Dos und Don'ts für den Arbeitsweg So pendeln Sie ohne Stress

Wer ständig lange Wege zwischen Wohn- und Arbeitsort zurücklegen muss, ist dabei häufig nicht entspannt. Doch es gibt Tricks, wie man auch auf Dauer gesund zur Arbeit und wieder zurückkommt.

Eine Geschäftsfrau im Zug
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Eine Geschäftsfrau im Zug


Morgens um sechs Uhr auf die Autobahn oder in den Zug, abends erst spät wieder zu Hause ankommen - für 18,4 Millionen Bundesbürger ist Pendeln Alltag. Gesund ist das nicht, zeigen verschiedene Studien. Das Risiko für Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Migräne steige bei Menschen mit langen Arbeitswegen, sagt Heiko Rüger vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB).

Erschöpfungszustände, Verspannungen, Schlafstörungen oder sogar Depressionen können laut Rüger ebenfalls Folge des Pendelns sein. Wächst die Pendelstrecke, sinkt bei vielen Menschen die mentale und physische Gesundheit, genau wie die Lebenszufriedenheit.

Gefährdet sind Millionen Pendler: Jeder vierte Erwerbstätige (26 Prozent) hat einen täglichen Arbeitsweg von mindestens einer Stunde. Das ergibt sich aus dem vergangenen Mikrozensus. Insgesamt ist der Anteil der Beschäftigten, die einen längeren Weg zur Arbeit haben, 2016 auf den Rekordwert von 59,4 Prozent gestiegen, hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) festgestellt.

Doch nicht alle Pendler leiden unter ihrer Situation. Hier finden Sie Tipps und Tricks, wie Sie gesund zur Arbeit und wieder zurück kommen.

Die Grundsatzfrage: Mit dem Auto oder der Bahn

Die meisten Pendler fahren laut Mikrozensus mit dem Pkw (66 Prozent), nur rund 14 Prozent sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Das Pro und Kontra:

  • Auto nur bei schlechter Anbindung wählen: Nur wer mit Zug oder Bus lange unterwegs ist, öfter umsteigen oder mit häufigen Ausfällen und Verspätungen rechnen muss, sollte laut Verkehrspsychologin Andrea Häußle besser mit dem Auto fahren.
  • Zug ist besser für die Entspannung: Ist die Verkehrsanbindung zum Arbeitsplatz gut, lässt sich die Pendelzeit in öffentlichen Verkehrsmitteln freier gestalten. Laut Häußle ist das ein wichtiger Vorteil für das Wohlbefinden.
  • Bahn-Pendler sind tendenziell fitter: "Eine Studie belegt, dass Pendler im öffentlichen Nahverkehr schlanker und gesünder sind, da sie mehr Laufstrecke als Autofahrer haben", erklärt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Auch Bevölkerungsforscher Heiko Rüger sagt: Wer einen Teil der Strecke läuft oder mit dem Rad fährt, bleibt eher fit.

Dos und Don'ts: "Alles, was entspannt, ist erlaubt"

Egal für welches Fortbewegungsmittel Sie sich entscheiden, diese Tipps sollten Sie beherzigen:

  • Nutzen Sie die Pendelzeit zum Entspannen: Wer unterwegs bei guter Musik oder einem spannenden Buch abschalten kann, leidet laut Häußler weniger unter der Fahrerei. "Alles, was entspannt, ist erlaubt", sagt die Verkehrspsychologin. "Ob Heavy-Metal-Musik oder Hörspiele im Auto, stricken oder ein Smartphone-Spiel im Zug - Hauptsache, man nimmt die Pendelzeit nicht als verlorene oder anstrengende Zeit wahr." Sie können sich auch ein Vorbild an Ben Rubin nehmen: Sein kreativer Zeitvertreib machte den New Yorker Pendler auch in Deutschland bekannt.
  • Verfallen Sie niemals in Hektik: Für Autofahrer sollten knapp geplante Termine vor Abfahrt oder hektisches Organisieren unterwegs tabu sein. "Wenn man ins Auto steigt, sollte man den beruflichen Stress hinter sich lassen, durchatmen und abspannen", rät Häußler. "Sonst steigt das Unfallrisiko."
  • Machen Sie regelmäßig Pausen und essen Sie gesund: "Obst und Wasser oder Tee sind gesünder als Fastfood und süße Limonade", sagt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte.

Hier lesen Sie, wie sich SPIEGEL-ONLINE-Leser die Zeit beim Pendeln vertreiben:

  • Getty Images
    Den Rhein bewundern, Funklöcher zählen oder endlich mal ungestört arbeiten: Hier berichten SPIEGEL-ONLINE-Leser, wie sie aus ihrem langen Arbeitsweg das Beste machen.

Die eigene Situation überdenken

Wollen Sie wirklich noch jahrelang pendeln, sollten Sie sich von Zeit zu Zeit fragen. Diese Punkte können Sie sich durch den Kopf gehen lassen, wenn Sie an Ihrer Situation etwas ändern wollen.

