völlig egal. Die Maschine bringe nun Geld mit ins Spiel - "das kann nur ein Jux sein", sagt Krone. Die Wahl zwischen dem Schießen und dem Falten von Fliegern fällt ihm leicht: "Das Falten macht mir immer noch am meisten Spaß."

Video: Ein Papierflieger aus dem Maschinengewehr

Dieter Michael Krone

mit Material von dpa



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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
smartphone 18.09.2015
1. Luftfahrtweisheit
Wenn man mal von den YT -Einnahmen absieht ........Luftfahrt , slebst auf diesem Level : Wie mache ich aus eine großen Vermögen ein Kleines..........
roidusoleil 18.09.2015
2. schlechte Anleitung für
Hier knobeln nun schon 2 Erwachsene seit über einer halben Stunde, um von Punkt 4 auf Punkt 5 zu kommen. Die Anleitung ist völlig unzureichend und unverständlich ! Hoffentlich hat das Buch nicht ähnliche Schwächen !
sloe 18.09.2015
3.
Respekt. Gestern bei TV Total und heute plötzlich nen Artikel dazu.
lordax 18.09.2015
4.
Zitat von roidusoleilHier knobeln nun schon 2 Erwachsene seit über einer halben Stunde, um von Punkt 4 auf Punkt 5 zu kommen. Die Anleitung ist völlig unzureichend und unverständlich ! Hoffentlich hat das Buch nicht ähnliche Schwächen !
Bei welchem Flieger denn? Wir haben hier schon alle fertig. Sogar ohne Kinder - die sind bei sowas in der Regel schneller.
manskyEsel 18.09.2015
5. Neu?
Schon vor Jahren gab es auf dem Buchmarkt ein Buechlein mit Faltanleitungen fuer Papierflieger. Auch das Papier-Format DIN A4 wurde damals schon verwendet. Und es waren viele Modelle.
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