Neuer Rekordwert In Deutschland gibt es immer mehr Pendler

Fast 60 Prozent der Arbeitnehmer pendelten 2016 zum Job. Besonders betroffen ist München, den höchsten Zuwachs hat Berlin. Auch zwischen Ost und West sind die Unterschiede enorm.

Verkehr auf der A8
DPA

Verkehr auf der A8


Der Anteil der Beschäftigten, die zum Teil lange Wege zum Arbeitsplatz und zurück in Kauf nehmen, ist auf einen neuen Rekordwert von 59,4 Prozent gestiegen. Damit wuchs die Zahl der Pendler von knapp 18 auf 18,4 Millionen, teilte das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Im Vergleich zu 2015 ist das ein Anstieg um zwei Prozent.

Das BBSR aktualisierte seine Zahlen für verschiedene Großstädte in Deutschland. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann analysierte anhand der einschlägigen Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) weitere Pendlerzahlen für 2016. Hier lesen Sie die Ergebnisse in der Übersicht.

Unterschiede nach Städten und Regionen:

  • Die Stadt mit den meisten Arbeitnehmern, die in einer anderen Gemeinde wohnen als sie arbeiten, war München mit 365.000 Pendlern (2015: 355.000). Zu den Hauptgründen zählten die hohen Miet- und Immobilienpreise in den Städten sowie die gestiegene Beschäftigung, sagte BBSR-Experte Thomas Pütz.
  • Den größten Zuwachs an Pendlern hatte Berlin binnen eines Jahres zu verzeichnen. Die Zahl der Menschen, die zum Arbeiten in die Hauptstadt fährt, ist um 6,2 Prozent auf 290.828 gewachsen.
  • Nicht nur zwischen Großstädten und Umland, auch zwischen den Bundesländern gibt es immer mehr Pendler. Waren dies 1999 noch 2,17 Millionen Arbeitnehmer, stieg die Zahl bis 2016 auf 3,15 Millionen.
  • Im Durchschnitt werden auch die Pendel-Entfernungen immer länger. So betrug die Länge des einfachen Arbeitswegs laut Bundesinstitut im vergangenen Jahr im Schnitt 16,91 Kilometer, im Jahr davor waren es 16,76. 1999 lag die durchschnittliche Distanz noch bei 14,59 Kilometer.
  • Deutliche Unterschiede gibt es laut Zimmermann zudem zwischen Ost und West: 2016 pendelten rund 404.000 ostdeutsche Beschäftigte in den Westen, 1999 waren es 308.000. Umgekehrt kamen aus Westdeutschland im Jahr 2016 nur 158.000 Beschäftigte zum Arbeiten in die neuen Länder, 1999 waren es rund 77.000.

Der hohe Pendlerüberschuss von Ost nach West sei Ausdruck der Flucht vor Arbeitslosigkeit und Niedriglöhnen in den neuen Ländern, sagte Zimmermann. "Über 25 Jahre nach der Wende kann definitiv nicht von gleichwertigen Lebensverhältnissen gesprochen werden."

Pendeln hat durch Verkehr und Flächenverbrauch nicht nur Folgen für die Umwelt, sondern wirkt sich auch negativ auf die Gesundheit der Betroffenen aus.

  • DPA
    Lange Arbeitswege belasten die Psyche, dennoch fahren Arbeitnehmer immer länger. Umweltministerin Hendricks will deshalb Fahrradstellplätze fördern - dabei würde es eher helfen, befristete Jobs einzudämmen.
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sun/dpa

insgesamt 68 Beiträge
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wo_st 31.07.2017
1. Mobile
Wir wollen Pendler und damit den Feinstaub. Damit gibt es neue Arbeitsplätze, wegen dem Feinstaub, die wieder neue Pendler schaffen.
wjb27 31.07.2017
2. Die Pendler
Die Pendler wohnen nicht außerhalb Münchens weil die Wonungen so teuer sind sondern weil es die erforderlichen Wohnungen nicht gibt. Da es zu wenig Wohnungen gibt wird der Bestand teuer vermietet. Angebot und Nachfrage nennt man das glaub ich. Weshalb muß eigentlich vom Staat alles zentralisiert werden. Viele Büros könnten im Zeitalter des Computers in kleinere Städte verlagert werden. Und noch ein Faktor spielt eine Rolle, Frau und Mann arbeiten sehr oft in verschiedenen Städten. Da kommt es ganz automatisch zum pendeln.
B!ld 31.07.2017
3. Durchschnittlich Schnitt 16,91 Kilometer
So lang sind die Arbeitswege innerhalb Hamburg auch - sind wir alle Pendler? In der Großstadt haben wir die Wahl, brachialen Feinstaub zu erzeugen (Auto), intensiv brachialen Feinstaub einzuatmen (Fahrrad), oder sich von einem gierigen Monopol-Unternehmen erpressen zu lassen (öffentlicher Nahverkehr).
andrehe 31.07.2017
4. die Politik könnte das Problem lösen...
Entfernungspauschale abschaffen und einen Rechtsanspruch auf Heimarbeit wie in Holland einführen. Es gibt ca. 4 Mio. Büroarbeitsplätze, die für Heimarbeit in Frage kommen. Weiterhin könnte die Anfahrt als anrechenbare Arbeitszeit gelten, was zu einer Motivation der Unternehmen führen würde, den Mobilitätsbedarf ihrer Angestellten zu verringern (durch Büros in der Nähe der Wohnorte oder Heimarbeit).
spon_2545532 31.07.2017
5. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BSSR)
Mein Gott, ist es denn so schwer? Die Abkürzung heisst nicht BSSR, sondern BBSR.
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