  • Überdenken Sie Ihre Wohn- und Lebenssituation: Die optimale Reiseroute kann sich genauso verändern wie die eigene Gesundheit, berufliche Wünsche oder die Bereitschaft umzuziehen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Chef oder dem Betriebsrat: Sind flexible Arbeitszeiten durch Gleitzeit oder Tage im Home Office möglich? Das reduziert nicht nur den Stress, sondern könnte sogar die Kreativität fördern.
  • DPA
    Lange Arbeitswege belasten die Psyche, dennoch fahren Arbeitnehmer immer länger. Umweltministerin Hendricks will deshalb Fahrradstellplätze fördern - dabei würde es eher helfen, befristete Jobs einzudämmen.
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sun/Sarah Thust/dpa

insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
max-mustermann 26.10.2017
1.
"Zug ist besser für die Entspannung" Das hängt dann aber doch sehr stark von den Mitreisenden und der (Un)Pünktlichkeit der Bahn ab. Entspannt ist für mich jedenfalls anders.
3-plus-1 26.10.2017
2.
Nicht die reine Fahrzeit ist entscheidend, sondern die Art der Fahrt. Für mich gilt ÖPNV nur auf Schienen. Bus ist so derbe unzuverlässig, eng und ein Geschaukelmit Halt an jeder Milchkanne und stehen in jedem Stau, das man so eine Anbindung auch nur als Notlösung für kurze Zeit sehen kann. Bei Bahnfahrten zählt dann die Häufigkeit des Umsteigens. Das macht jedes Mal Stress, vor allem, wenn dein Zug pünktlich kommt, aber wegen nicht gegebener Einfahrt in den Bahnhof 10 min auf Sichtweite des Anschlusszuges stehen bleibt und man diesen dann nur noch abfahren sieht. Das erzeugt Wut und da geht die Pumpe. Mit Fußweg zum Bahnhof und dann noch mal Fußweg vom Bahnhof zur Arbeit, ist die Bahn dann ohne Umsteigen das perfekte Verkehrsmittel. Dann ist es auch egal ob S-Bahn oder ICE und ob die Fahrzeit dann 15 mmin oder zwei Stunden sind ist dann quasi auch egal. Trotzdem, wenn es auch gut aussieht mit der Anbindung und man dann das Auto abschafft, um nun diese Verbindung zukünftig zu nutzen, sollte man sich noch eine Hintertür offen halten. Ich habe mir wieder ein Motorrad angeschafft. Ist bei weitem im Unterhalt nicht so teuer, wie ein Auto, aber man hat dann nicht dieses auslaugende Gefühl sein ganzes Leben völlig fremdbestimmt nach Stechuhr ausgeliefert zu sein. Ein paar mal im Sommer bei schönem Wetter in der Firma und ohne auf die Uhr geschaut zu haben Feierabend gemacht und über verschlungene Wege nach Hause, gibt erst wieder die Kraft in den nun folgenden sechs Monaten wieder täglich zum Bahnhof zu trotten.
Alex Müller 26.10.2017
3. Jahrelang gependelt
Ich habe jahrelang als Berater gependelt und bin sehr froh es mittlerweile nicht mehr tun zu müssen. Überall wo ich konnte, habe ich die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt. Vor allem die Bahn auf einer Langstrecke ist super. Nach Absprache mit meinem damaligen Auftraggeber konnte ich eine Stunde früher los und im Zug noch einige Mails abarbeiten. Dort konnte man in Ruhe etwas essen, die vorbeiziehende Landschaft beobachten, evtl. mit einem netten Sitznachbarn plaudern oder bei einer Serie abschalten. Für Bücher hat mir nach einem stressigen Alltag die Zeit gefehlt. Die Fahrten mit dem Auto hingegen waren immer sehr anstrengend. Man muss sich konzentrieren, kann nicht mal kurz die Augen schließen und abschalten wie in der Bahn. Wenn dann noch ein Stau dazu kommt, geht es an die Substanz. Aber auch im Auto habe ich noch auf der Strecke gearbeitet. Telkos habe ich so gelegt, dass ich sie auf der Heimfahrt erledigen konnte. So war ich öfter 1-2 Stunden früher zu Hause, konnte Staus entgehen und dann zu Hause wieder Kraft tanken. Trotzdem bin ich heilfroh nicht mehr jeden Tag pendeln zu müssen. Ich fahre mittlerweile mit dem Rad zur Arbeit und denke immer an die armen Leute in den Staus die ich oft vom Fahrradweg aus sehe.
laracrofti 26.10.2017
4. In Deutschland wird wie
wahnsinnig gependelt weil doch das Fahren (vor allem mit dem PKW) oberflächlich betrachtet "nix kost'" und man es mit der Pendlerpauschale zurück bekommt. Natürlich ist das falsch. 1h einfache Fahrt, d.h. täglich mindestens 2h Freizeit draufgehen zu lassen auf die Fahrerei die nichts bringt sondern nur kostet ist der Wahnsinn.
RalfWenzel 26.10.2017
5. Ich sage immer.....
....wer sich in einen Zug setzt und darauf wartet, dass er ankommt, hat's Bahnfahren nicht verstanden. Selbst wenn man mit der Bahn länger unterwegs ist als mit dem Auto, kann es doch zeitlich effizienter sein, wenn man Dinge in der Bahn macht, die man sonst im Büro oder zuhause machen würde.
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